Donnerstag, 5. November 2015

Pablo Larraín: El Club / The Club (2015)

Die Cinemascope-Bilder in diesem Film sind bleich und trüb durch die Lage des Ortes am Meer, oft geradezu undurchsichtig. Die geringe Tiefenschärfe und die reduzierte Farbpalette lässt alles, was nicht im unmittelbaren Zentrum steht, verschwimmen (und macht aus dem Film einen optisch absichtlich ziemlich hässlichen Film). Mit Arvo Pärt auf der Tonspur ist dann auch auf akustischer Ebene für ausreichend sakrale Überhöhung gesorgt (oder hört da jemand etwa Sarkasmus heraus?). Aber die Bilder des Films zwingen den Zuschauer ins Hier und Jetzt zu blicken. Das ist eine gewisse gegenläufige Bewegung und baut Spannung auf. Zumindest eine Zeit lang. Der Ort: ein hässlicher, abgeranzter Outpost an der chilenischen Küste, zwischen Bretterhütte und Behausung kaum ein Unterschied. Die Stromkabel führen zu den besseren Vierteln des scheinbar gottverlassenen Ortes. Wenn Betrunkene auf der Straße grölen, dann stört das hier niemanden. Besucher kommen nur an diese raue Küste um den Hund auszuführen, oder um den Wind und die Wellen zu besurfen. Archaisch geht es zu, die Familien bekriegen sich so offensichtlich wie symbolisch beim sonntäglichen Hunderennen. Windhunde sind ein einträgliches Geschäft.

Die Männer, allesamt ehemalige Priester, leben in einem Haus hoch über dem Meer und verbringen ihre Tage mit Gesprächen, Gebeten, Essen und Trinken. Alkohol ist jedem ein guter Begleiter durch die leeren Tage. Eine langmütige Ordensschwester kümmert sich. Die Ruhe wird schließlich gestört durch einen obdachlosen Betrunkenen, der einen der Männer des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. In äußerst drastischen Worten werden die Vergehen des Mannes in die nasskalte Dämmerung gebrüllt, dann, plötzlich, taucht ein Pistole auf und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Und das war nur der Auftakt zur langsam heraufschleichenden Katastrophe, in der diese Männer schon lange stecken, und was sie lange Zeit allzu gut verdrängen konnten. Da  kommt dann plötzlich ein schöner Mann ins Haus, mit einem tollen Bart und ruhigen Augen und schnittigen Wollpullovern, geschickt von der „neuen Kirche“ um aufzuräumen mit den alten Peinigern, die reihenweise sich an jungen Schutzbefohlenen vergingen. Er ist ein Ermittler, Psychologe und studiert in dubiosen Sozialwissenschaften. Vorbei die ruhigen Tage der klösterlichen Einsiedelei, in der es sich die Täter doch recht gemütlich eingerichtet hatten. Die Verhöre beginnen, die Vergangenheit kehrt endgültig zurück.

Den Bildern wohnt eine große Spannung inne (die manchmal allerdings auch etwas penetrant wirken können), und obwohl nicht viel mehr als triste Umgebung, schlechtes Wetter und Männerdialoge den Ablauf von EL CLUB bestimen, so ist der Film doch durchzogen von einer tiefen inneren Beunruhigung, einer Spannung, wie wenn ein Lunte angezündet worden ist, die jeden Moment eine Explosion auslösen kann. Denn die ganzen Lagen an Kleidung, die die Männer hier tragen, Unterhemden und hoch zugeknöpfte Karohemden, darüber Pullunder und nochmal einen Wollpullover, können nicht die Vergehen ihrer zerstörerischen Fleischeslust verdecken, die so tief verborgen liegen. EL CLUB ist ein Paradebeispiel für „relevantes Arthousekino“ – und wie man das bewertet, dazu sei heute einmal jeder selbst aufgefordert.

Michael Schleeh

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 EL CLUB hat bei der Berlinale 2015 den Silbernen Bären gewonnen und startet heute, am 5. November, in den deutschen Kinos.

