Dienstag, 24. Mai 2011

Pink (Rudolf Thome, D 2008)


Was ist das eigentlich für ein Film, dieser PINK? Was ist das eigentlich für eine Frau, diese Pink? Klar, ein Künstlername, der zu dieser Inmich-Poetin nicht recht passen will, zumindest nicht zu den Gedichten. Grell ist eher ihre Selbstbestimmtheit, mit der sie ihren Weg geht, und mit der sie die Männer fasziniert. Drei sind es, die sie nur zu gerne heiraten würden. Doch Pink wählt gerne selbst, und so erklärt man sich bereit, mit einem Schmunzeln (und süßem Herzschmerz), zum Verzicht. Denn in dieser idealen Phantasiewelt gönnt man es freilich dem Rivalen, denn Liebe ist Liebe, die ein jeder zu fühlen und somit mitzufühlen weiß.

PINK ist also ein Film jenseits unserer Welt, vielleicht ein Märchen. Wir machen Sprünge, gehorchen dem Fluß der Bilder und der Geschichte, nicht der Zeit, die unseren Alltag korsettiert. Der Bezugsrahmen ist das Herz und der Raum, den es sich nimmt, um zu pulsieren. Es ist auch keine Ménage à Trois, die Thome hier abbildet, eher ein Dreieck der Liebenden, das oftmals erweitert wird, wenn es die Gefühle wollen (wie etwa mit der Psychologin. Was macht die falsch...? Man weiß es nicht genau, aber es muss scheitern. Man kann das aber sehen in den Bildern, dass es nicht ganz passt. Vielleicht daran, wie sie sich etwas zu sehr vorbeugt beim Frühstück und Pink zuviel Interesse = Raum anbietet, was sie dann abturnt.) Es sind feine Nuancen im Spiel der Liebe, auf der Such nach Glück, und Thome zeigt das alles nur und erklärt so wunderbar wenig. Womit er die Türen in den Köpfen aufstößt und aus den Nächten der Zuschauer Traumnächte macht. Toll.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Benny's Video (Michael Haneke, Österreich/Schweiz 1992)


Mit einem schier unerträglichen Beginn schockiert die Eröffnungsszene von BENNY'S VIDEO den Zuschauer: dass man hier sich bereits im Film eines Filmes befindet, ist aber diesmal klar markiert (anders als in CACHÉ (wohl wegen der mittlerweile besseren technischen Möglichkeiten)). Der unter seiner emotionskalten Erziehung leidende Benny vergnügt sich also mit seinem selbstgedrehten, immer wieder zurückgespulten und in Zeitlupe abgespielten Bolzenschußtötungsfilm eines Schweins auf dem großväterlichen Bauernhof. Haneke kann es natürlich nicht lassen und fügt also ordentlich Medienkritik bei, die aber seltsam unpräzis daherkommt: viel Videotheken-B-Movies, das Rauschen der Nachrichten mitsamt seiner Kriege und Katastrophen aus aller Welt, und natürlich: laut aufgedrehter Stromgitarrenmusik zu den Hausaufgaben. Das kann die Seele natürlich nur zerrütten, und alsbald wird eigentlich so aus Langeweile und mit viel Schulterzucken dann die Katastrophe heraufbeschworen.

Interessant am Film sind natürlich die Reaktionen der Eltern, wobei hier besonders die Darbietung von Ulrich Mühe hervorzuheben ist; Angela Winkler spielt wieder die stille und zerbrechliche Gattin. Der Film wird von Hanekes bekanntem ultrakalten, emotionslosen und funktionellen Regiestil dominiert. Mit statischen Einstellungen, gesucht unkünstlerischen Bildern und dezidiert extradiegetischer Musikvermeidung. Das alles nervt, auch wenn der Film seine Meriten haben mag. Ganz nett ist auch das Finale, in dem der ansonsten so distanzierte Benny "halt so" dann die ganze Sache der Vätergeneration vor die Füße kippt.

Dienstag, 17. Mai 2011

That Cold Day in the Park (Robert Altman, USA 1969)


Altmans zweiter Spielfilm (dem im darauffolgenden Jahr MASH folgen sollte) ist ein in Vancouver situiertes psychosexuelles Drama um eine etwas vereinsamte junge Dame aus der gehobeneren Gesellschaft, die an einem trostlos verregneten Tag einen jungen Mann auf einer Parkbank beobachtet und ihn schließlich zu sich hereinbittet, um sich zu wärmen. Der Mann spricht kein Wort, und obwohl sich die beiden nicht kennen, entwickelt sich aus der Fürsorgesituation heraus ein quasi-inniges Verhältnis.

Altmans Film zeichnet sich vor allem durch den Status der Verunsicherung aus. Da man überhaupt nicht einschätzen kann, wie sich diese brisante Beziehung entwickelt, oder was der Unbekannte anstellen könnte, bleibt das Spannungslevel konstant hoch. Man wundert sich über die Verschrobenheit der Charaktere, bekommt aber einen intimen Einblick in ihre Lebensverhältnisse. Dass der Film dann mit einem großen Rumms zuende geht - und ganz anders als sich am Beginn vermuten ließe - macht ihn etwas spektakelhaft, dabei jedoch nicht völlig unglaubwürdig. Darauf kommt es meines Erachtens aber auch nicht an - man genieße die bedrückende Atmosphäre, das unterdrückte sexuelle Begehren, und lasse sich nicht von den negativen Kritiken beeinflussen, wie sie etwa prominent in der N.Y. Times (Achtung massive Spoiler!) zu finden sind.

Montag, 16. Mai 2011

Gigantisch (Matt Aselton, USA 2010)

Es gibt so arthousige Tragikomödien mit allerlei "schrägen Typen", die von einer skurilen Situation in die nächste stolpern. Jemand wie Paul Dano darf man sich da vorstellen, der als Außenseiter immer so ein wenig müde und überfordert auf die Wirrnisse des Lebens schaut. Was ja auch Sinn macht. Wenn das alles aber zum Selbstzweck wird, dann wird es anstrengend. So in GIGANTISCH, den ich ziemlich furchtbar fand, wie ihr hier bei der Filmgazette nachlesen könnt.

Sonntag, 15. Mai 2011

Countdown / Start zum Mond (Robert Altman, USA 1968)


Robert Altmans Debut-Studiofilm nimmt sich des damals brisanten Themas des sogenannten "Wettlaufs im All" an, dem "space race", in dem die Amerikaner mit den Russen um die erste "weiche" Mondlandung konkurrierten. Jenseits des poltischen Konflikts, der sich vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs abspielt, führt Altman das Drama eng auf die Konkurrenz zweier Astronauten, gespielt von James Caan und Robert Duvall. Liebe und Familie spielen ebenfalls eine nicht unwichtige Rolle, oder ganz aktuell, das commitment des Gatten im Job. Wieviel ist man bereit aufzugeben, und aus welchen Gründen?
Die Moral ist aber nicht Altmans zentrales Anliegen, eher ein geradlinig und konsequent inszeniertes Spannungsdrama, dem man allerdings noch nicht die Handschrift des Auteurs anmerkt. Fürderhin wird dem Film häufig Authentizität zugesprochen und eine detailgetreue Nachbildung einer Epoche. Die recht durchschnittliche Bewertung bei der imdb dürfte sich im Laufe der Jahre noch nach unten verschlechtern (zu Unrecht!), da der Film eben nur teilweise ein Spannungsfilm ist und sich vor allem im Mittelteil auf Dialoge und das menschliche Drama konzentriert. Von New Hollywood ist hier aber logischerweise natürlich noch nichts zu sehen.