Sonntag, 27. November 2011

Jeder stirbt für sich allein (Alfred Vohrer, Deutschland 1976)


Die DVD-Veröffentlichung des Filmes (nach einem berühmten Roman des alkoholsüchtigen Morphinisten Hans Fallada), die im Oktober herausgekommen ist, habe ich hier bei HARD SENSATIONS besprochen. Es ist leider ein mir bisweilen kaum erträglicher Film gewesen. Was vor allem an der Plattheit der Inszenierung lag und der "Darstellungskunst" Hildegard Knefs.

Freitag, 25. November 2011

Der Mann mit der Narbe / Hollow Triumph (Steve Sekely, USA 1948)


Für Hard Sensations habe ich eine Filmkritik zu diesem Film Noir - Thriller verfasst, die ihr hier nachlesen könnt: [click]. Der Film erscheint heute in der Film Noir - Collection von Koch Media mit der Seriennummer 8.

Mittwoch, 23. November 2011

22. Mai / 22 Mei (Koen Mortier, Belgien 2010)


Sam ist Wachmann in einem Shoppingcenter. Ein normaler Tag, alles geht seinen gewohnten Gang. Plötzlich explodiert eine Bombe und verwandelt seinen Arbeitsplatz in eine Hölle voller Trümmer, Staub, Geröll, Feuer und Geschrei. Verzweifelt versucht er Leben zu retten, aber von Angst und Panik überwältigt, rennt er davon, bis er vor Erschöpfung hinfällt. Als er die Stimme einer Frau hört, hebt er den Kopf. Sie will wissen was passiert ist. Was folgt, ist ein verstörendes, surreales Echo des Terroranschlags.– wieder und wieder muss Sam ihn durchleben, aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Geister der Verstorbenen scheinen ihn heimzusuchen. Was ist real, und was bildet sich der von Schuldgefühlen Geplagte ein?


Für die sehr schön aufgemachte Veröffentlichung von 22 MEI bei Donaufilm habe ich einen Text beigesteuert, den ihr jetzt im Booklet finden könnt. Den Film gibt es in mehreren Ausführungen zu kaufen, z.B. in der 3 Disc- Collector´s Edition mit DVD + Blu-ray + Soundtrack CD und 24 Seiten Booklet im Digipack mit Schuber.


Atmosphärisch dicht, wunderbar gefilmt..ein düsteres Glanzstück des Independent-Films. (Oldenburg Filmfestival)

Dienstag, 22. November 2011

Veranstaltungshinweis Live-Audiokommentar! Yeah!


Diesen Samstag, den 26.11. ist es wieder so weit: Es wird in der Raststätte ein Überraschungsfilm live kommentiert. Gast ist diesmal Carsten Blastoff (Three Kings Records, Teenage Astro Dictators) und das Motto ist keinerlei Finte, es kommt tatsächlich ein Strand im Film vor. Und Autos. Und Mädchen. Und Monster. Fängt wie immer um 21 Uhr an und kost nix.

Sonntag, 20. November 2011

L'Orribile segreto del Dr. Hichcock / Raptus / The Terror of Dr. Hichcock (Riccardo Freda, Italien 1962)


Der erfolgreiche Londoner Arzt Dr. Bernard Hichcock (Robert Flemyng) hat ein verteufelt gutes Anästhetikum entwickelt, das eine rapide Verlangsamung des Herzschlags bewirkt. Bei chirurgischen Eingriffen kann er so noch erfolgreicher operieren. Als aber eines Nachts das Mittel zweckentfremdet beim Liebesspiel mit seiner Gattin deren Tod hervorruft, ist der Schock so groß - und das Risiko zu hoch - das Gebräu weiter zu verwenden. Er verlässt das Land und kehrt erst 12 Jahre später wieder zurück in die alte Klinik, auf sein Anwesen. Nun allerdings hat er die hübsche Italienerin Cynthia geehelicht (Barbara Steele), die von alldem nichts ahnt. Doch geisterhafte Erscheinungen und eine gruslige Haushälterin, sowie eine Geisteskranke, die irgendwo im Schloss untergebrachtg ist, rauben ihr den Schlaf...





