Mittwoch, 25. April 2012

The Yesterday Machine (Russ Marker, USA 1963)


Ein skurriles Trash-Film-Produkt aus dem untersten Youtube-Regal. Ein irrer deutscher Professor will mit seiner Zeitreisemaschine, die gerade in der Entwicklung ist, den Führer in in die Zukunft holen, weil er das irgendwie erstrebenswert findet. Warum, weiß man eigentlich nicht so genau.

Plump gemachte Titelsequenz - im Hintergrund laufen die Figuren...

Als Plotaufhänger dient ein junges amerikanisches Paar auf Ausflug, deren Wagen im Nirgendwo stehenbleibt. Sie suchen nach Hilfe und queren ein Gelände, das man nicht betreten darf. Sie tun es natürlich trotzdem. Plötzlich stehen drei bewaffnete Männer aus dem amerikanischen Bürgerkrieg vor ihnen und bedrohen sie. Als der junge Mann wieder erwacht, fehlt die Freundin und er meldet die Sache bei der Polizei.

Autopanne mit Folgen.

Es stellt sich heraus, dass das bereits drei aus der Vergangenheit gebeamte Menschen waren, sozusagen zum harmlosen Experiment. Denn schließlich geht es um einen andern. Ein Zeitungsreporter gerät den Machenschaften auf die Spur und gelangt bis zum Übeltäter. Der sieht so aus:

Der Mad Scientist erklärt den Zeitstrahl.








Der Film ist alles in allem ziemlich dröge. In der zweiten Hälfte drängt es einen sehr zum Powernapping - da wird der Film einfach zu wissenschaftlich. Auch optisch gibt er wenig her. Ein paar nette Sequenzen lassen sich finden, und auch beswingte Musik. Eine Empfehlung nöchte ich aber nicht aussprechen.

Sonntag, 22. April 2012

Filmstöckchen

Nachdem mir neulich Whoknows erst ein Filmstöckchen zugeworfen hatte, das ich dann in meiner Ignoranz einfach nicht aufgenommen habe (sorry Whknows! - du hattest auch tolle Fragen!), erwischt mich gabelingeber, der das tolle Blog HAUPTSACHE STUMMFILM macht, nun besser gelaunt. Hier also die Antworten auf die fünf Fragen:

1.) Welchen Stummfilm magst Du besonders gern und weshalb?

Besonders mag ich DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM von Paul Wegener, da sich mit ihm nicht nur ein großartiger Film auftut, sondern auch eine visionäre, ja größenwahnsinnige Kraft des Filmemachers.

2.) In welchem Film hast Du zuletzt geweint und weshalb?

Zuletzt geweint habe ich in POETRY von Lee Changdong (Südkorea, 2010). Wer den Film sieht, kann nicht anders.

3.) Welcher Film hat Dich zuletzt wirklich überrascht – und warum?

Ein Film "überrascht" zumeist dann, wenn er die eigenen Erwartungshaltung bricht. Das Ich im Zentrum der Welt... nun ja. Da gibt es einige: REC3 hat mich überrascht, da ich ihn erfrischend lustig fand, SHE FREAK hat mich überrascht, weil ich in einem solchen Trashprodukt nicht solche tollen Farben und überhaupt schöne Bilder vorzufinden erwartet hätte. Positiv überrascht hat mich auch meine Privatretro "Klassikersichtungen", da hier alle meine Befürchtungen, mich früher "versehen" zu haben, sich nicht erfüllt haben - und die Filme, drei, die mir ganz wichtig sind, sogar noch gewachsen sind: SEVEN SAMURAI (Kurosawa), HARAKIRI (Kobayashi), FRENCH CONNECTION (Friedkin).

4.) Welche Bedingungen muss ein Film erfüllen, damit Du ihn Dir bestimmt nicht anschaust?

Ich bin immer wieder zu allem bereit. Aber sonst eher so Kriterien, die man mit einem Film wie BATTLESHIP assoziiert.

5.) Welche Literaturverfilmung erachtest Du als wirklich gelungen – und weshalb?

 SCHWARZER REGEN von Shohei Imamura nach dem Roman von Masuji Ibuse finde ich sehr gelungen - eine freie Adaption, die dem Text andere Seiten abgewinnt. Genauso beim IDIOT von Kurosawa nach Dostojewskij. Wir können froh sein, dass dieser Film überhaupt existiert und uns solche Bilder sehen lässt. Sehr dicht dran (für mich) am Lesegefühl. Außerdem Shakespeares RICHARD III als Faschismus-Adaption von Richard Loncraine mit einem absolut großartigen Ian McKellen.


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Mein Stöckchen versandet hier.

