Freitag, 26. September 2014

Edge of Tomorrow (Doug Liman, USA 2014)

Immer wieder und wieder, kurz nachdem der Herzschlag dann ausgesetzt hat, beginnt das Spiel von vorn. England (und also die Welt) wird von einem üblen Alienmonster bedroht und Tom Cruise muss es vernichten. Wie in Täglich grüßt das Murmeltier oder jedem anderen Todesshooter an der Konsole beginnt alles immer wieder von vorn, sobald der Held, also das Ich, tot ist. Der Film meistert das so, dass dieser Aspekt des Neustarts nur am Beginn, also so lange, wie der Protagonist an Zeit braucht, dies zu schnallen, auch formal berücksichtigt wird. Wie er übel ausgetrickst wird vom Vorgesetzten und strafversetzt dann zu einer Killereinheit, sprich Himmelfahrtskommando, das ihm erstmal nix Gutes will. Und er sich dann durchzusetzen lernt bei den kernigen Typen (die immer nach Schweiß stinken wie in einem Mechanikerporno) und er immer besser wird in seinen Kill-Skills. Und schließlich sogar das Herz (vielleicht) der schönen Exekutorin in Blond zu gewinnen vermag. Später spielt das keine oder kaum eine Rolle mehr, man will die Nerven des Zuschauers ja auch nicht überstrapazieren und springt directement zum abgebrochenen Handlungsabschnitt. Man will ja schließlich nicht alles nochmal durchleben (und so interessant ist es dann halt auch nicht). Die üblen Tentakelmonster lassen einem aber auch keine Chance, und da braucht es schon einen wahnsinnigen Überbau von zusammengezimmertem  Theoriekonstrukt (also Sci-Fi-Humbug), das diese Ellipse des Todes dann auch zu erklären vermag, warum dieses Nochmal-Durchleben überhaupt ermöglicht wird. Wiederholen möchte ich das hier nicht, das wäre nur langweilig.

Aber wer weiß, es ist halt dann doch: Tom Cruise. Smart lächeln kann er ja, stets überrascht, kurz bevor ihn dann der Schnitt und die Montage zum wieselflinken Kämpfer hochstilisiert, der so schnell ist in seinen Reflexen (und so verlässlich in seinen sozialen Kompetenzen), dass man sich von ihm wirklich gerne, sehr gerne sogar, die Welt retten lassen möchte. Außenherum ist dann auch nicht viel - Cruise ist wie eine hermetisch eingeschlossene Kapsel in diesem Film, der alle anderen Darsteller abdrängt und zu Statisten verkleinert. Selbst der love interest ist nur ein interest, love kommt vielleicht später. Letztlich ist Edge of Tomorrow dann doch also ziemlich langweilig, weil aus der Rasanz keine Kinetik entsteht, deutlich vor allem in den Actionszenen - es ist immer ein alles oder nichts, und das geht so schnell, dass man sich irgendwann nicht mehr traut, zu blinzeln. 

Wer die Welt erobert, der ist vor allem schnell, kommt aus dem Untergrund, und gibt dir keine Chance. Womit dem Feind ein Element der Feigheit zugeschrieben wird, da er sich völlig unvermittelt nähern kann, und sich zudem der Camouflage bedient. Kein offener Kampf auf weitem Feld, kein Boxring. Außerdem natütlich ist es ein abgekartetes Spiel, da kann man ja gar nicht gewinnen als aufrichtiger Mensch. Der sich in eine Maschine steckt übrigens um kampffähiger zu werden. Die Tauchszene hin zum pulsierenden Alienherz ist dann der Höhepunkt in diesem Computerspiel (vorher darf sich dann die Dame noch heroisch opfern), der kein richtiger Höhepunkt ist. Emotionslos schaut man da zu bei einem Megalomanismus, der nichts bedeutet, außer Big Budget zu sein. Die Erde: Planetenfodder im großen Spiel. Gut so. Warum man diese olle Weltkugel retten wollen würde (auf der solche Filme state of the art sind), wird hingegen nicht gefragt. Der Heroismus jedoch, der stirbt zuletzt. In dieses Horn bläst auch Edge of Tomorrow. Denn nur über das Opfer des eigenen Körpers wird man die anderen, sprich: alle anderen, retten können. Doofes, konstruiertes Pathos, das.

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Samstag, 21. Juni 2014

Maman und Ich / Les garçons et Guillaume, à table! (Guillaume Gallienne, Frankreich / Belgien 2013)

Guillaume Gallienne, der hier in Personalunion als Regisseur, Darsteller der beiden Protagonisten und als Drehbuchautor seines eigenen, sehr erfolgreichen Theaterstücks auftritt, hat mit diesem Film, der auch beim Filmfestival in Cannes lief, in Frankreich fünf Césars abgeräumt. Zur Zeit ist er außerdem als Pierre Bergé, dem stillen Geliebten, Manager und Lebensgefährten von YSL in Jalil Lesperts gleichnamigem Biopic Yves Saint Laurent zu sehen. Hier nun aber: die eigene Biographie, sein eigenes Verhältnis zur Mutter habe er verfilmt.

