Samstag, 18. Mai 2013

Jagten / Die Jagd (Thomas Vinterberg, Dänemark 2012)

 
Für seine etwas längere Laufzeit durchweg spannendes Psychodrama um einen ehemaligen Lehrer jetzt Kindergärtner, dem sexueller Missbrauchs zunächst an einem, dann an mehreren seiner schutzbefohlenen Kindern nachgesagt wird. Die polizeilichen Ermittlungen enttarnen bald die Haltlosigkeit der Anschuldigungen, dennoch weicht der Druck vom Angeklagten, gespielt von Mads Mikkelsen, zunächst nicht. Der Film interessiert sich weniger für die Opferrolle als für die des unberechtigt angeklagten Täters, der in der Dorfgemeinschaft bald völlig ausgegrenzt ist. Es ist der - einmal losgetretene - Mechanismus des Verdachts und die Macht des Zweifels, hinter denen Vinterberg nachspürt; die dann bald in Aggression umschlagen und die aufzeigen, dies wohl das größte Verdienst des Filmes, wie der einmal eingeschlagene Weg trotz besseren Wissens nicht verlassen und rückgängig gemacht werden kann. Der Makel haftet am Menschen, vielleicht für immer. Und das Kollektiv ist ein unbeweglicher Koloss. Kritik an der Anlage des Filmes könnte man insofern formulieren, als er sich sehr klar (oder auch: unterkomplex), wie in überdeutlichen schwarz-weiß-Oppositionen, in der Sympathieverteilung auf seine Figuren organisiert. So ist und weiß sich auch der Zuschauer immer auf der richtigen Seite und wird niemals in eine Verunsicherung hineingetrieben. Alle Zweifel ausgeschlossen. Da hätte der Film deutlich herausfordernder und moralisch problematischer ausfallen dürfen.

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