Sonntag, 21. November 2010

Haschisch aka Hachisch (Michel Soutter, Schweiz 1968)



Soutter, Schüler von Goretta beim Schweizer Fernsehen, realisierte dieses Kaleidoskop schweizerischer Befindlichkeit als vielgestaltiges Kunstkino. Städtebilder, Handlungsausrisse, Interviews, Kommentare direkt in die Kamera. Dazu Bild/Ton-Scheren. Die Handlung schält sich erst nach und nach heraus: eine Liebesgeschichte, die möglicherweise die Kraft hätte, die Figuren zu retten. Doch sie scheitert. Wie eigentlich alles in diesem Film scheitert oder, wie man vermittelt bekommt, bereits gescheitert ist. Die Schweiz, ein Land ohne Identität, bietet auch nichts zur Identitätsstiftung an. Wie einmal gesagt wird: häßliche Großstädte und lächerliche Kurorte, das sei die Schweiz.





Die Protagonisten in Soutters Film sind Intellektuelle der Großstadt, ein Mann des Theaters und sein Freund, ein Mechaniker (dessen Wohnung aber die eines Lesers ist). Die beiden wollen Genf endlich verlassen (-> think about Beckett, Mercier und Camier). Doch sie kommen nicht weit. Mathieu, der Theaterschauspieler, verliebt sich just im Moment des Aufbruchs in Pauline, ein hübsches Mädchen, das aber, ganz selbstbewußt libertin, in einer anderen Beziehung zu einem Mann steckt, die sie nicht aufgeben möchte. Mathieu also möchte weg, dramatisch, und kann doch nicht. Die Sehnsucht bleibt, die Beziehung geht vor die Hunde.

Die Grundstimmung ist die der tiefen Melancholie (diese Tonspur! [--> Jacques Guyonnet]). Man möchte lieben, sich heimisch fühlen, ein sinnvolles Leben leben. Aber es ist nicht möglich. Es bleibt nur das Weggehen. Kurzfristigen Halt scheint nur die Kunst zu bieten, und die ist ortlos. Sie ist überall.