Montag, 4. Juli 2011

Die Ahnfrau (Jacob & Luise Fleck, Österreich 1919)



So langsam beginnt meine alljährliche Einstimmungsphase auf das Bonner Stummfilmfestival, das auch in diesem Jahr, trotz der bedrohlichen Finanzlage, erneut stattfinden wird. DIE AHNFRAU schien mir ein interessanter erster Warm-Up zu sein, und diese Vermutung ist auch voll aufgegangen. Zum Plot: Das noble Geschlecht der Von Borotins in Südböhmen droht auszusterben, und so ist der bereits greise Graf hoch erfreut, dass seine Tochter Berta (Liane Haid) endlich einen heiratsfähigen Edelmann gefunden hat: Jaromir Von Eschen (Max Neufeld). Dieser konnte den die Gegend um das Schloss unsicher machenden Räubern gerade noch entgehen, und kein Wunder wird da die Dame beinahe ohnmächtig.

Kurze Zeit später aber tauchen mehrere Edelleute aus der Gegend auf dem Schloss auf, um den Räubern das Handwerk zu legen. Der alte Graf ist sofort dabei, lediglich Jaromir hält sich zurück. Da erwacht ein Verdacht, zumal die Urahnin der Borotins, ein Geist in weißem Gewand, aus fernen Jahrhunderten plötzlich auftaucht, und die Lebenden daran gemahnt, Vorsicht walten zu lassen. Über dem Schloss schwebt ein Unglück...


Diese Tragödie nach Franz Grillparzers erstem Bühnenstück (1817) [hier der Text] ist in sechs Akte unterteilt, die den Film also auch inhaltlich strukturieren. Die Gespenstergeschichte ist hier mit einer aktionsgeladenen Räuberpistole geladen, sodaß man durchaus einiges an Schauwerten und Spannung geboten bekommt; also: Verfolgungsjagden, Schwertkämpfe, Blut und Tod. Dass der Plot noch ein, zwei schicksalsträchtige Volten schlägt, tut der Unterhaltung keinen Abbruch. Der Film hat insgesamt leider ziemlich gelitten, einige kurze Sequenzen fehlen und schwere Beschädigungen sind permanent im Bild. Dennoch muss man sich freuen, dieses Kleinod überhaupt zu Gesicht bekommen zu können - dank des Österreichischen Filmmuseums, das den Film anscheinend in Brasilien aufgetan hat.