Und dabei ist Maman und Ich ein umgekehrter coming out-Film geworden, ein manchmal alberner, mal bissiger Film einer frühen Adoleszenz, die sensibel ihre eigene Sexualität zu erforschen sucht. Dann eines Erwachens zum Manne, in dem einer, der in die Rolle eines Homosexuellen gedrängt wurde und wird, schließlich seine heterosexuelle Seite entdeckt. "Zu Tisch!" also ruft die Mutter ihren Nachwuchs, "die Jungen und Guillaume". Die Erfahrung nicht dazuzugehören prägt sich ihm schon als frühes Kindheitserlebnis ein (deswegen auch der Filmtitel im Original). Dies die Bestätigung eines Zustands, dass Guillaume eben kein Junge ist, dass mit ihm etwas anders ist, etwas Unaussprechliches. Später dann wird es einmal bei einem "Frauenabend" seiner besten Freundin heißen, zu dem er auch geladen ist, "Es gibt Essen!, Mädels", und ein "und Guillaume" wird angehängt. Für die Freundin also ist Guillaume ein Mann, eine Sache, über die er sich - wirklich merkwürdig, da er die ganze Zeit über ja ein Mädchen, Sissi und so weiter, sein wollte - diebisch freut. Die Bestätigung aus dem Munde einer Frau, dass er keine Frau sei! Abgesehen von einer verkürzt rumpeligen Plotenwicklung hat das auch einen merkwürdig konservativen, bitteren Geschmack für einen Film, der bisher zur Freiheit, Offenheit und Aufgeschlossenheit gedrängt hatte.

Der Film ist reichlich medioker - zum einen zünden die Pointen nicht immer, zum anderen mag man mit dem Protagonisten nicht uneingeschränkt mitfühlen, wenn man seinen auf immer und ewig abgesicherten, bourgeoisen Hintergrund wie einen durchsichtigen Fallschirm durch den Film schweben sieht. Was soll ihm schon passieren, als dass er mit einer Lüge leben müsste. Außer zu stottern, die Wörter unaussprechbar wie grobe Brocken im Mund (dies ein schönes Motiv im Film: keine Wörter dafür zu finden, was man nicht benennen kann). Zudem mit einer Konfliktlage, die niemals wirklich angeprochen wird, da das Elternhaus Guillaumes natürlich ein solches ist, in dem Probleme grundsätzlich niemals thematisiert sondern totgeschwiegen werden. Hier könnte man es sich - trotz der Probleme - wunderbar einrichten in einem Seitenflügel des Anwesens vor den Toren von Paris. Die Empathie hält sich da, klar, in Grenzen.

Zudem hat der Film, der letztlich durch die Brillanz des Hauptdarstellers glänzen will, der in einer Doppelrolle als Protagonist Guillaume und zugleich als seine Mutter auftritt (ausgerechnet der Frau, von der er sich lösen will und die er zugleich nachahmt und vergöttert), eine recht penetrante Art, seine flott-freche Beschwingtheit, die immer wieder auf der unschuldigen Naivität der lebensunfähigen Hauptfigur aufbaut, auszustellen. Ein wenig erinnert das an den nervtötenden Inszenierungsstil der pseudohippen Regiearbeiten Cédric Klapischs, der gerade mit seinem unsäglichen Film Chinesisches Puzzle (Casse-tête chinois, 2013) die Zuschauer in die deutschen Arthaus-Kinos lockt(e). Am Ende freilich, da wird alles gut im Wohlfühlfilm Maman und Ich, da wird sogar noch geheiratet und zwar: heterosexuell. Amen. Ab in die Kirche.

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Freitag, 20. Juni 2014

Staubig schön: Die zwei Gesichter des Januars (USA / Großbritannien / Frankreich 2014; Regie: Hossein Amini)

Im Jahr 1962 hält sich der Amerikaner Rydal (Oscar Isaac) in Athen als Fremdenführer gerade eben so und mit kleineren Gaunereien über Wasser und trifft eines Tages auf das elegante, gut situierte Ehepaar Colette und Chester MacFarland (Kirsten Dunst und Viggo Mortensen). Rydal ist auf Anhieb von dem Paar fasziniert; er fühlt sich angezogen von ihrer kultivierten Art und ihrem sorgenfreien Lebensstil. Wie auch sie von ihm: einer, der scheinbar unabhängig seine Freiheit, seine Ungebundenheit zu Leben scheint. Doch der Eindruck trügt. Als Rydal eines Abends zum Luxushotel der MacFarlands zurückkehrt, seine Freundin sitzen lässt um Colette einen im Taxi vergessenen Armreif zurückzubringen, da bedrängt ihn Chester auf dem Hotelflur, einen offenbar bewusstlosen Mann fortzuschaffen - von dem der Zuschauer bereits weiß, dass er tot ist und der den MacFarlands auf den Fersen war. Sie entscheiden sich, Athen schnellstmöglich zu verlassen und bitten Rydal, ihnen zu helfen. Dieser stimmt zu und begibt sich, wohlwissend, aber auch um Colette nahe zu sein, in ein dunkles Netz aus Mord, Eifersucht und Intrigen.

