Samstag, 31. März 2012

The Woman in Black / Die Frau in Schwarz (James Watkins, GB/Schweden/Kanada 2012)


EDEN LAKE-Regisseur Watkins macht hier sehr viele Sachen richtig, die man hätte falsch machen können. Nicht, dass der  Film in irgendeiner Weise originell wäre (er soll sogar ein Remake sein) - doch überzeugt er nicht durch seine Handlung, sondern durch die Umsetzung. Zunächst: In diesem Film gibt es die überraschendsten Schocks seit langem. Absolutely terrifying! Das Publikum im Kino war irgendwann dermaßen ausgefreakt, dass es durch die plappernden Zuschauer sogar richtig laut wurde im Saal. Die langen ruhigen Passagen waren einfach unaushaltbar für viele Besucher. Und dennoch: der nächste Schock saß so tief, dass Leute richtiggehend aufgeschrien haben. Das habe ich selten erlebt. Die Atmosphäre des Films atmet Fäulnis und Modergeruch, der Film spielt im Norden Englands am Meer, und handelt von einem im Marschland umgekommenen Jungen, der nie gefunden wurde; seine Mutter hat sich daraufhin umgebracht und kehrt nachts zurück (als eben jene Frau in Schwarz) - und die Legende geht, wenn sie von einem Menschen gesehen wird, stirbt ein Kind aus dem Dorf. Als nun der Anwaltsgehilfe Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) sich um den Verkauf des vermodernden Herrenhauses, das einsam auf einer Insel steht,  eben jener Familie kümmern muss (er reist aus London an), da schlägt ihm nichts als Verachtung der Dorfbewohner entgegen. Doch der junge Recke läßt sich nicht einschüchtern und fängt an, wie ein Detektiv in der Sache zu ermitteln, auf dass sich der Fluch verfleuche. Das Haus ist beeindruckend inszeniert, mit Friedhof freilich, mehreren Trakten, Treppenaufgängen, Kammern, Bibliothek, Kinderzimmer mit Puppen und aufziehbarem Spielzeug. Staub liegt auf allem Mobiliar, Verweseung und Untergang. Wir haben es hier also mit einer geradezu klassischen, britischen Gothic - Horror - Erzählung zu tun (und wer dächte da nicht an Wilkie Collins' Mystery-Thriller Woman in White). Kipps Anliegen ist dabei keineswegs selbstlos, denn sein Chef zwingt ihm diese aussichtslose Angelegenheit auf, weil er ihn endgültig loswerden will; und er drauf hofft, dass sich Kipps hier niemals beweisen werden kann. Zum anderen steht er unter enormem Druck, da sein eigener Sohn samt Kinderfrau zwei Tage später anreisen wird. Man hatte sich vorgestellt, die Tage als Erholung in ländlicher Idylle zu verbringen. Da Kipps nun bereits besagte Frau in Schwarz gesehen hat, steht das Leben des Kindes auf dem Spiel. Und was der Film für ein Ende in petto hat, soll hier nicht verraten werden. Es ist zwar sehr romantisch, aber ein echter Knaller, was ich ihm dann doch nicht zugetraut hätte.