Freitag, 21. August 2015

Wyrmwood: Road of the Dead (Kiah Roache-Turner, Australien 2014)

"Wie hier schon auf der Seite kritisch angemerkt wurde: noch einen und noch einen weiteren Vertreter der „immergleichen Zombiepampe“ braucht kein Mensch mehr. Umso schöner, wenn dann eine Amateurproduktion auftaucht, die vor Klasse, oder zumindest dem Streben danach, geradezu strotzt. Und obwohl hier anstatt bei Romero eher am neueren Infektionsterrorismus Marke Danny Boyle angeknüpft wird – mitsamt einem herrlich swingenden durchgeknallten Arzt in der beliebten Breaking Bad-Quarantänemode – wird das nicht als Freibrief zur witzchengespickten, ungezügelten Gore-Satire missverstanden, nein, eine gewisse Ebene der Ernsthaftigkeit grundiert diesen Film. Außerdem werden nicht nur einigermaßen interessante Figuren eingeführt (eine jede eine eigenständige Hackfresse, und besonders schön: der Aborigine-Sidekick), nein, immer wieder kommt der Film mit leiseren und düsteren Stimmungen daher, ernsten, dann tatsächlich bedrohlichen Momenten, eigentlich inneren Seelenlandschaften, die im Kontrast zur australischen Naturschönheit stehen; sowie einer Lust an der ungezügelten Kostümierung, die in ihren karnevalesken Szenen an die Transgressionen eines frühen Rob Zombie erinnern. Garniert mit dem einen oder anderen Lackstiefel und angefetzten Büstenhalter: die verschwitzte Tanktop-Frau – zum baldigen Verzehr durch männliche Antihelden – exploitativ am Dachgebälk aufgehangen, lässt dann auch etwas Feuer in den Lenden der männlichen Zielgruppe aufflackern.

Filme aus Australien haben beim Genrepublikum eine merkwürdige, prinzipielle Grundcredibilitiy. Ältere Semester denken sofort an Mad Max (der hier mehrfach zitiert wird) oder an den schönen Campingfilm Lost Weekend, jüngere Generationen häufig an Wolf Creek und Konsorten. Ein Grund könnte sein: Viele davon tragen eine gewisse exotische Kompromisslosigkeit im Herzen, die sie sympathisch macht. Allzuviele Zombiefilme sieht man nun sowieso nicht gerade aus diesem Land, man erinnere sich etwa an Undead von den Spierig Brothers; der Film ist aber auch schon wieder von 2003."


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Montag, 3. August 2015

Mission: Impossible - Rogue Nation (Christopher McQuarrie, 2015)

Während der Trend bei den letzten James Bond-Filmen wieder deutlich Richtung Ernsthaftigkeit ging, erfreulicherweise, geht er hier Richtung Augenzwinkern. Und mit so einem Mann in der Spezialeinheit wie Simon Pegg, der den trockenen englischen Humor mit etwas Hysterie ins Spiel bringt, macht das auch richtig Spaß. Aber auch  mit Tom Cruise, der in Würde zu alten scheint, der mit Stil eben dieses Augenzwinkern versteht, kann man sich wunderbar solidarisieren. Trockener Humor ganz ohne markige Oneliner sind sein Markenzeichen, und ein sympathisches, nonchalantes Achselzucken gegenüber den Limitierungen des Alters.

Klar, die Blondine ist immer noch der love interest, der Sniper ist ein kantiger Typ Marke Dolph Lundgren anno 1985 und der Bösewicht ein fieser Typ wie ein gefährlicher Zahnarzt mit Mundgeruch. Opfer: immer hohe Politiker und die Welt kurz vor dem Untergehen. Ist aber auch nicht so wichtig, dieses Immergleiche - in den Strudeln des Genrefilms, eigentlich ist er ja nichts anderes, nur eben mit sehr viel Geld gedreht, sind die Koordinaten im Vorhinein bekannt. Man rennt also durch die beachtlichen Setpieces, wird weggeblasen von der ziemlich bodenständig und glaubhaften Kinetik der Aktionsszenen und verfolgt den Plot nur noch mit einem Aug' & Ohr. Das muss genügen, so hat man sich darauf geeinigt. Es funktioniert alles bestens, wenn man sich auf die Macht der Bilder einigt.