Keine Frage, das Personal liefert hier eine erstklassige Vorstellung ab. Wie auch der ganze Film, nach einem Roman von Patricia Highsmith, mit staubig schönen Arthouse-Bildern in satten Ockerfarben ganz unsubtil zu prunken und protzen versteht. Hier trinken die Männer noch Scotch (und zwar schon mittags) und tragen sommerliche Anzüge aus weißem Flanell. Den Damen ist zwar heiß, sie schwitzen aber nie. Allenfalls ein Tröpfchen auf der Oberlippe bildet sich da beim Blick in die tiefen Augen eines vorübergleitenden Galans - nur da erhöht sich für kurze Momente die Körpertemperatur. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der durchaus kitschige Film ein vergangenes Kino heraufbeschwört, eines aus den 60er Jahren, als man noch mit dem KIno die südlichen Sehnsuchtsgefilde erforschte und man Agatha Christie et al. dafür dankbar war, etwas Exotik in die nordeuropäischen Wohnzimmer an tristen Sonntagnachmittagen zu bringen.

"Die zwei Gesichter des Januars" ist das Regiedebüt von Hossein Amini, der mit seinem Drehbuch zu "Drive" schon einiges an Beachtung fand und dann auch "Snow White and the Huntsman" skriptete (wie immer man das bewerten möchte). Für sein Drehbuch zu "Die Flügel der Taube" von Iain Softley (1999), nach einem Roman von Henry James, war Amini für einen Oscar nominiert - er habe sich also "als Garant" für kunstvolle Adaptionen klassischer Stoffe bewährt. So zumindest sehen das die PR-Agenturen. Wie immer sollen solche Fakten für Qualität bürgen, über diesen Film von Softley hingegen, an den sich heute wohl kaum einer mehr erinnern kann, schrieb etwa Patrick Bahners damals in der FAZ, er sei eine "sinnentleerte Ausstattungsorgie und [...] eine filmische Totgeburt." Und auch bei Keanu Reeves' Samuraivehikel "47 Ronin", das weltweit zu Entrüstung wegen seines hemmungslosen kulturimperialistisch vereinnahmenden Vorgehens führte, war Amini am Drehbuch beteiligt.

Neben seinem durchaus spannenden und sukzessive sich stetig intensivierenden Thrillerplot fällt vor allem die Bildgestaltung des Films auf. Hier ist alles nahezu perfekt, geradezu makellos. Die Ausstattung exquisit, die Beleuchtung immer stimmig, die Tongebung allzu passend, die Musikspur melodramatisch, wie es sich gehört. Alles eben immer: wie es sich gehört...


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Mittwoch, 18. Juni 2014

Zulawskis POSSESSION und LIVE - AUDIOKOMMENTAR "Die Gedanken sind Brei" in Aachen



Wo andernorts 22 Männer um einen Ball herumlaufen, labern in der Raststätte derer zwei um einen Film herum, und zwar am Samstag, den 28.6. ab 21 Uhr. Neben Alex' Wenigkeit ist diesmal wieder Harald Mingers zu Gast, wandelndes Filmlexikon vom Aachener Filmhaus e.V. (https://www.facebook.com/AachenerFilmhaus ) Der Film selbst ist wie immer eine Überraschung.

Bereits diesen Freitag läuft in der Hard Sensations-Reihe BILDSTÖRUNG übrigens Andrzej Żuławskis fabelhaft verstörender POSSESSION, den sollte man sich auch mal anschauen. Beginn ist um 20 Uhr, mehr Infos hier: http://raststaette.org/de_DE/events/detail/12308874

Und für diejenigen unter euch mit Langzeitgedächtnis hier auch schon mal eine Vorschau auf den Juli:

Sa., 12.7., 20 Uhr, Raststätte: Bildstörung #7: Overlord (Stuart Cooper, GB 1975) - beeindruckender Antikriegsfilm, der dokumentarische Aufnahmen mit Bildern von Kubrick-Kameramann John Alcott kombiniert, passend zum D-Day-Jubiläum (hier ein kurzer Text von mir zum Film).

Sa., 26.7., 21 Uhr, Raststätte: LIVE-AUDIOKOMMENTAR XXXVII  Zu Gast: Klaus Karloff.


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Sonntag, 15. Juni 2014

DVD-Rezension: State of Emergency aka Attack of the Undead (Turner Clay, USA 2011)

Attack of the Undead (c) Tiberius Film
 USA, und wieder mal: Apokalypse. Diesmal ist es eine Chemiefabrik irgendwo auf dem Land, die in die Luft geflogen ist. Und die Hubschrauber der Armee umkreiseln die Rauchsäule so, als ob gleich Godzilla höchstpersönlich erscheinen würde. Stattdessen ist es der freigesetzte Gascocktail, der den Einwohnern einer ruralen Kleinstadt zusetzt. Diese verwandeln sich – aber nicht alle – in Zombies und haben Lust auf Menschenfleisch. Einer der Überlebenen ist Jim, der sich in eine Scheune retten kann, später in eine größere Lagerhalle, wo er auf ein kleines Grüppchen Jugendlicher trifft. Ein hübsches Pärchen und eine hübsche Emo-Braut, die seine nächste Verlobte werden könnte. Seine Herzdame ist nämlich just von ihm gegangen, an einem Steckschuß in der Lende ist sie verendet wie ein Hirsch auf einer Lichtung.

