Sonntag, 25. September 2011

Grenzfälle - Es geschah übermorgen (Claude Boissol, Victor Vicas, Frankreich/Deutschland 1971)


Wenn man glaubt, es gäbe keine Menschen, die sich in Zeitlupentempo fortbewegen würden, dann hat man sich aber getäuscht! AUX FRONTIÈRES DU POSSIBLE, eine recht spannende Serie aus den 70ern, beweist das Gegenteil. Denn alles was man braucht, ist etwas kriminelle Energie und einen Wellenmodulator! Und für die Filmgazette habe ich die aktuelle DVD-Box unter die Lupe genommen. Click: *here*.

Freitag, 23. September 2011

The Clay Pigeon (Richard Fleischer, USA 1949)


Als der ehemalige Kriegsgefangene Jim Fletcher (Bill Williams) in einem Marine-Krankenhaus aus dem Koma erwacht, wird er von einem erblindeten Soldaten gewürgt: er habe sie alle verraten und sei zudem ein Mörder. Jim ist sich jedoch keiner Schuld bewußt, kann sich aber auch an nichts erinnern. Heimlich schleicht er sich davon, um die Sache aufzuklären...

Nicht immer gerade plausibel ist der Plot dieses Films - so etwa hält es Jim für angebracht, zualler erst bei Martha (Barbara Hale), der Witwe des Ermordeten, der einer seiner besten Freunde war, vorbeizugehen. Diese denkt freilich, der Mörder stünde vor ihr. Doch Jims lauteres Wesen überzeugt sie recht schnell - da muss eine Verschwörung dahinterstecken. Und so kann sich alsbald in der fürsorglichen Frau, die für männliche Wesen vor allem gerne Schnittchen zubereitet, eine zarte Liebe entfalten. Eine Frage der Zeit ist es, bis die beiden ein Paar werden sollen. So machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Los Angeles, wo sie Hilfe von einem weiteren Kriegsveteranen erhoffen - ohne zu ahnen, dass sie sich nun direkt in die Höhle des Löwen begeben.

THE CLAY PIGEON ist ein niedrig budgetiertes und auf's Wesentliche reduziertes B-Movie mit Film Noir-Anleihen, der in seinen knappen 60 Minuten in gerader Linie auf seine Auflösung zuschreitet. Da überrascht es wenig, dass er wenig überrascht. Umso verwunderter ist zu konstatieren, wie elegant er sein Tempo zu halten vermag und den Zuschauer, trotz des offensichtlich primitiven Plots, trotz des nicht gerade sympathischen Heldens (Bill Williams ist ein ziemlich einfach gestrickter Mensch), bei der Stange hält. Dies liegt sicher nicht nur am mit Könnerschaft gestrickten Spannungsbogen und den Verfolgungsjagden, sondern der Film gewinnt seinen Reiz auch durch die ungekünstelte, "rauhe" Optik, die die Settings naturalistisch abbildet.

Richard Fleischers Filme sind mir wenig bekannt - und das, obwohl mir THE BOSTON STRANGLER (1968) mit Tony Curtis und Henry Fonda sehr gut gefallen hatte. Bis auf ein paar wenige größere Produktionen gibt es also in dem doch recht umfangreichen Oeuvre des sympathischen Regisseurs einiges nachzuholen. Und rein thematisch ist es eher das Frühwerk, seine low-budget-Produktionen, die mich ansprechen. Es bleibt noch Oliver zu danken, der in seinem wunderbaren Blog Remember it for later momentan Fleischers komplette Filmographie durchgeht und mit einer bewundernswerten Ausdauer davon berichtet. Als Einstieg möchte ich noch auf seinen Text zu Fleischers Biographie und Regieverständnis hinweisen, der einem den Einstieg erleichtert und wie mir eben einfach Lust macht, sich mit diesem Regisseur ein wenig mehr zu beschäftigen.

