Donnerstag, 23. August 2012

Juan de los Muertos / Juan of the Dead (Alejandro Brugués, Spanien/Kuba 2011)


Alarm auf Kuba! Die Karibik-Insel wird plötzlich von einer Zombieapokalypse heimgesucht - und die kommunistische Regierung behauptet, die Amerikaner steckten dahinter. Dem Tagedieb Juan (Alexis Díaz de Villegas) sowie seinem besten Freund Lazaro (Jorge Molina) ist das scheißegal. Sie halten sich mit Gaunereien über Wasser und arbeiten an ihrer Wand aus ausgetrunkenen Rumflaschen, die sie auf dem Hausdach errichten, hinter den Liegestühlen - von denen aus sie auf die Stadt hinabschauen und versuchen, nicht zu sehr ins Schwitzen zu kommen.
Hier läßt sich gut leben!

Hier weniger.
Doch Juan und seine Gang bringen ein paar taumelnde Zombies auf der Hauptstraße nicht unbedingt aus der Ruhe, den kubanische Lebensstil, das karibische Pendant zum Laissez-Faire, haben die Helden verinnerlicht. Juan, nicht auf den Kopf gefallen, hat dann die zündende Idee, einen Zombie-Entsorgungsservice anzubieten, der geliebte und nahestehende, allerdings zombiefizierte Menschen sanft ins Jenseits hinüberführt. Keine Frage, die Einsätze entwickeln sich oft zu Himmelfahrtskommandos und nicht selten muß bei der Ausführung des Auftrags der Auftraggeber selbst dran glauben. Doch irgendwann geht nichts mehr in der Stadt, und die Herrschaften versuchen auf ein Schiff zu kommen, das Havanna verläßt...


Dass JUAN OF THE DEAD eine Komödie ist, dürfte schon angesichts des Titels, der überdeutlich an den britischen Erfolgsfilm SHAUN OF THE DEAD erinnert, klar sein. Nun gibt es generell wenig Nervtötenderes, als Zombiekomödien. Mit eben besagten Ausnahmen. Wie mir REC 3 neulich schon gut gefallen hatte, so kann ich nur sagen: JUAN DE LOS MUERTOS ist ebenfalls ein ziemlicher Knaller. Vielleicht nicht ganz so subtil wie Nacho Vigalondos Apokalysen-Farce EXTRATERRESTRE (2011) - aber abgesehen von ein paar übetriebenen Klischees ist er doch stets sehr stilsicher, humorvoll, und vor allem: selbstironisch. Dass den Kubanern nichts heilig ist, mag mitunter bekannt sein. Aber sie selbst sind sich das ganz sicher auch nicht - was sie zu umso liebenswerteren Charakteren macht. Der politische Subtext, der Fatalismus dem eigenen Land gegenüber ist unübersehbar. Und selbstentlarvend wird ein Regime präsentiert, das in der tagesaktuellen Trägheit kaum mehr in Erscheinung tritt, als permanent mit seinen Sprüchen und Parolen zu nerven. So kann man JUAN DE LOS MUERTOS durchaus einen ordentlichen Sinn für subversive Kritik an der Staatspolitik attestieren.


Der Film unterhält eine gute Strecke weit enorm, bricht dann aber gegen Ende immer stärker ein. Man bekommt den Eindruck nicht los, als sei das Material ausgegangen. So ist die Flucht irgendwohin sicher notwendig, wirklich vorbereitet wird das aber nicht. Man entscheidet sich halt plötzlich - was von der Mentalität her gesehen allerdings durchaus passen mag. Wie es hier als Plotpoint eingesetzt wird, wirkt es aber etwas unmotiviert. So macht sich leichte Belanglosigkeit breit, kurz bevor mit dem obligatorischen Showdown nochmal ordentlich in die Vollen gegangen wird - und beim Thema Splatter wahrlich keine Gefangenen macht. Am Ende findet dann jeder sein Plätzchen, und Juan hat gelernt, wo er hingehört. Da kommt schlußendlich noch ein wenig Abschiedsmoral hinzu, sodaß die Wehmut nicht ganz so sehr schmerzt - und Sid Vicious brüllt sein "My Way" dazu hinaus!

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