Turner Clays B-Movie ATTACK OF THE UNDEAD ist ein nett gemachtes Digital-Filter-Experiment. Der Gore- und Horror-Content hält sich dabei in Grenzen, die Figuren, das “Ensemble” bekommt recht viel Raum. In langen Diskussionen, Flashbacks usw. wird in die Welt der Charaktere eingeführt – was eine interessante Variante zu den actionorientierten Vertretern ähnlichen Kalibers ist. Schön wäre es dann gewesen, wenn die Figuren etwas interessanter gewesen wären und nicht nur solche Durchschnittslangweiler, wie man sie jeden Tag auf dem Marktplatz in Buxtehude trifft. Dazu immer wieder: schöne Kamerafahrten über die ländliche Idylle hinweg mit saftiger Farbkorrektur, sodass die Optik stimmt, wenn man sich schon an die gängigen Bearbeitunmgsoptionen der Instagram-Lebensaufhübschungmodule gewöhnt hat. In der zweiten Hälfte lässt dann das Interesse allerdings merklich nach, da verläuft das Drehbuch im Sande und so ein einziger Zombie hin und wieder, der bringt den Horrorfan nie wirklich ins Schwitzen.

Warum der Film ab 18 Jahren sein soll, ist mir allerdings nicht erklärlich. Ich vermute einen Marketingtrick: der ist gar nicht ab 18, aber sonst kauft den keiner. Auf die Fährte führt einen der Schindluder, der mit dem Filmtitel getrieben wurde: ...


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Mittwoch, 30. April 2014

Wortkarg ins Ungewisse: Thomas Arslans GOLD (2013)

Die deutsche Amerikaeinwanderin Emily Meyer (Nina Hoss) schließt sich im Jahr 1898 einem Goldsuchertreck an, der in den hohen Norden Kanadas zieht, um zu den sagenumwobenen Goldfeldern am Klondike River zu gelangen. Obwohl ihnen mehrfach davon abgeraten wird, nehmen sie die Strapazen auf sich und versuchen ihr Glück - doch bald schon gibt es erste Rückschläge. Die raue Wildnis fordert ihren Tribut: Erst stehen gefährliche Flussüberquerungen an, dann bricht der Planwagen mit den Küchenutensilien zusammen, es folgt ein Schlangenbiss, Alkoholismus und Begehren, später die leider etwas allzu gerechte Bestrafung des Bösewichts durch die Bärenfalle. Einmal dann auch Wahnsinn. Es dauert also nicht lange, bis auch innerhalb der siebenköpfigen Gruppe die Konflikte ausbrechen müssen. Es ist natürlich auch die Erschöpfung, die der Gruppe zusetzt, ebenso wie die zunehmende Unsicherheit, ob das Unternehmen denn überhaupt gelingen könnte.

In Arslans Spätwestern ist zunächst einmal spannend, wie sich die Figuren innerhalb der Gruppe positionieren, welche Allianzen gebildet werden, wie die einzelnen Personen harmonieren. Schon früh gibt es ein erstes und erwartbares Gerangel um Emily, die alleinreisende Frau - Rosa Enskat, die Köchin (Maria Dietz), weiß mit souveränem, vielleicht auch neidischem Blick, dass hier nur Unheil entstehen kann. Gleichwohl hält sich der Film dann dahingehend zurück, er besinnt sich auf größere Konflikte. Und Emily weiß selbst sehr wohl, wie man sich die Männer vom Hals halten kann - und wie den Herren mit einem einzigen, kleinen Lächeln eine schlaflose Nacht zu bereiten ist. Überraschend, um wie viel komplexer und detaillierter das Spiel der Hoss hier dann doch ausfällt, nachdem man allerorten und vor allem in der Berichterstattung nach der Berlinale 2013 von der "eiskalten, reglosen Nina Hoss" lesen konnte. Das ist Unfug, ganz großartig schlägt sie feinste, nuancierte Töne an.

Der Film strebt, anstatt auf ein Ziel hin, ins Ungewisse, ins Offene. Das mag schwer erträglich sein für viele, die unter einem geglückten Kunstwerk ein in sich geschlossenes Ganzes verstehen. Toll wie da Lars Rudolph ausreißt, sich in seiner größten Szene sinnbildlich und konkret zugleich die Kleider vom Leib reißt und davonrennt, hinein in seinen Wahnsinn oder sonst was - und einfach (aus dem Film) verschwindet. Man weiß nicht, wie ihm geschieht, und der Film sagt es einem nicht. Und: Lange Sequenzen von Landschaftsbildern takten diesen Film, geben ihm seinen Groove - Panoramen, Wälder, das Abendlicht, Berghänge und Flusstäler. Das war zwar alles schon mal da, aber selten so poetisch, atmosphärisch, dicht (Kamera: Patrick Orth). Hier muss man ein Stück weit ablassen können vom üblichen Diktat der Handlungsabfolge, wie man es vom herkömmlichen Erzählkino gewohnt ist. Man muss sich Zeit nehmen für die mäandernden Abschweifungen und die visuellen Reize, dann wird "Gold" ganz groß.