Mittwoch, 21. September 2011

Veranstaltungshinweis Live-Audiokommentar !


Diesen Samstag findet der Live-Audiokommentar in Aachen doch tatsächlich schon zum 20. Mal statt! Wie immer in der Raststätte um 21 Uhr, diesmal unter dem Motto AUF DIE DAUER HILFT NUR POWER. Zu Gast bei Alex Klotz ist mal wieder der vortreffliche Oliver Nöding aus Düsseldorf, der für F.LM, Schnitt, Splatting Image u.v.a. schreibt und auch das tolle Blog "Remember it for later" betreibt und seit neuestem auch das Projekt "marquees in movies" (siehe Blogroll). Der Film ist wie immer eine Überraschung... und man darf sich anschließend sicher sein, etwas Unerhörtes erlebt zu haben!

Sonntag, 18. September 2011

Long Riders (Walter Hill, USA 1980)


Der Film erzählt die Geschichte um die berüchtigte Gang um Jesse James und die Younger-Brüder, die in der Zeit nach dem Sezzesionskrieg durch Bankraub und Raubüberfälle zu zweifelhaftem Ruf gekommen waren. Besonders hervorzuheben ist, obwohl unmittelbar in einen solchen Bankraub eingestiegen wird, dass zunächst nicht die Überfälle der Bande im Vordergrund stehen, sondern die persönlichen und privaten Verhältnisse geschildert werden. Liebschaften, Familiengründung, Herkunft. Spätestens dann aber wenn die "Pinkertons" hinter den Jungs sind, ist es vorbei mit der Gemächlichkeit. Als diese versehentlich mit einer Rauchbombe den behinderten Bruder Jesses mitsamt dem Wohnhaus in die Luft sprengen, werden keine Kompromisse gemacht. Schwer haben es die Detektive der Eisenbahngesellschaft auch deswegen, da die Landbevölkerung, sprich: die Gemeinde, hinter der Bande steht, da sie sozial vollkommen integriert sind. Wir haben es hier also nicht mit mythisch überhöhten Outlaws zu tun, sondern mit "rechtschaffenen" Gesellschaftsmitgliedern, mit Durchschnittstypen, die im allgemeinen dem Staat die Schuld an ihrem Treiben zuschieben - der Krieg habe dies aus ihnen gemacht. Wenn das kein Indiz für einen Spätwestern ist! Somit hat man es in Hills Film nicht mit einer weiteren verklärenden Mythosbekräftigung zu tun, sondern vielmehr mit dem Versuch einer historisch akuraten Bestandsaufnahme. Zu erwähnen ist freilich Walter Hills Besetzungscoup, die Hauptrollen auch im Film mit Brüderpaaren zu besetzen (den Keaches, Quaids, Guests und Carradines). Zudem verbeugt er sich ästhetisch ganz offensichtlich vor Sam Peckinpah: hier wird exzessiv mit Zeitlupen in den Shootouts gearbeitet, die recht actionreich ausfallen, und ebenso werden die Härten gezeigt, die sonst im Western allzu gerne ausgespart werden: langsames, dabei undramatisches Sterben, Einschusslöcher, Blutfontänen. Absolut sensationell ist der letzte Banküberfall, bei dem die Flüchtigen durch die Fensterscheiben eines Wohnhauses reiten. Das Lexikon des Internationalen Films bescheinigt dem Film zwar eine herausragende Photographie, findet allerdings diese Szenen selbstzweckhaft. Nun denn. Ry Cooders phantastischer Score sei noch erwähnt, der nicht nur aber vor allem aus der Tanzszene in Filmmitte ein wahrhaftes Erlebnis macht. Unbedingt sehenswert ist dieser Film in der neuen Blu-ray-Fassung mit einer hervorragenden Bildqualität. Toll!

