Sonntag, 19. Januar 2014

Best of 2013 - HARD SENSATIONS

Wie jedes Jahr müssen Listen gemacht werden. Die von den HS-Schreibern ist seit ein paar Tagen online, meine ist freilich auch dabei. Alles ein bisschen abseits des Weges, hier... Einfach mal inspirieren lassen und Neues endecken. Viele der Filme sind mit Links hinterlegt, da kann man sich dann die entsprechende Kritik zu durchlesen... viel Spaß damit!



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Freitag, 10. Januar 2014

Derrick #3: Stiftungsfest (Helmut Käutner, 1974)

"Na, ich hoffe, dass ihr euch jetzt mal in Schweiß bringt, was!"


 Bei ihrem Stiftungsfest zum 75jährigen Bestehen des Gesangsvereins gerät die ausgelassene Gesellschaft auf den Boden der Tatsachen zurück, nachdem ein weiblicher Gast, Irene Eppler (Andrea Rau) in ihrem Zimmer von ihrem Freund Helmut (Bruno Dietrich) tot aufgefunden wird. Sie waren verabredet zu einem Schäferstündchen, doch anscheinend war ihm jemand mit seinem Kopulationsbedürfnis zuvorgekommen. Wer das war, das weiß der Zuschauer freilich: es war sein eigener Vater, der August Bark (Siegfried DER ALTE Lowitz), der sich nach ordentlich Biergenuß und Schnapsverzehr in seiner Wirkmacht, seiner eigenen Austrahlung und Attraktivität auf die deutlich jüngere Frau zu seinen Gunsten verkalkuliert hat. Sie wehrt seine Avancen ab, er wird gewalttätig ("Mädchen, ich bekomm' doch sowieso was ich will!"), und als plötzlich der Sohn vor der verschlossenen Tür steht, da wähnt er sich entdeckt. Nun, und dann ist die junge Frau plötzlich tot.

Worum es also geht in diesem Krimi, ist erneut - wie in den vorherigen Teilen - nicht die Frage, wer denn nun der Mörder ist, sondern viel eher, wie der Kommissar Derrick und sein Adept Harry Klein den Mörder, der für sie bald eindeutig aus den Ereignissen zu deduzieren ist, dazu zu bringen ist, ein Geständnis abzulegen. Denn der Täter August Bark ist der Platzhirsch und Wortführer des Gesangsvereins, einer, der "mitten in der Gesellschaft" steht, einer, der unmöglich sich durch ein solches Geständnis exponieren kann. Zugleich aber befindet er sich in einer emotionalen Zwickmühle, da er versucht, seinen Sohn in Schutz zu nehmen - ohne sich selbst zu verraten. Denn eben dieser war ja zur Tatzeit bei der Leiche, über ihr kniend sogar, gefunden und gesehen worden. Da fängt man schon mal vor Panik zu schwitzen an, es ist alles ein Skandal.

Skandalös aber durchaus auch der ganze Tathergang, denn der Film trieft vor Schmutz und Schmier. Hier kann man dem bundesdeutschen Biedermann ins Gemüt schauen; wo die Gattin brav auf der Holzbank sitzen muss, während der schmerbäuchige Ehemann sich zum Potenzhengst hochsäuft, der mal eben geschwind den Tanzboden kapert und sich an die Freundin seines eigenen Sohnes heranmacht. Und alles steht aussenherum und klatscht Beifall. Freilich unter dem Deckmäntelchen der ausgelassenen Fröhlichkeit, die angeblich nur ein Jokus sei - einer, wo der geile Alte sogar der Dame durchaus an die Brust greift, und die Kamera dann völlig sleazig auf die seidenverhüllte Oberweite draufhält. Kein Wunder, schwitzt man sich da nass, kein Wunder, muss man da die Klamotten wechseln, kein Wunder schlagen da die Begehrlichkeiten in Handgreiflichkeiten um! Ein Blick in den Orkus biedermännischer Befindlichkeit, hinter die Fassade des Saubermanns. Bei dieser formidablen Episode von Derrick, die in vielen Details völlig unfassbar ist, überfällt einen mehrfach das kalte Grausen. Sehr gut!


















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