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Sonntag, 30. März 2014

Hong Kong International Film Festival 2014: KOGUASHVILI, KUSTURICA, PORUMBOIU

In BLIND DATES von Levan Koguashvili (Georgien, 2013) werden mit sehr stillem, manchmal bitterem Humor die Erlebnisse eines etwa vierzigjährigen Lehrers portraitiert, der immer noch solo ist und sich von seinen Eltern und seinen Freunden gerade deswegen so einiges anhören muss. Ständig wird er ermahnt, sich endlich eine Frau zuzulegen. Natürlich kann er es dabei aber niemandem recht machen (am wenigsten sich selbst, er will eigentlich keine so recht). Running Gag - falls man das in diesem Fall überhaupt sagen darf - sind die Einwürfe des Vaters, der ihm dazu rät, es bloß nicht mit einer Frau vom Lande zu versuchen, der müsse man noch alles beibringen. Dass seine eigene Frau ebenfalls aus der Provinz kommt, hatte er verdrängt. Später wird das wieder aufgenommen, wo es dann heißt, gerade die Frauen vom Lande seien besonder begehrenswert usw. Aber eigentlich liebt Sandro, so der alternde Held mit Platte, der zum Zeichen seiner Jugendlichkeit ein paar Adidas-Turnschuhe trägt, die schöne Manana. Dumm nur, dass diese ausgerechnet verheiratet ist - und das mit einem ziemlich rüpelhaften Kleingangster, der just an diesem Wochenende aus dem Knast kommt. Kennengelernt hatte er sie bei enem Blind Date, das er immer wieder mit seinem Freund Ivo veranstaltet, um Frauen kennen zu lernen. Und, natürlich, und Sex zu haben. Der Film wird auch dann ziemlich spannend, als er von dem Mann seiner Geliebten dazu genötigt wird, ihn bei gewissen "Geschäftsdingen" zu begleiten, ihn als Fahrer dorthin zu bringen (Sandro kann sich ein Auto leisten). Unerwartet kommt dann, dass er sich plötzlich loyal zu ihm verhält, obwohl dieser eigentlich in Liebesdingen sein Rivale ist. Er spürt wohl, dass Manana sich nicht dazu durchringen können wird, ihn zu verlassen und etwas Neues anzufangen. Dies die Tragik des Films, dass Leute einfach nicht das tun, was ihnen gut tun würde. Sondern das, was sie kennen. Manana ändert ihr Leben also genauso wenig, wie ihr krimineller Mann, von dem sie das eine ganze Ehe lang gefordert hatte. Ein sehr schöner Film, der sich hier nun vielleicht lustiger anhört, als er ist. Denn eigentlich sind hier alle immer von einer Sache bedroht: nicht genug Geld zu haben.

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Emir Kusturicas Debutfilm DO YOU REMEMBER DOLLY BELL? (Jugoslawien 1981) läuft in der Sektion Master Class, in der, wie mir scheint, alles zusammengewürfelt wird, was einen große Namen hat und sonst nirgends so richtig reinpasst. Da finden sich unter anderem Jean-Luc Godard, Agnès Varda, Fredrick Wiseman, Yoji Yamada, Errol Morris, Wang Bind oder Tsai Ming-liang und viele mehr, die entweder einen neuen Film vorzuweisen haben, oder, wie hier, man einen geeigneten Anlass finden konnte: bei Kusturica ist das das Début Restored (wie auch bei Vardas LA POINTE COURTE (1955)). Und in der Tat sieht der Film fantastisch aus, da sieht man überhaupt keine Abnutzungserscheinungen mehr oder sonstige Mängel. In seinen Myriaden von Brauntönen erzählt der Film von einer Familie in den outskirts von Sarajevo, die sich durch ihr alltägliches Leben schlagen. Da passiert einiges Skurriles, es wird viel getanzt, getrunken und gelacht. Und einer der Söhne der vielköpfigen Familie ist begnadeter Sänger und Gitarrenspieler, gründet eine Band und sie haben erste Auftritte bei einem Dorffest. Die Filme von Kusturica sind eigentlich meine Sache nicht, hier aber bin ich doch froh, ihn gesehen zu haben. Der Festival-Katalog verspricht uns "pleasures of a world now lost", und da kann ich nur zustimmen.

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Der beste Film dieses Tages aber war Corneliu Porumboius WHEN EVENING FALLS ON BUCHAREST OR METABOLISM (Rumänien/Frankreich, 2013). Porumboius kluge, einsichtige Filme, die immer auch Analysen einer sozialistischen Gesellschaft im Umbruch sind, ist ein enorm unterhaltender Film der Sprechakte. In meisterlich arrangierten one-shot Dialogsequenzen, mit denen er auch meta-formal das erfüllt, was in der Binnenerzählung thematisiert wurde, bildet er einen Ausschnitt aus dem Produktionsprozess eines Filmes ab. Die Hauptfigur ist Regisseur, und dieser geht mit der Hauptdarstellerin fremd. Es darf natürlich keiner was merken. Pikant ist der nächste Drehtag, da will er eine Nacktszene von ihr drehen, von der sie behauptet, es sei nicht nötig, diese nackt zu spielen. Er wolle sie ausbeuten. Dann wird also argumentiert und geprobt, und dann hüpfen sie wieder ins Bett. Und obwohl dies ein schrecklicher Autorenfilm hätte werden können (nicht dass die  per se schrecklichen wären), ist das alles doch höchst amüsant erzählt, wie man über 35 mm versus Digitales Filmen spricht, über Monica Vitti und Antonioni, warum die Chinesen Essstäbchen verwenden, warum das ihre Art zu Kochen beeinflusst habe, und ob diese Küche der europäischen überlegen sei. Mehrfach werden dann Kleinigkeiten, die eben im mündlichen Gespräch Thema waren, wie etwa das Belauschen eines Gesprächs durch eine offene Tür, im Film selbst durch eine Kameraposition zum Beispiel nachgeahmt. METABOLISM ist aber auch ein Film über Beziehungen, Krankheit und Verantwortung. Wer wann welche wofür oder für wen übernehmen möchte. Und in gewisser Weise ist dieser herausragende Film ein unerfüllter Liebesfilm, weil er so sehr fürs Neue plädiert, dann ins Freie, Offene weist, dass das Hier und Jetzt nur als Transitstadium wahrgenommen werden kann.