Freitag, 20. April 2012

I'm Still Here (Casey Affleck, USA 2010)



Wie Joaquin Phoenix seinen Burn-Out behandelt: mit Koks, Nutten, und Hip-Hop. Jaja, die Herren Künstler... Bitte nachzulesen hier bei Hard Sensations.

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Mittwoch, 18. April 2012

She Freak (David F. Friedman aka. Byron Mabe, USA 1967)


Von David F. Friedman (Produzent z.B. der Hershell Gordon Lewis-Filme) stammt diese an Tod Browning angelehnte FREAKS-Hommage (von 1932), in der nicht mehr die "Freaks" im Zentrum stehen, sondern die hübsche Blondine Jade (Claire Brennen). Eine andere Perspektive zu wählen ist freilich keine schlechte Idee, nur entbehrt SHE FREAK leider dessen, was Brownings Film auszeichnete: seine Perfektion und seine Menschlichkeit.

Jade langweilt sich: "There must be something bigger in life!"


Jade also ist gelangweilt vom öden Job im Drive-In, lernt dort einen Karnevalsmanager kennen und schließt sich kurzerhand den fahrenden Gesellen an. Schnell schließt sie Freundschaft mit der Stripperin Moon und arbeitet fortan in der Currywurstbude des Zirkusbetriebs, wo sie hauptsächlich Becher abräumt und schmierige Pappteller. Worin sich diese qualitative Besserung ihrer Lebensumstände nun äußern, ist offenkundig nicht ihr Job. Denn der ist derselbe geblieben. Es scheint die frische Luft zu sein, an der sie sich nun befindet, ein Gefühl der Freiheit, nun unterwegs zu sein ("I've never been to a motel in my whole life!"), und sicherlich auch der neue Verlobte Blackie Fleming (Lee Raymond), den sie bald heiratet.

Moon bei der Arbeit.

Dass sich Jade aber auch hier schnell langweilt wird offensichtlich, als sie sich mit einem Riesenradbremser, der einen beeindruckenden Thorax hat, einlässt. Einer der "Freaks", ein Kleinwüchsiger, wird davon zufällig Zeuge - fortan sind die glücklichen Tage gezählt. Jade versucht den "Freaks" das Leben zur Hölle zu machen.



SHE FREAK krankt an einem völlig unverhältnismäßigen Aufbau. Der 80minütige Film kommt leider erst in den letzten 10 Minuten zu Potte. Davor wird in endlosen Sequenzen Zeit verplempert, etwa beim Aufbau des gigantischen Jahrmarkts, oder bei den Spaziergängen Jades übers Gelände. Dazu gibt es surfige Rodeo-Musik und man kann herrlich entspannen. Allerdings wirkt dann das Ende, wo alles in die letzten Minuten gequetscht wird - die grausame Rache der "Freaks" - sehr komprimiert und gehetzt. Dabei hat die segensreiche Zeit der lustvollen Erquickung etwas sehr Ungewöhnliches, und so auch ihre Qualität. Nämlich in den dann dort tatsächlich tollen Bildern, die gefunden werden. Die Farben, das Hypnotische, die Bebilderung der subjektiven Freiheitsexstase Jades, die Architektur der Gerätschaften. Das ist bisweilen sehr schön, wird aber von der unorganisierten Narration in ein schiefes Verhältnis gezogen. Allerdings sind gerade diese Bilder der Grund, sich diesen kleinen Drive-In-Streifen anzuschauen.


Die Rache der Freaks!
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Die Screenshots sind selbst gemacht und nicht vom klotzschen Text bei Hard Sensations geklaut. Der ist aber unbedingt lesenswert: *click*

Mittwoch, 11. April 2012

Der Mann, der über Autos sprang (Nick Baker-Monteys, Deutschland 2010)


Julian (Robert Stadlober) bricht aus einer Nervenheilanstalt in Berlin aus und macht sich auf den Weg nach Süddeutschland. Das Besondere: er geht zu Fuß. Durch die auf dem Marsch gewonnene Energie versucht er den kranken Vater seines verstorbenen besten Freundes zu heilen. Auf dem Weg begegnen und begleiten ihn verschiedene Personen, etwa die von ihrem Leben frustrierte Ärztin Ju (Jessica Schwarz), oder die in ihrer Ehe erstickende Mutter Ruth (Anna Schudt), die, auf dem Weg in den Urlaub, dem Mann und den Kindern davonläuft. Zumindest für kurze Zeit, bevor sie sich wieder in ihre verantwortungsbewußte Rolle zurückbegibt. Dass der Film um ein Geheimnis in der Vergangenheit kreist – nämlich den Tod des Freundes – lässt sich freilich schon früh erahnen. Und dass es somit auch irgendwie um Schuld und Sühne geht, ebenso. Aber natürlich muss man sich erst durch diesen beinah zweistündigen Film durchsitzen, bevor man zum Geheimnis vorstößt...


