Freitag, 1. April 2011

Command Performance (Dolph Lundgren, USA 2009)


Nach Sidney J. Furies tollem DIRECT ACTION, in dem Lundgren den altgewordenen Polizisten Frank Gannon spielte, einen Experten der Spezialeinheit der LAPD, schien der Weg frei zu sein für Lundgrens überragende Regiearbeit THE MECHANIK (2005). Gedreht unter anderem in Rumänien, weiß der Film durch den Einsatz der Handkamera, durch eine trockene brutale Härte und eine Inszenierung, die sich am Schmutz, am Matsch, dem gefrorenen Eis eines vergessenen Provinzdorfes orientiert, zu überzeugen - und das, ohne ständig zu superlativieren oder zu überhöhen. Ein Inszenierung, die die Motive des Actionkinos der 80er übernimmt und in neue Kontexte setzt, vor allem auch visuell. Die Explosion ist hier nicht das Augenmerk der Regie. Mit diesem Film hatte er sich das Prädikat "Auteur des Männerfilms" verdient.
Und auch mit THE DEFENDER (2004) wußte er schon zu zeigen, wo es zukünftig weitergehen wird - auch wenn hier noch das große staatspolitische Szenario bemüht werden mußte. Der Rockerfilm MISSIONARY MAN (2007), der zugleich ein Neo-Western ist, hat hingegen voll überzeugt: geradlinig, karg, ein schnörkelloser Männerfilm.

Nun also COMMAND PERFORMANCE, wieder in den Osten hinein: bei einem Solidaritätskonzert gegen die Armut im Lande, wird der russische Staatspräsident samt seinen Töchtern von Terroristen gekidnappt. Dolph Lundgren spielt Joe, den Drummer einer Rockband, die als Vorgruppe für den Mainact "Venus", ein R&B-Sternchen, auftritt. Nachdem die Terroristen ein Massaker im Publikum anrichten um die Glaubwürdigkeit ihrer Position zu unterstreichen, liegt es nun an Joe, der sich zufällig für einen Spliff verabsentiert hatte, die Sache geradezubiegen. Dass der Mann nicht nur an den Drum-Sticks sondern auch im Faustkampf erfahren ist, ist dem Vorhaben äußerst dienlich.

COMMAND PERFORMANCE ist kein großer Film geworden. Vor allem die Lundgrensche Selbstinszenierung nervt gewaltig: ja, er sieht gut, er ist sympathisch, er hat einen tollen Waschbrettbauch. Dennoch lernen wir seinen Körper sehr gut kennen, bevor es überhaupt richtig los geht. Und auch Venus, für die Joe nur ein müdes Lächeln übrig hat, kann kaum mehr an sich halten, als sie ihn oben ohne, nur mit Schweißperlen bedeckt, im Scheinwerfergegenlicht erblickt. Schöne Szene, als sie sich Backstage mit ihrem Manager streitet und diesen anschnauzt (während sie zugleich Lundgren erblickt): "I'm getting screwed by your fucked-up tactics..." und dann genau bei "getting screwed" sekundenkurz auf Lundgren umgeschnitten wird.

In seiner Einer-gegen-Alle-Mentalität erinnert der Film allerdings sehr an STIRB LANGSAM, in dem sich Bruce Willis schon in einem ganz ähnlichen, räumlich sekludierten Szenario befand.
Die Actionaspekte aber überzeugen auf ganzer Linie: schnell ist der Film (aber ohne epileptisches Schnittgewitter), sehr hart bisweilen, und gut rhythmisiert. Die Konzertszenen sind sogar exzellent und wissen mitzureißen. Erst der formelhafte Abspann, nachdem der Held dann doch in die Limousine des knackigen Schmiegehäschens Venus gestiegen ist, mißfällt wieder. COMMAND PERFORMANCE ist ein ordentlicher Knaller für Zwischendurch, wenn es mal weniger aufdringlich als Hollywood sein soll. Die künstlerischen Aspekte aber verschwinden hinter einer Oberfläche des glatten Perfektionismus.

Kommentare:

  1. Wenn man den Film mit seinem kurz danach - wiederum in Eigenregie - entstandenen ICARUS vergleicht, erkennt man, wie sehr Lundgren die Stimmung und Zeichnung der Hauptfigur dem Image angepasst hat. Gibt er in COMMAND PERFORMANCE den verschwitzten Hau-Drauf-Rocker mit Lederweste, so ist er in ICARUS der in feinem Zwirn umherschleichende Profikiller.

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  2. Die Selbstinszenierung quasi als Notwendigkeit der formalen Entsprechng? Gut, das Element ist bei einem Bühnenmenschen wohl tatsächlich plausibel. Danke für die Ergänzung.
    Auf ICARUS freue ich mich auch schon.

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  3. "Die Selbstinszenierung quasi als Notwendigkeit der formalen Entsprechng"

    Darauf wäre ich jetzt eher nicht gekommen. Für so zurückhaltend halte ich Lundgren auch nicht. Ich denke, er weiß den von Dir angesprochenen Hang zur Selbstinszeneirung - und das er denn hat, da würde ich Dir bedingungslos zustimmen - gut mit den jeweiligen Stereotypen der Figuren zu kombinieren.

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