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Mittwoch, 26. März 2014

Blutgletscher (Marvin Kren, Österreich 2013)

(c) Koch Media

Ein Szenarium der modernen Industrialisierungs-Apokalypse: aufgrund der Erderwärmung ziehen sich  die Gletscher zurück, die Polkappen schmelzen, die Katastrophen mehren sich. Die Erde steht vor dem Kollaps. Eine Klimaforscherstation hoch oben in den Tiroler Alpen ringt um Erkenntnisse. Zwei Wissenschaftler, eine Biologin, ein ruppiger Bergführer halten die Stellung weltabgeschieden in der Einsamkeit. Eines Nachts färbt sich der Gletscher blutrot, ein Fuchs verendet qualvoll unterm Eis in einer Moräne. Schatten huschen durchs Bild. Die Biologin nimmt eine Probe aus dem Eis und entdeckt auf mikrobakterieller Ebene eine parasitäre Lebensform, die sich mit den Genen des Wirts zu vermischen vermag. Und Mutationen treibt. In rasender Geschwindigkeit. Bis am folgenden Tag die Umweltministerin, die sich für einen Besuch angekündigt hat, die Station erreicht, ist dort oben schon sprichwörtlich der Teufel los. Das Team kämpft ums Überleben – und bekämpft dabei auch immer sich selbst.

Unzweifelhaft sich am Klassiker DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT orientierend, sowie recht unverfroren beim Facehugger ALIEN stibitzend, verbindet Marvin Kren, der schon mit seinem Berlin-Zombiefilm RAMMBOCK (2010) völlig überzeugen konnte, in BLUTGLETSCHER den Öko-Horrorfilm mit der brisanten Thematik des Klimawandels – um so einen Tierhorrorfilm zu erschaffen, der die Nerven des Zuschauers enorm zu terrorisieren weiß. Es ist wunderbar mit anzusehen, wie Kren überhaupt keine Gefangenen macht und, abgesehen vor ein paar derb platzierten Schockmomenten, die eben mit ihrem Überraschungseffekt ohne Umwege (naja!) und per Stromstoß auf direktem Wege zum Herzkollaps führen, mit seinen wunderbar designten Creaturemonstern oldschoolig zu überzeugen weiß und für ordentlich nervliche Zerrütung sorgt. Aber auch mit verschiedenen instantamente durchgeführten Notoperationen, die freilich nicht fehlen dürfen, auch wenn die betreffende  Person im Gesicht schon gelb angelaufen ist (hier wird der Oberschenkel mit der Schere aufgeschnitten um die Wirtshaxe vom Parasiten zu befreien) macht er seinen Standpunkt klar. Das ist schon sehr ausgezeichnet explizit, was einem hier vorgesetzt wird, und definitiv nichts für schwache Nerven...


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Freitag, 21. März 2014

Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen aka. The Challenge (John Frankenheimer, USA/Japan 1982)

Der zweitklassige amerikanische Boxer Rick Murphy (Scott Glenn), der sein Dasein wenig glorreich als Sparringspartner in Trainingskämpfen fristen muss, erhält von einem japanischen Geschäftsmann den Auftrag, ein seltenes Samuraischwert zurück nach Japan zu schmuggeln. Dieses sei nun wieder in Familienbesitz und die ganze Angelegenheit völlig risikofrei. Kaum aber am Flughafen in Kyoto angekommen, wird er allerdings gekidnappt und gerät zwischen die Fronten in einem erbitterten Familienkrieg zweier Brüder, die beide Anspruch auf das Schwert anmelden. Da ist einmal der reiche und freilich skrupellose Geschäftsmann Hideo mitsamt Privatarmee, und dann sein weiser, den Traditionen seines Landes verpflichteter Bruder Yoshida (Toshiro Mifune mit weißen, wehenden Haaren), der sich in Schwertkunst und Spiritualität übt. Auf welche Seite sich der rüpelhafte Rick schlagen wird, ist zunächst unklar. Doch hat der Mifune eine Tochter, die es ihm angetan hat. Und sie hat große Augen und eine Sehnsucht im Leib.

Typischer Culture-Clash-Film der Achtziger mit reichlich Action auf allen Gebieten, der den unbedarften und arroganten Westler in den exotischen Osten befördert, um ihn dort, geläutert, die Erleuchtung erfahren und ein besserer Mensch werden zu lassen. Anbei wird reichlich Martial Arts serviert, zusammengerührt aus allen asiatischen Himmelsrichtungen. Ob das nun ein Samurai, ein Aikido-Kämpfer, ein Ninja, oder schlicht ein bewehrter Yakuza ist, das ist dem Film ziemlich egal. Was möglicherweise aber auch daran liegen könnte, dass der Film zunächst in China hätte spielen sollen. Spektakulär ist generell das Setting (Shokuji-Tempel versus hypermodernes Kongresszentrum), das ebenso auf Gegensätzen beruht, wie der gesamte auf (über-) deutliche Oppositionen hin konstruierte Film. Weshalb sich allerdings die Tochter ausgerechnet in diesen bleichen, schwitzenden und arroganten Stümper verliebt, ist ein Rätsel, das der Film immer für sich behalten wird.