Der Film Fredas atmet den barocken Gothic Horror zu jeder Sekunde. Doch wäre das schwer verkürzt: eigentlich wird hier alles zusammengematscht, was sich im cineastischen Giftschrank finden lässt: Viktorianismus, Hammer-Studio-Ästhetik, Mad Scientist, Jane Eyre, und vor allem das große Geheimnis, das den Film zum Opfer der Zensur machte: Nekrophilie. Denn freilich ist jenes ominöse Liebesspiel, das der Herr Doktor bevorzugt, eines mit Leichen - und das seine erste Frau Margareth mit großer Leidenschaft unterstützte. Entsprechend groß ist Bernards emotionales Dilemma. Und kein Wunder muss die arme Cynthia immer alleine schlafen in ihrem riesigen Bette (Mannomann!), während sich der Gatte im Kühlhaus vergnügt.




Eine ganze zeitlang bleibt natürlich offen, was auf dem Schloss eigentlich tatsächlich passiert. Und die Verunsicherung Cynthias wird nicht gerade dadurch weniger, dass ihr autoritäre Männer bevormundend eine angeknackste Psyche unterstellen. Freda verbeugt sich in diesem Meilenstein des italian gothic horror in vielen Zitaten und Anspielungen mehrfach vor dem Werk Alfred Hitchcocks, was die Namensgebung des Protagonisten bereits offensichtlich macht. Der Film ist ein atmosphärisches Bravourstück und ein Alptraum zugleich, er ist vorzüglich photographiert und entlässt den delirierenden Zuschauer bis zum Schluss nicht aus seinen Ungewissheiten. Auch weil nicht alle Handlungsfäden zuende erzählt werden und der Film einiges offen lässt, wirkt er lange nach. Ein hypnotisierendes Ereignis!

Montag, 14. November 2011

Unter Dir die Stadt (Christoph Hochhäusler, Deutschland / Frankreich 2009)


"...mit einem Blick der Protagonistin von oben durch ein Fenster hinab auf die Straße. Doch dort rennen urplötzlich die Menschen wie in Panik durcheinander. Es bleibt offen, ob das nun der große Börsencrash ist oder eine Zombie-Apokalypse. Diejenigen jedoch, die immer oben alleine am Fenster stehen, die müssen gewaltig einsam sein."

Zum aktuellen DVD-Release ein Text von mir in der Filmgazette: *click*.

Freitag, 11. November 2011

Love Life - Liebe trifft Leben (Reinout Oerlemans, Niederlande 2009)


Ein Paar findet sich, heiratet, baut ein Haus, bekommt Kinder. So weit, so gewöhnlich. Doch Stijn, aus dessen Perspektive der Film erzählt wird, geht manisch fremd. Irgendwann akzeptiert Carmen (Carice van Houten) das: "Manche bohren in der Nase, manche gehen eben fremd!" - so der Off-Kommentar. So weit, so dämlich. Nun aber kommt das eigentliche Drama in den Film: Carmen erhält eine Brustkrebsdiagnose. Arztbesuche, Chemotherapie, Amputation. Der Krebs ist weit fortgeschritten, Carmen gibt sich kämpferisch stark, Stijn vögelt sich die Welt schön. Er kann nicht mehr anders, es ist seine Betäubung ("Bei Rose bekam ich genau das, was ich jetzt brauchte - sie wurde zu meiner Ersatzkönigin!" - mit markigen Worten gesprochen). Der Film leistet sich dann Gegenschnitte aus der Bestrahlungsröhre in die Edeldisco, wo Stijn einer Blondine an den Popo fasst. Und so weiter und immer schrecklicher. Oder von der amputierten Brust auf die der Blondine, die Stijn gerade exstatisch knetet. Oder vom Catwalk in der Disco auf den Flur in der Klinik. Und tatsächlich ist dieser Hochglanz-Möchtegern-Blockbuster ein schrecklicher Film - aber nicht wegen des Themas, sondern weil er ganz unerträglich inszeniert ist. Er entblödet sich zum Beispiel auch nicht, ein harmonisches Stelldichein in einem Kornfeld zu inszenieren, wo am Firmament die Sonne untergeht. Oder dem Helden, der übrigens völlig unsympathisch ist, eine Fliegerbrille mit Goldrand aufzusetzen, unter der hervor er wie Boris Becker in unseren schlimmsten Alpträumen lacht. Schade, dass dieser Film, der gegen Ende immer hemmungsloser sein Herz-Schmerz-Potential ausnutzt, mit diesem Thema so fahrlässig umgeht. Und das ist vermutlich der eigentliche Skandal an LOVE LIFE: wie hemmungslos der Film sein Sujet auszuschlachten bereit ist. Da kann leider auch die respektable schauspielerische Leistung von Carice van Houten nichts mehr retten. Ärgerlich.