Freitag, 16. September 2011

Caged / Captifs (Yann Gozlan, Frankreich 2010)


Am 30. 9. erscheint dieser französische Terrorfilm bei Koch Media als DVD und Blu-ray. Ich habe ihn mir schonmal angeschaut und hier bei Hard Sensations etwas dazu geschrieben. Viel Vergnügen!

Donnerstag, 8. September 2011

Le Havre (Aki Kaurismäki, Fin/F/D 2011)


Bereits vor einiger Zeit gesehen, hat sich mir das Flüchtlingsdrama LE HAVRE mit seinen tollen, stilisierten Bildern und seiner Geschichte um einen hilfsbereiten Schuhputzer doch sehr eingeprägt. Ein Film, den ich uneingeschränkt empfehlen möchte, und über den ich hier in der filmgazette geschrieben habe.

Mittwoch, 7. September 2011

Wasted on the Young (Ben C. Lucas, Australien 2010)


Ein junger australischer Student an einer Elitehochschule wird dazu gezwungen, Position zu beziehen, als die Jungs der angesagtesten Clique, zu der auch sein Stiefbruder gehört, bei einer ausufernden Party seine heimliche Liebe, die blonde Xandrie, erst mit Drogen vollpumpen, dann gemeinsam missbrauchen, und sie schließlich halbtot an einen Strand fortschaffen, um sie dort ihrem Schicksal zu überlassen.

WASTED ON THE YOUNG ist ein kalter, auf moderne Optik getrimmter Film: Alles ist in bläuliches, monochromatisch stahlfarbenes Licht getaucht, es wird teilweise irrsinnig schnell geschnitten und montiert, die Kamera ist sehr agil, springt auch schnell in einer subjektive Sicht. Die Protagonisten sind zunächst einmal alle unsympathisch. Die Jungs vom Schwimmteam sind unsägliche Potenzprotze, die mit dicken Autos zu den Strandhäusern ihrer reichen Eltern fahren, die Mädels sind generell wenig mehr als die Partypüppchen, die für eine Nase Koks so ziemlich alles machen, was der Testosteronbomber möchte. Der Protagonist allerdings ist ein Nerd, ein Computerfreak, der sich außerhalb dieser Gesellschaft befindet und ein wenig wie ein zu gut gekleideter Emo-Boy dahrkommt. Xandrie und ihre Freundin Ella sind logischerweise denn auch die einzigen Ausnahmen auf weiblicher Seite. Umso mehr spornt es folglich die Topdogs an, Xandrie ins Bettchen zu bekommen, da die aufkeimende Liebe des Außenseiters zur zurückhaltenden Schönheit natürlich ein Affront gegen deren Platzhirsch-Dasein bedeutet.

Auffälligstes Plotmerkmal ist Lucas' Einbindung der "social media"-Kontexte in seine Narration. Es werden unzählige SMS geschrieben, deren Text als Buchstaben im Filmbild aufblenden. Das Smartphone mit seinen Kameramöglichkeiten, Chatforen und mms-Dienste tun ein Übriges, um jede Neuigkeit und jeden Skandal möglichst schnell unter die Leute zu bringen. Hier schlägt dann die Stunde des Nerds: er weiß diese Kommunikationsformen strategisch zu nutzen, um seine Rache an den Übeltätern durchzuführen. Konsequenterweise begegnet uns in diesem Film kein einziges Mal eine erwachsene Person. Ein interessant konstruierter Film, der nichts wirklich Neues erzählt, aber motivisch dicht verwoben ist und mit ordentlichen Jungdarstellern überzeugt.

Freitag, 2. September 2011

Deep End (Jerzy Skolimowski, D/GB/PL 1970)


Ein phantastisches und verstörendes Coming-of-Age-Drama hat der polnische Nouvelle Vague- Regisseur Skolimowski da gezaubert, angesiedelt im Londoner East End der swingenden Sechzigerjahre. Frisch restauriert nun auf DVD und Blu-ray zu genießen. Zu lesen hier, mein Text bei der Filmgazette.