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Mittwoch, 12. März 2014

Shoah durch Erschießen: Einsatz in der Ukraine (Romain Icard, Frankreich 2008)


1941 - nachdem Hitler die Vernichtung des Bolschewismus zum Hauptziel des Nationalsozialismus erklärt hatte und die Wehrmacht im so genannten "Unternehmen Barbarossa" 1941 die Sowjetunion überfallen und in nur zwei Wochen die Ukraine eingenommen hatte, nahmen die gefürchteten "Einsatzgruppen", mobile Sondereinheiten der SS, ihre Arbeit auf. Ihr Ziel: die schnellstmögliche und systematische Ausrottung der ukrainisch-jüdischen Bevölkerung; und damit die Ermordung von Hunderttausenden zusammengetriebener Frauen, Männer und Kinder. Gaskammern wurden dafür eigens gar nicht erst gebaut. Vor den Städten und Ortschaften, gerade so außer Sichtweite, wurden die zusammengetriebenen Juden dazu gezwungen, ihre eigenen Gräber auszuheben um anschließend direkt exekutiert zu werden. Da nicht alle Opfer sofort tot waren, begannen die Gräber sich zu bewegen, wie ein Augenzeuge im Film berichtet. Blut floss in Strömen aus ihnen heraus, bis hinein in den nächsten Fluss.

Der französische Pater Patrick Desbois, der in diesem Film von Filmemacher Romain Icard begleitet wird, spricht mit den noch lebenden Zeugen des Genozids, die zumeist, so grotesk das anmutet, noch nie zu diesen Ereignissen befragt worden waren, die sie als Kinder erlebt und aus nächster Nähe mitverfolgt hatten. Meist war es die kindliche Neugier gewesen, die sie zu den Orten des Schreckens geführt hatte, oftmals wurden sie auch von der SS dazu gezwungen, die Gräber voller Leichen zuzuschütten. Es ist ein verdrängtes und nie gelüftetes Kapitel des Holocaust, das Desbois in jahrelanger Kleinstarbeit aufdeckte, und der Film von Romain Icard dokumentiert die Suche nach der Wahrheit, den Tatorten, den Gräbern.

Die Dokumentation ist eine Montage mehrerer Reisen Desbois' in die Ukraine, führt anhand von Archivmaterial in den zeithistorischen Horizont ein und montiert immer wieder die oftmals erschütternden, oftmals verblüffend nüchtern ablaufenden Interviews mit den Zeitzeugen. Da gibt es lange Autofahrten durch Landschaften, die mit ihrer ruralen und dörflichen Idylle in starkem Kontrast zu den Ereignissen stehen, die sie verbergen...


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Freitag, 28. Februar 2014

Top Ten Februar 2014

1. Awaara / Der Vagabund von Bombay (Raj Kapoor, 1951)
2. Meghe Dhaka Tara / The Cloud-capped Star (Ritwik Ghatak, 1960)
3. Nymphomaniac 1 (Lars von Trier, 2013)
4. Happy Together (Wong Kar-wai, 1997)
5. Das finstere Tal (Andreas Prochaska, 2014)
6. Kismet (Gyan Mukherjee, 1943)
7. 13 Assassins (Takashi Miike, 2010)*
8. I married a Witch (René Clair, 1942)
9. Nun va Goldoon / A Moment of Innocence (Mohsen Makhmalbaf, 1999)
10. RoboCop (José Padilha, 2014)

+ 11. Blind Detective (Johnnie To, 2013)

really strange but beautiful: Mahakaal (Shyam & Tulsi Ramsay, 1993)

Berlinale:

1. Ice Poison / Bing Du (Midi Z, 2014)
2. Boyhood (Richard Linklater, 2013)
3. The Little House (Yoji Yamada, 2014)
4. L’enlèvement de Michel Houellebecq (Guillaume Nicloux, 2014)
5. Inferno (Yael Bartana, 2013) [short]
6. The Midnight After (Fruit Chan, 2014)
7. That Demon Within (Dante Lam, 2014)
8. Blind Massage (Lou Ye, 2014)
9. Killa / The Fort (Avinash Arun, 2014)
10. Le beau Danger (René Frölke, 2014)


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Donnerstag, 27. Februar 2014

Handschlag mit dem Teufel - General Roméo Dallaire und der Völkermord in Ruanda (Peter Raymont, Kanada 2004)




Trailer: (c) absolutMEDIENBerlin

Der Dokumentarfilm des kanadischen Filmemachers Peter Raymont erzählt die Geschichte des Völkermords in Ruanda im Jahr 1994, dabei sich an den Ereignissen des biographischen und 2008 bei Zu Klampen auf Deutsch erschienen Buches des ehemaligen Kommandanten der UN-Friedensmission, General Roméo Dallaire, orientierend. Bei den Massakern durch die Milizen wurden in weniger als 100 Tagen 800.000 Tutsi auf brutalste Weise getötet - Männer, Frauen und Kinder. Die Internationale Gemeinschaft pflegte, so gut es ging, wegzusehen und verweigerte Dallaire die Mittel und das Personal, die ein absolut notwendiges und effektives Eingreifen möglich gemacht hätten. De facto wurde sogar das Kontingent der belgischen Truppe abgezogen, da die Gefahr für Leib und Leben für die Soldaten angeblich zu groß wurde. Die Zivilbevölkerung wurde somit ihrem Schicksal überlassen. Dallaire hingegen widersetzte sich den Befehlen seiner Vorgesetzten und blieb. Schlecht ausgerüstet und ohne finanzielle Mittel war es ihm aber nicht möglich, in angemessener Weise zu agieren. Jahre später, nach der partiellen Überwindung seiner posttraumatischen Belastungsstörung und der tiefen Depression, begann er die Ereignisse aufzuschreiben, auf denen dieser Dokumentarfilm basiert.