...weiter im Text drüben bei...
 

Samstag, 7. April 2012

Les oeufs de Pâques / The Easter Eggs (Segundo de Chomón, Frankreich 1907)

Mit diesem wunderbaren Illusionswerk des Stummfilmregisseurs und Trickfilmexperten Segundo Víctor Aurelio Chomón y Ruiz, einem Zeitgenossen von Georges Méliès, wünsche ich allen meinen Lesern Frohe Ostern! Einen ersten Überblick über sein Werk kann man sich bei wikipedia verschaffen.

Freitag, 6. April 2012

Rec3: Genesis aka [•REC]3: Génesis (Paco Plaza, Spanien 2012)


Meinen Text zu Paco Plazas humorvollem Zombiesplatterfilm, der erfolgreich auf den Fantasy Filmfest Nights lief, findet ihr *hier* bei den Harten Sensationalisten.

Mittwoch, 4. April 2012

Livide / Livid (Alexandre Bustillo & Julien Maury, Frankreich 2011)


Die junge Lucie (bezaubernd: Chloé Coulloud) tritt ihren ersten Tag als Praktikantin in der Altenpflege an. Mit der routiniert agierenden Madame Wilson werden verschiedene Hausbesuche bei den Senioren durchgeführt, wo sich die unerschrockene Lucie schnell beweisen kann. Doch der Zutritt zu einer besonderen Patientin in einem alten, heruntergekommenen Herrenhaus wird ihr von Wilson verwehrt. Dies sei noch zu früh für sie. Doch Lucie lässt sich freilich nicht abschrecken und folgt der erfahrenen Pflegerin heimlich nach. In diesem viktorianisch anmutenden Spukhaus findet sie die über hudertjährige, an ein Beatmungsgerät angeschlossene ehemalige Tanzlehrerin Madame Jessel vor, die wie ein Geist regungslos im Bett liegt. Um ihren Hals ein Schlüssel, im Haus ein Schatz, wie Wilson daraufhin erzählt. Sie habe ihn aber noch nicht finden können. In der darauffolgenden Nacht macht sich Lucie mit ihrem Freund und einem Kompagnon daran, ins Haus einzubrechen um besagten Schatz zu finden. Das hätten sie besser gelassen...

LIVIDE beginnt sehr gemächlich, führt in die Geschichte ein, lässt sich Zeit damit, die Charaktere zu etablieren. Wie schon in INSIDE kommt es dann aber anschließend umso geballter. Nicht nur hat der Film eine sehr unheimliche, manchmal jenseitige Atmosphäre, stellenweise ist er auch mit deftigen Gewaltspitzen gewürzt. Denn der Schatz, der im Haus zu finden ist, ist keineswegs eine Dachbodenkiste mit Geld oder Schmuck, sondern Überreste aus dem Leben eines manisch-sadistischen Kontrollfreaks, der Tanzlehrerin. Eine Frau, die ihre Schüler, und besonders die eigene Tochter, extremen Strapazen aussetzte. Dummerweise bleibt es dabei aber nicht. Das nun erhöhte Tempo des Films und die Einbindung verschiedener, ausufernder Themenbereiche des Horrorkinos führt zu einer Überfrachtung des Plots, der darin unterzugehen droht. Denn hier ist alles mit allem verknüpft - zumindest wird das suggeriert; der Film greift weit in die Vergangenheit zurück und dringt tief in die Biographien vor, Madame Wilson entpuppt sich, frühe schräge Blicke hatten es angedeutet, als eine Frau mit zwei Gesichtern, der Spukfilm gerät zum harten französischen Körperkino, nur um dann wieder mystisch-phantastisch aufgelöst zu werden.

Bustillo/Maury überschreiten mehrere Grenzen mit LIVIDE und beeindrucken mit der Konsequenz, mit der sie das machen. Mit großartigen Bildern und einer guten Tonspur. Darin kann man völlig aufgehen und anfangen, mitzufliegen, oder überfüllt pappsatt die Stirne runzeln und fragen, was für einen Film die Herren eigentlich machen wollten. Vom komprimierten, reduzierten INSIDE ist man hier weit entfernt: LIVIDE ist eine Hinwendung zur Uferlosigkeit, zur Schrankenlosigkeit, zur Offenheit. Leider auch ein wenig zur Beliebigkeit. Eine strenge Tanzlehrerin beim Drehbuchschreiben hätte dem Regieduo selbst nicht geschadet.