Donnerstag, 10. November 2011

La Polizia chiede aiuto / Der Tod trägt schwarzes Leder (Massimo Dallamano, Italien 1974)


Als ein 15jähriges Mädchen auf einem Dachboden mit einer Schlinge um den Hals nackt vom Balken baumelt, da ruft das die Kommissare Valentini (Mario Adorf) und seinen Kollegen Silvestri (Claudio Cassinelli) von der Mordkommission auf den Plan. Skandalöserweise stellt sich sogar heraus, dass das Mädchen nicht nur exzessiven Geschlechtsverkehr hatte, sondern bereits seit zwei Monaten schwanger war. Dies führt die Kommissare auf die Spur eines Teenagerprostituiertenrings, den sie mit Hilfe der engagierten Staatsanwältin Vittoria Stori (Giovanna Ralli) hochzunehmen hoffen. Doch bald schon bekommen sie es mit einem in Leder gekleideten Killer zu tun, der mit einem ordentlichen Metzgermesser die Leute abschlachtet. Und eines abends lauert er der Staatsanwältin in der Tiefgarage auf...

Das hört sich zunächst nach einer äußerst launigen Mixtur aus Giallo, Thriller, Polizeifilm und vor allem: sleaziger Exploitation an, doch Dallamano macht stilistisch von Anfang an klar, worum es ihm geht: an einem sich an "Tatsachen" orientierenden, realistischen Spielfilmthriller. Dazu nutzt er eine Einführung durch eine Voice-Over-Stimme, die auf die "schreckichen Ereignisse", welche der Film darstellen wird, verweist:

 "Tagtäglich ereignen sich überall schreckliche Dinge, für die es anscheinend keine Erklärung gibt. Geht man ihnen allerdings gewissenhaft auf den Grund, so kommen oft Ursachen ans Licht und Zusammenhänge, die jedermann Anlass zu größter Sorge geben müssen."

 So verwundert es auch nicht, dass der Film durchweg einen sehr ernsten Ton anschlägt, seine Bilder des blutigen Gemetzels etwa tatsächlich auf den Magen schlagen. Und die Szene, in der Valntini erfährt, dass auch seine Tochter in die Sache verwickelt ist, ist ein wilder Aufschrei der Verzweiflung, in der Adorf alle Register seines Könnens zieht und tatsächlich zusammenzubrechen scheint.


Gleichwohl finden sich einige Kleinigkeiten, über die sich schmunzeln lassen: etwa das stets gut sichtbar hochgehaltene Metzgerbeil des Killers, oder die Kofferraumszene, in der Silvestri die nächste Leiche entdeckt. Doch dies sind kurze Momente, eingefärbt auch durch die Jahrzehnte vergangener Filmgeschichte. Man hat es hier mit einem ernsten Film zu tun, rasanten Verfolgungsjagden und blutigen Bildern. Auch die öfters angedeutete Annäherung zwischen Silvestri und Stori findet keine Erfüllung - in diesem Film ist für einen Liebes-Subplot kein Platz.

Mit DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER ist Massimo Dallamano ein ultraspannender Polizei-Thriller gelungen, der dem Filmfan - auch Dank der mitreissenden Musik Stelvio Ciprianis - unvergesslich bleiben wird. Hier kann man sich La polizia sta a guardare anhören.

Michael Schleeh

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Sonntag, 6. November 2011

I Am You - Mörderische Sehnsucht / In Her Skin (Simone North, Australien 2009)


Das Verschwinden der Rachel Barber zählt zu den Aufsehen erregendsten Mordfällen in der jüngeren Geschichte Australiens. Simone Norths Debut kann jedoch nicht vollständig überzeugen, da der Film immer wieder emotional völlig überfrachtet wirkt. Mein Text bei der Filmgazette ist *hier zu finden*.