Ein Kamerateam begleitete Dallaire im Jahr 2004 bei seiner Rückkehr nach Ruanda, wohin er mit seiner Frau als Privatperson reiste. "Um die Dämonen zu vertreiben", wie er an einer Stelle sagt. Dies will ihm freilich nicht gelingen, zu sehr haben ihn die schrecklichen Ereignisse geprägt. 


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Freitag, 21. Februar 2014

Best of 2013 - Top Ten der Deutschen Kinostarts in der FILMGAZETTE

Wie jedes Jahr wählen auch die Filmkritiker der filmgazette ihre zehn liebsten Kinofilme - was dabei herausgekommen ist, das kann man hier nachlesen. Platz 1 jedenfalls liegt überzeugend vorne.

(Foto: © Universum Film)

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Sonntag, 19. Januar 2014

Best of 2013 - HARD SENSATIONS

Wie jedes Jahr müssen Listen gemacht werden. Die von den HS-Schreibern ist seit ein paar Tagen online, meine ist freilich auch dabei. Alles ein bisschen abseits des Weges, hier... Einfach mal inspirieren lassen und Neues endecken. Viele der Filme sind mit Links hinterlegt, da kann man sich dann die entsprechende Kritik zu durchlesen... viel Spaß damit!



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Freitag, 10. Januar 2014

Derrick #3: Stiftungsfest (Helmut Käutner, 1974)

"Na, ich hoffe, dass ihr euch jetzt mal in Schweiß bringt, was!"


 Bei ihrem Stiftungsfest zum 75jährigen Bestehen des Gesangsvereins gerät die ausgelassene Gesellschaft auf den Boden der Tatsachen zurück, nachdem ein weiblicher Gast, Irene Eppler (Andrea Rau) in ihrem Zimmer von ihrem Freund Helmut (Bruno Dietrich) tot aufgefunden wird. Sie waren verabredet zu einem Schäferstündchen, doch anscheinend war ihm jemand mit seinem Kopulationsbedürfnis zuvorgekommen. Wer das war, das weiß der Zuschauer freilich: es war sein eigener Vater, der August Bark (Siegfried DER ALTE Lowitz), der sich nach ordentlich Biergenuß und Schnapsverzehr in seiner Wirkmacht, seiner eigenen Austrahlung und Attraktivität auf die deutlich jüngere Frau zu seinen Gunsten verkalkuliert hat. Sie wehrt seine Avancen ab, er wird gewalttätig ("Mädchen, ich bekomm' doch sowieso was ich will!"), und als plötzlich der Sohn vor der verschlossenen Tür steht, da wähnt er sich entdeckt. Nun, und dann ist die junge Frau plötzlich tot.

Worum es also geht in diesem Krimi, ist erneut - wie in den vorherigen Teilen - nicht die Frage, wer denn nun der Mörder ist, sondern viel eher, wie der Kommissar Derrick und sein Adept Harry Klein den Mörder, der für sie bald eindeutig aus den Ereignissen zu deduzieren ist, dazu zu bringen ist, ein Geständnis abzulegen. Denn der Täter August Bark ist der Platzhirsch und Wortführer des Gesangsvereins, einer, der "mitten in der Gesellschaft" steht, einer, der unmöglich sich durch ein solches Geständnis exponieren kann. Zugleich aber befindet er sich in einer emotionalen Zwickmühle, da er versucht, seinen Sohn in Schutz zu nehmen - ohne sich selbst zu verraten. Denn eben dieser war ja zur Tatzeit bei der Leiche, über ihr kniend sogar, gefunden und gesehen worden. Da fängt man schon mal vor Panik zu schwitzen an, es ist alles ein Skandal.

Skandalös aber durchaus auch der ganze Tathergang, denn der Film trieft vor Schmutz und Schmier. Hier kann man dem bundesdeutschen Biedermann ins Gemüt schauen; wo die Gattin brav auf der Holzbank sitzen muss, während der schmerbäuchige Ehemann sich zum Potenzhengst hochsäuft, der mal eben geschwind den Tanzboden kapert und sich an die Freundin seines eigenen Sohnes heranmacht. Und alles steht aussenherum und klatscht Beifall. Freilich unter dem Deckmäntelchen der ausgelassenen Fröhlichkeit, die angeblich nur ein Jokus sei - einer, wo der geile Alte sogar der Dame durchaus an die Brust greift, und die Kamera dann völlig sleazig auf die seidenverhüllte Oberweite draufhält. Kein Wunder, schwitzt man sich da nass, kein Wunder, muss man da die Klamotten wechseln, kein Wunder schlagen da die Begehrlichkeiten in Handgreiflichkeiten um! Ein Blick in den Orkus biedermännischer Befindlichkeit, hinter die Fassade des Saubermanns. Bei dieser formidablen Episode von Derrick, die in vielen Details völlig unfassbar ist, überfällt einen mehrfach das kalte Grausen. Sehr gut!


















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