Mittwoch, 9. Mai 2012

La bestia uccide a sangue freddo / Slaughter Hotel / Das Schloss der blauen Vögel (Fernando Di Leo, Italien 1971)


In einer ländlichen Villa hat der Psychiater Dr. Keller (Klaus Kinski) eine Privatklinik für wohlhabende, angeschlagene Frauen eingerichtet. Doch plötzlich geht in dieser Idylle, in der tags alle stets leicht bekleidet durch die Gartenanlagen laufen und abends einen Cocktail schlürfen, ein Killer um. Schwarze Maske, schwarze Handschuhe, schwarzer Umhang. Als Mordinstrumente verwendet er die mittelalterlichen Waffen aus dem Foltersaal - dort gibt es Schwerter, Messer und Dolche, Äxte, eine Armbrust, einen Morgenstern und eine eiserne Jungfrau. Seine Opfer räkeln sich zumeist in durchsichtigen Chiffonleibchen auf ihren Betten, gequält von Alpträumen und sexuellen, verdrängten Obsessionen. Der Killer schnauft schwer, und dann geht die Hackerei los.

Di Leos BESTIA ist zunächst einmal ein Film, der sich ganz dem exploitativen Giallo verschrieben hat, dem (überwiegend) softpornösen noch dazu. Der Plot ist, denkt man zunächst, ziemlich wirr. Doch ist das freilich ein Trugschluss, denn eine klassische Narration existiert hier schlicht einfach nicht; oder eben nur in sehr rudimentärer Form. In loser Folge werden einfach Szenen aneinandergereiht, die erst gegen Ende wieder ordnend gerahmt werden. DER TRIEBMÖRDER, so ein weiterer deutscher Alternativtitel, weiß durch andere Qualitäten zu überzeugen, etwa seine schönen, kraftvollen Bilder. Oder die voluptuösen Darstellerinnen, die sich erst minutenlang massieren lassen und dann auch mal ins Masturbieren geraten. Die feine Musik, die mal beschwingt dem Sexfilm entlehnt, mal dem hypnotisch - halluzinativen Avantgardeexperiment nahestehend ist. Die Dialoge sind alle völlig zu vernachlässigen, mehr als nachsichtig herablassende, männliche Besserwisserei gibt es kaum, oder anzügliche Beschwörungsformeln der Frauen. Kinski spielt mal wieder eine klassische Alibirolle, bei der er nichts tun muss. Ganz am Ende steigert der Film sich noch in einen richtigen Blutrausch, wenn der Killer auf der Flucht mit dem Morgenstern das Gruppenzimmer stürmt und alle anwesenden, schreienden Frauen zusammenhaut. Dafür hat er dann die Kugeln, die seinen Körper zersieben, auch wirklich verdient. Klasse Italo-Sleaze!

Hier noch ein paar Impressionen: