Dienstag, 21. Dezember 2010

Detektive (Rudolf Thome, BRD 1969)


Zwei Lumpen, die keine Lust auf einen normalen Job haben (Marquard DEADLOCK Bohm, Uli Lommel), gründen eine Detektei mit dem Ziel in möglichst kurzer Zeit zu sehr viel Geld zu kommen. Sie haben sogar eine Sekretärin im Minirock (Uschi Obermaier). Sie fühlen sich aber weder an Verträge noch Absprachen gebunden, verführen alles was ihnen vor die Flinte kommt und sehen alles sehr sehr unverbindlich. Da taucht die schöne Annabella auf (Iris Berben) - mit einem etwas heikleren Auftrag - und das Beziehungsgeflecht, sowieso fragil, fällt auseinander...

DETEKTIVE ist ein sagenhafter Film. Kein Staub nirgends, alles rotzfrech. Kesse Mädels, schnoddrige Pseudo-Machos, Wummen gegen das Establishment, Knete, und zwischendurch mal kurz ein Nümmerchen. Aber bloß kein Aufhebens drum machen, denn in zehn Minuten sieht schon wieder alles anders aus! Dazu flotter Jazz von der Tonspur und Vodka, der direkt aus der Flasche getrunken wird.
Das muss ein Schlag in die Fresse des bundesdeutschen, biederen Kinos und des Zuschauers gewesen sein! Thomes erster Langfilm (direkt vor ROTE SONNE) ist zwar formal weniger herausfordernd als dieser (dennoch schnelle Schnitte, Ellipsen usw), dafür ein herrlich freies Manifest in Spielfilmform für eine ungezwungene Lebeweise, die den Autoritäten so ein bißchen über die Schulter zugrinst. Da wird auch nicht mehr revoltiert, da können die Spießer froh sein, wenn man sie überhaupt noch wahrnimmt. Das wirkt unglaublich souverän, und ist dabei erfrischend unintellektuell. Da wird keine Politik gemacht, da werden keine Pamphlete gelesen, nee, es geht um die Mädels und die Knete. Nerv bloß nicht mit Nachdenken!
Dieser Film zeugt von der großen Hoffnung ins deutsche Filmschaffen, die man also dank dieses fantastisch energiegeladenen Anfangs haben konnte. Es gab ja auch noch Fassbinder, Lemke, usw. Dann allerdings hat es sich ein bißchen anders weiterentwickelt.

Arthaus glänzt mit einer hervorragenden 2DVD-Veröffentlichung samt Booklet, Interviews im Buch-/Hardcover-Style. So cool kann deutsches Kino sein, so unaufdringlich herausfordernd! Schönes Ding!