Samstag, 5. November 2011

Lizard in a Woman's Skin / Una Lucertola con la Pelle di Donna (Lucio Fulci, Spanien/Italien/Frankreich 1971)


London, in den schwingenden Sechzigern: die gut situierte Carol Hammond (Florinda Bolkan) leidet unter erotischen Alpträumen, in denen vor allem ihre freizügig lebende Nachbarin Julia (Anita Strindberg) eine Hauptrolle spielt: Drogenkonsum, freie Liebe, laute Musik, lesbische Erfahrungen. Eines Nachts träumt sie von einem Mord an Julia, und schockierender Weise wird diese tatsächlich am nächsten Tag in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Auf dem Bett ein Schal von Carol! Von hier an verschmelzen Traum und Wahn, Alptraum und Realität, bis Carol selbst immer stärker ins Zentrum der polizeilichen Ermittlungen gerät.


Dieser frühe Giallo Fulcis zieht nur einen geringen Anteil seiner Spannung aus dem Murder/Mystery-Plot. Vielmehr sind es die permanent delirierenden Traumsequenzen, die durch ihre grandiose Bildgestaltung zu begeistern wissen. Denn wenn man genauer hinschaut, so ist der Plot nur ein Vehikel, um schöne Frauen verruchte Dinge tun zu lassen, und mit ein paar derben Schockmomenten aufzuwarten. Dies ist aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Zu einiger Berühmtheit hat es dabei die "Hundeszene" gebracht, in der Carol ein Labor betritt und dort mehrere auf der Bauchseite aufgeschnittene Hunde vorfindet, die in Apperaturen eingespannt sind. Das Herz und die Innereien liegen frei und pulsieren. Diese Szene wirkt auch heute noch, trotz besserer Abspieltechnik, enorm echt - schrottiges VHS kann ja auch mal dankenswerterweise über schlechte Effekte hinwegtäuschen. Hier sind diese Segnungen nicht vonnöten.

Meiner Empfindung nach bricht der Film in der zweiten Hälfte etwas ein, das Whodunit führt auf seinem Weg der Auflösung einige Schlenker mit sich, denen man nicht unbedingt bereitwillig folgt. Hervorzuheben ist aber sicherlich die Szene in der Kathedrale (das sieht fast schon aus wie bei Antonioni), wenn Carol vom Killer verfolgt, und auf dem Dach derselben eingeholt wird. Wunderbar kontrastiert ihr blutrot sich färbender Oberarm mit den graubraunen Erdfarben des Bauwerks, der von einer tiefen Messerwunde verletzt wurde. Ennio Morricones Score gibt dabei dem Film den richtigen Schwung: eine Filmmusik, die sich deutlich hörbar an der britischen Szenemusik orientiert. LIZARD IN A WOMAN'S SKIN ist, auch deutlich in der umständlich verlaberten Auflösung am Ende, kein Film für Handlungsfanatiker. Wer aber sich an surrealen Traumsequenzen und Pulp und Exploitation erfreuen kann, für den dürfte dieses Exponat zur vollsten cineastischen Befriedigung führen.

Mittwoch, 2. November 2011

Deep Red / Profondo Rosso / Rosso - Farbe des Todes (Dario Argento, Italien 1975)


Pianist Marcus Daly (David BLOW-UP Hemmings) nimmt es selbst in die Hand - die Polizei ist zu unfähig - den grausamen Mord an seiner Nachbarin Helga Ulmann (Macha Meril) aufzuklären. Ein Mann im schwarzen Regenmantel, mit Hut und schwarzen Handschuhen hat die Telepathin, die kurz zuvor auf einem "Übersinnlichen-Kongreß" in einer barocken Oper Roms als Medium fungierte, erstochen und mit dem Kopf durch die Fensterscheibe gestoßen. Der stets betrunkene Klavierspieler Carlo (Gabriele Lavia), der in einer Bar gegenüber (Edward Hopper, Nighthawks) für seinen Suff auf den Tasten herumklimpert ist zu betrunken, den Davonrennenden aufzuhalten. Mit Hilfe der Reporterin Gianna Brezzi (Daria Nicolodi) macht sich Daly also auf, die Identität des Killers zu lüften.