Wunderbar gleich der Anfang des Films in seiner grotesken Schönheit, Panik, Hysterie. Und Albernheit. Ja, soviel Zeit muss sein. Albern zu sein. Auch wenn man interkontinental Dringendes zu erledigen hat.

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Montag, 8. Juni 2015

Akira Kurosawas RASHOMON im Kino der Brotfabrik Bonn


Montag - 15.6.2015 - 19 Uhr

RASHOMON (DAS LUSTWAELDCHEN)
Japan 1950 - OmeU - 88 Min. - 35mm
Regie: Akira Kurosawa

"Ein Verbrechen im mittelalterlichen Japan: eine vergewaltigte Frau, ein toter Samurai - und vier einander widersprechende Zeugenaussagen über den Hergang der Tat.

Akira Kurosawa setzt diesen Stoff auf ebenso einfache wie geniale Weise um: durch die Konfrontation der widerspruechlichen Zeugenaussagen in Form von gleichgewichtigen subjektiven Rueckblenden. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Gezeigten wird dabei umso eindringlicher gestellt, als die Protagonisten ihre Zeugenaussagen frontal in die Kamera sprechen und so gewissermassen das Publikum als Richter anrufen. 

Rashomon trug Kurosawa den Auslandsoscar und den Goldenen Loewen ein und bescherte dem japanischen Film eine zuvor nicht gekannte Aufmerksamkeit im Westen."

Veranstaltet wird vom Kölner Filmclub 813, der diesen großartigen Klassiker nach der literarischen Vorlage von Ryunosuke Akutagawa in originaler Filmkopie zeigt. Ein tolles Erlebnis im digitalen Wahn der heutigen Zeit. 

Donnerstag, 9. April 2015

Transferring consciousness: CHAPPIE von Neill Blomkamp (2015)

Ganz am Ende findet der Film dann glücklicherweise zu einem tollen Höhepunkt, wenn der Roboter Chappie, der mittlerweile ein Bewusstsein erlangt hat, dem sterbenden Menschen zu einer neuen Hülle verhilft: Er verpflanzt das Bewusstsein des genialen Ingenieurs Deon (Dev Patel, wie immer: toll!) in den Körper eines Roboters, damit er nicht an einem Bauchschuss sterben muss, sondern weiterleben kann.

Bis dahin, zu dieser Morallektion, muss man allerdings sehr weit gehen durch ein apokalyptisches Johannesburg, erschüttert von Bandenkriegen und Aufständen. Wieder einmal typisches Blomkamp-Terrain, also. Alles überspitzt bis in die Karikatur hinein getrieben, alles überformuliert, bis dass dem Betrachter beinahe das Gesicht einfriert. Gut, man hat den Sarkasmus verstanden, die Ironie der Geschichte, erträgt sogar den Score von Hans "Bummbumm" Zimmer, und auch die grotesken Geschmacksattacken durch die beiden Hauptfiguren von Die Antwoord. Lustig ist das nicht, eher doof. Sehr dicht dran am ollen Schenkelklopfer. Big Badass Bass Bruda.

Bis dann am Ende die Mechanisierung eben auch den Menschen optimiert, allerdings revitalisiert durch einen Roboter. Der dritte Film von Blomkamp nun, an dem einiges sehr gut ist, und so einiges eben auch nicht.

