Donnerstag, 23. Dezember 2010

Die Beischlafdiebin (Christian Petzold, D 1998)


Nach langen Jahren im Ausland kehrt Petra (Constanze Engelbrecht) zu ihrer Schwester Franziska (Nele Mueller-Stöfen) nach Köln zurück, der sie das Studium finanziert hat und die im Haus der verstorbenen Eltern lebt. Was Franziska nicht weiß: Petra ist keineswegs die toughe Geschäftsfrau, für die sie sich ausgegeben hat; Petra ist eine Betrügerin. So becirct sie gutbetuchte Geschäftsleute, die auf Geschäftsreise einem Schäferstündchen nicht abgeneigt sind - doch die Frau, die schwarz trägt, hat die KO-Tropfen dabei oder den Elektroschocker. Kurze Zeit später hat Petra sie ausgenommen. Was Petra hingegen nicht weiß: Franziska ist pleite, und auch sie schwindelt sich durch's Leben.

Christian Petzolds früher Fernsehfilm (Drehbuchbeteiligung: Harun Farocki!) ist nicht nur sehr spannend und hervorragend gespielt, er ist auch gut gefilmt und immer wieder toll montiert. Hier wird mit Ellipsen gearbeitet, harten Schnitten, mit der Verunsicherung der Zuschauer, wenn dieser im Informationsdefizit gehalten wird. Oftmals kann man dem Kamerabild nicht trauen, etwa wenn sich herausstellt, dass es eigentlich das Bild einer im Film installierten Videokamera ist, die die Protagonistin (etwa beim Bewerbungsgespräch) abfilmt.

DIE BEISCHLAFDIEBIN ist eine Kriminaltragödie (es gibt noch Richy Müller als verdeckten Polizisten) bei der man riechen kann, dass, nicht nur weil sie schon die ganze Zeit neben der Spur handelsüblicher Fernsehfilmkonfektionsware herläuft, dieser Film kein gutes Ende nehmen kann. Wie eigentlich alle Hoffnungen stets vernichtet werden, alles Aufrappeln vergeblich scheint, das Gewonnene zwischen den Fingern zerrinnt, so erstaunlich ist es, mit was für einer Würde und schauspielerischer Eleganz Constanze Engelbrecht die zwar insgeheim fragile, stets bedrohte Frau zugleich als souveränes Ich erstehen lassen kann. Denn der Fatalismus hatte sich schon früh in den Film hineingeschlichen. Toll!