Dario Argentos nicht unumstrittener früher Giallo punktet mit seiner überzeugenden Farbdramaturgie, mit drastisch brutalen Gewaltdarstellungen und einer Atmosphäre der Verunsicherung, die sich aus einem permanent bedrohlichen Szenarium der körperlichen Bedrohung speist. Auch verschiedene dichotomische Aspekte wie Realität vs. Wahn und Übersinnliches, Kunst vs. Leben, Bild vs. Abbild usw. werden angeschnitten, wobei es dem Film gelingt, durch ständig gelegte Fährten (Leichen, Häuser, Kinderlieder,...) und Finten (geheime Zimmer, Gänge und Flure, Spiegel, Musik) den Zustand des Zuschauers vollständig zu zerrütten. Die artistische Photographie, die ungewöhnlichen Kamerawinkel, die Farbarrangements tragen hier nicht wenig bei. Dass der Plot mehrfach aus der Linie wandert, dass unfassbar humorvolle Szenen den Film bereichern, etwa in den Autoszenen, mag vielen ein Dorn im Auge sein. Allein, den Fans des Giallos dürfte das wenig stören, erfreut dieser sich doch an der künstlerischen Kreativität des Regisseurs, die hier exzessiv zum Ausdruck kommt, und die sich selbstbewußt ins Recht setzt Grenzen zu sprengen, über Konventionen (eben auch narrative) hinwegzugehen und sich vor allem auf der Bildebene so richtig auszutoben. Übersehen sollte man dabei aber die starken Frauenrollen nicht.

Wenn also das Lexikon des Internationalen Films zum Schluß kommt, die kreativen Aspekte könnten nicht die "substanzielle Inhaltslosigkeit des Films" überdecken, so ist dieses filmhochschulische Argument aus dem 19. Jahrhundert sicherlich bedenkenswert, für meinen Filmgenuß aber nicht weiter relevant. PROFONDO ROSSO hat sehr viel zu bieten - die Chance dies zu entdecken sollte man sich nicht nehmen lassen.

Dienstag, 1. November 2011

A Quiet Place to Kill aka Paranoia (Umberto Lenzi, Italien/Spanien/Frankreich 1970)

Die Rennfahrerin Helen (Carroll Baker) verliert die Kontrolle über ihren Wagen und kann gerade noch aus dem brennenden Wrack gerettet werden. Da sie nun nix als Schulden hat, kommt die Einladung ihres Ex-Mannes gerade recht, ihn doch mal in seiner Villa auf Mallorca zu besuchen. Maurice Sauvage (!) (Jean Sorel) ist ein Frauenvernichter wie er im Buche steht: Föhnwelle, Strahlegrinsen, Body. Doch eigentlich kam die Einladung von Maurices neuer Gattin Constance, die dank ihres dicken Portemonnaies auf die Mithilfe Helens hofft, den Lüstling ins Jenseits zu befördern. Doch im entscheidenden Moment zögert Helen, da sie immer noch Gefühle für den sonnengebräunten Beau hegt. Constance darf sich nun von ihrem Vermögen trennen und sich aus dem Leben verabschieden. Dummerweise taucht aber plötzlich deren Tochter auf, die an einen Unfall nicht glauben will.

Dieser Giallo Umberto Lenzis ist ein fulminanter Thriller, dem in den 90 Minuten niemals die Luft ausgeht. Hier gibt es einen hakenschlagenden Plot, rasante Verfolgungsjagden, Unmengen leichtbekleideter Frauen, Softpornoszenen, Duschszenen, Messerstechszenen, tolle Landschaften und einsame Buchten, Gigolos, Villen mit Pools, Drinks mit Eis, Mord und Totschlag. Freilich gibt es auch noch den überraschenden Mitschnitt der Mordtat eines Super 8-Filmers, der den Plan der Bösewichter kräftig ins Schwanken bringt. Ein befreiender Film, in dem alle Figuren klare Motivationen und jeder ein Ziel vor Augen hat - und der sehr deutlich zu machen versteht, dass ein jeder, der bedingungslos etwas erreichen möchte, jedes Mittel dazu einsetzt. Sollte man gar nicht denken in all der Mittelmeerprächtigkeit. Marina Coffa, die die resolute und zugleich betörende Tochter gibt, hat übrigens bedauernswerterweise nicht gerade in besonders vielen Filmen mitgespielt. Allerdings machte sie dann eine große Karriere als Darstellerin in Fotoromanen, den sogenannten "Fotoromanzi". Anfang des Jahres 2011 ist sie leider von uns gegangen. Amen.

Fazit: A QUIET PLACE TO KILL ist, das sei noch erwähnt, im Zusammenspiel mit einer hervorragenden Filmmusik von Piero Umiliani, ein berauschendes Filmerlebnis, das einem durchaus einige Superlative der Begeisterung zu entlocken vermag. Denn hier gibt es auch neongrüne Bademäntel, selbstverständlich. Klasse!

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