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Freitag, 26. September 2014

Edge of Tomorrow (Doug Liman, USA 2014)

Immer wieder und wieder, kurz nachdem der Herzschlag dann ausgesetzt hat, beginnt das Spiel von vorn. England (und also die Welt) wird von einem üblen Alienmonster bedroht und Tom Cruise muss es vernichten. Wie in Täglich grüßt das Murmeltier oder jedem anderen Todesshooter an der Konsole beginnt alles immer wieder von vorn, sobald der Held, also das Ich, tot ist. Der Film meistert das so, dass dieser Aspekt des Neustarts nur am Beginn, also so lange, wie der Protagonist an Zeit braucht, dies zu schnallen, auch formal berücksichtigt wird. Wie er übel ausgetrickst wird vom Vorgesetzten und strafversetzt dann zu einer Killereinheit, sprich Himmelfahrtskommando, das ihm erstmal nix Gutes will. Und er sich dann durchzusetzen lernt bei den kernigen Typen (die immer nach Schweiß stinken wie in einem Mechanikerporno) und er immer besser wird in seinen Kill-Skills. Und schließlich sogar das Herz (vielleicht) der schönen Exekutorin in Blond zu gewinnen vermag. Später spielt das keine oder kaum eine Rolle mehr, man will die Nerven des Zuschauers ja auch nicht überstrapazieren und springt directement zum abgebrochenen Handlungsabschnitt. Man will ja schließlich nicht alles nochmal durchleben (und so interessant ist es dann halt auch nicht). Die üblen Tentakelmonster lassen einem aber auch keine Chance, und da braucht es schon einen wahnsinnigen Überbau von zusammengezimmertem  Theoriekonstrukt (also Sci-Fi-Humbug), das diese Ellipse des Todes dann auch zu erklären vermag, warum dieses Nochmal-Durchleben überhaupt ermöglicht wird. Wiederholen möchte ich das hier nicht, das wäre nur langweilig.

Aber wer weiß, es ist halt dann doch: Tom Cruise. Smart lächeln kann er ja, stets überrascht, kurz bevor ihn dann der Schnitt und die Montage zum wieselflinken Kämpfer hochstilisiert, der so schnell ist in seinen Reflexen (und so verlässlich in seinen sozialen Kompetenzen), dass man sich von ihm wirklich gerne, sehr gerne sogar, die Welt retten lassen möchte. Außenherum ist dann auch nicht viel - Cruise ist wie eine hermetisch eingeschlossene Kapsel in diesem Film, der alle anderen Darsteller abdrängt und zu Statisten verkleinert. Selbst der love interest ist nur ein interest, love kommt vielleicht später. Letztlich ist Edge of Tomorrow dann doch also ziemlich langweilig, weil aus der Rasanz keine Kinetik entsteht, deutlich vor allem in den Actionszenen - es ist immer ein alles oder nichts, und das geht so schnell, dass man sich irgendwann nicht mehr traut, zu blinzeln. 

Wer die Welt erobert, der ist vor allem schnell, kommt aus dem Untergrund, und gibt dir keine Chance. Womit dem Feind ein Element der Feigheit zugeschrieben wird, da er sich völlig unvermittelt nähern kann, und sich zudem der Camouflage bedient. Kein offener Kampf auf weitem Feld, kein Boxring. Außerdem natütlich ist es ein abgekartetes Spiel, da kann man ja gar nicht gewinnen als aufrichtiger Mensch. Der sich in eine Maschine steckt übrigens um kampffähiger zu werden. Die Tauchszene hin zum pulsierenden Alienherz ist dann der Höhepunkt in diesem Computerspiel (vorher darf sich dann die Dame noch heroisch opfern), der kein richtiger Höhepunkt ist. Emotionslos schaut man da zu bei einem Megalomanismus, der nichts bedeutet, außer Big Budget zu sein. Die Erde: Planetenfodder im großen Spiel. Gut so. Warum man diese olle Weltkugel retten wollen würde (auf der solche Filme state of the art sind), wird hingegen nicht gefragt. Der Heroismus jedoch, der stirbt zuletzt. In dieses Horn bläst auch Edge of Tomorrow. Denn nur über das Opfer des eigenen Körpers wird man die anderen, sprich: alle anderen, retten können. Doofes, konstruiertes Pathos, das.

