Mittwoch, 2. Mai 2012

Roma a mano armata / Die Viper (Umberto Lenzi, Italien 1976)


Der beinharte Bulle Lenny Ferro (so in der dt. Synchro, Maurizio Merli) kämpft gleichzeitig an mehreren Fronten: die Zahl der Bankeinbrüche in Rom nimmt überhand, Frauen werden von Milchbubis vergewaltigt, Handtaschenräuber sind am hellichten Tage aktiv. Ferro kämpft aber auch gegen eine starre Bürokratie aus den eigenen Reihen an, denn diese will strikt nach dem Gesetz handeln. Er aber hält davon nicht viel. Seine eigene Freundin, eine Psychologin in Diensten der Polizei, ist ebenfalls nicht auf seiner Seite: diese versteht die Täter sogar noch (soziales Umfeld, kaputte Familien usw.)! Als die marseiller Mafia die gierigen Hände nach den Glücksspieltischen in der römischen Unterwelt ausstreckt, scheint der Moment gekommen, mit Gewalt auf Gewalt zu antworten. Hauptfiguren der Verbrecherszene sind Der Bucklige, "il gobbo" (Tomas Milian), ein Metzger, der alles mögliche im Schilde führt, sowie Tony Parenzo (Ivan Rassimov), ein fieser Rauschgifthändler.

Lenzis DIE VIPER ist ein äußerst rasanter Vertreter im Genre des Poliziottesco, des italienischen Polizeifilms ab Ende der 60er Jahre. Markant auch hier wieder das Desinteresse der Staatsorgane, die den Helden in seinem Aktionismus eher behindern, als fördern. Kein Wunder, dieser Commissario hier nimmt das Gesetz auch etwas sehr in die eigene Hand. Maurizio Merli kann leider nicht wirklich überzeugen, er wirkt zu reserviert mit seinem schönen Scheitel und dem wohlgestutzen Schnurrbärtchen. Eine Sympathiefigur ist er freilich nicht, auch wie er seine hübsche Freundin Anna behandelt, die eben noch entführt und misshandelt worden ist. Sie ist ihm nur ein weiterer Beweisbaustein für seine rücksichtslose Verbrecherjagd. Milian hingegen ist sehr souverän in seiner beinah kauzigen Art des Buckligen, der aber in Wirklichkeit eine echte Sau vor dem Herrn ist. Ivan Rassimov, der wie Merli auch ein großgewachsener gutaussehender Mann ist, kann als Drogenhändler, der einem unschuldigen Mädchen schließlich sogar noch den goldenen Schuss setzt, völlig überzeugen. Ein schöner Dämon, sozusagen, der sich einmal mit Ferro eine spektakuläre Verfolgungsjagd über die Dächer leistet.

Überhaupt gibt es deren so einige, meistens allerdings mit dem Auto durch Roms vollgestopfte Straßen, atemlos, mit quietschenden Reifen, Blechschäden, toten Orten in Industriebrachen, kaltem Licht am Morgen und hässlichen Wohnsiedlungen. Die Stadt Rom ist ein Moloch, der sich nur noch mit dem schönen Schein der Ewigen Stadt zu camouflieren versucht - unter der Oberfläche ist bereits alles verrottet. Phantastischer Film mit toller Musik!