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Samstag, 21. Juni 2014

Maman und Ich / Les garçons et Guillaume, à table! (Guillaume Gallienne, Frankreich / Belgien 2013)

Guillaume Gallienne, der hier in Personalunion als Regisseur, Darsteller der beiden Protagonisten und als Drehbuchautor seines eigenen, sehr erfolgreichen Theaterstücks auftritt, hat mit diesem Film, der auch beim Filmfestival in Cannes lief, in Frankreich fünf Césars abgeräumt. Zur Zeit ist er außerdem als Pierre Bergé, dem stillen Geliebten, Manager und Lebensgefährten von YSL in Jalil Lesperts gleichnamigem Biopic Yves Saint Laurent zu sehen. Hier nun aber: die eigene Biographie, sein eigenes Verhältnis zur Mutter habe er verfilmt.

Und dabei ist Maman und Ich ein umgekehrter coming out-Film geworden, ein manchmal alberner, mal bissiger Film einer frühen Adoleszenz, die sensibel ihre eigene Sexualität zu erforschen sucht. Dann eines Erwachens zum Manne, in dem einer, der in die Rolle eines Homosexuellen gedrängt wurde und wird, schließlich seine heterosexuelle Seite entdeckt. "Zu Tisch!" also ruft die Mutter ihren Nachwuchs, "die Jungen und Guillaume". Die Erfahrung nicht dazuzugehören prägt sich ihm schon als frühes Kindheitserlebnis ein (deswegen auch der Filmtitel im Original). Dies die Bestätigung eines Zustands, dass Guillaume eben kein Junge ist, dass mit ihm etwas anders ist, etwas Unaussprechliches. Später dann wird es einmal bei einem "Frauenabend" seiner besten Freundin heißen, zu dem er auch geladen ist, "Es gibt Essen!, Mädels", und ein "und Guillaume" wird angehängt. Für die Freundin also ist Guillaume ein Mann, eine Sache, über die er sich - wirklich merkwürdig, da er die ganze Zeit über ja ein Mädchen, Sissi und so weiter, sein wollte - diebisch freut. Die Bestätigung aus dem Munde einer Frau, dass er keine Frau sei! Abgesehen von einer verkürzt rumpeligen Plotenwicklung hat das auch einen merkwürdig konservativen, bitteren Geschmack für einen Film, der bisher zur Freiheit, Offenheit und Aufgeschlossenheit gedrängt hatte.

Der Film ist reichlich medioker - zum einen zünden die Pointen nicht immer, zum anderen mag man mit dem Protagonisten nicht uneingeschränkt mitfühlen, wenn man seinen auf immer und ewig abgesicherten, bourgeoisen Hintergrund wie einen durchsichtigen Fallschirm durch den Film schweben sieht. Was soll ihm schon passieren, als dass er mit einer Lüge leben müsste. Außer zu stottern, die Wörter unaussprechbar wie grobe Brocken im Mund (dies ein schönes Motiv im Film: keine Wörter dafür zu finden, was man nicht benennen kann). Zudem mit einer Konfliktlage, die niemals wirklich angeprochen wird, da das Elternhaus Guillaumes natürlich ein solches ist, in dem Probleme grundsätzlich niemals thematisiert sondern totgeschwiegen werden. Hier könnte man es sich - trotz der Probleme - wunderbar einrichten in einem Seitenflügel des Anwesens vor den Toren von Paris. Die Empathie hält sich da, klar, in Grenzen.

Zudem hat der Film, der letztlich durch die Brillanz des Hauptdarstellers glänzen will, der in einer Doppelrolle als Protagonist Guillaume und zugleich als seine Mutter auftritt (ausgerechnet der Frau, von der er sich lösen will und die er zugleich nachahmt und vergöttert), eine recht penetrante Art, seine flott-freche Beschwingtheit, die immer wieder auf der unschuldigen Naivität der lebensunfähigen Hauptfigur aufbaut, auszustellen. Ein wenig erinnert das an den nervtötenden Inszenierungsstil der pseudohippen Regiearbeiten Cédric Klapischs, der gerade mit seinem unsäglichen Film Chinesisches Puzzle (Casse-tête chinois, 2013) die Zuschauer in die deutschen Arthaus-Kinos lockt(e). Am Ende freilich, da wird alles gut im Wohlfühlfilm Maman und Ich, da wird sogar noch geheiratet und zwar: heterosexuell. Amen. Ab in die Kirche.

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