Freitag, 21. August 2015

Wyrmwood: Road of the Dead (Kiah Roache-Turner, Australien 2014)

"Wie hier schon auf der Seite kritisch angemerkt wurde: noch einen und noch einen weiteren Vertreter der „immergleichen Zombiepampe“ braucht kein Mensch mehr. Umso schöner, wenn dann eine Amateurproduktion auftaucht, die vor Klasse, oder zumindest dem Streben danach, geradezu strotzt. Und obwohl hier anstatt bei Romero eher am neueren Infektionsterrorismus Marke Danny Boyle angeknüpft wird – mitsamt einem herrlich swingenden durchgeknallten Arzt in der beliebten Breaking Bad-Quarantänemode – wird das nicht als Freibrief zur witzchengespickten, ungezügelten Gore-Satire missverstanden, nein, eine gewisse Ebene der Ernsthaftigkeit grundiert diesen Film. Außerdem werden nicht nur einigermaßen interessante Figuren eingeführt (eine jede eine eigenständige Hackfresse, und besonders schön: der Aborigine-Sidekick), nein, immer wieder kommt der Film mit leiseren und düsteren Stimmungen daher, ernsten, dann tatsächlich bedrohlichen Momenten, eigentlich inneren Seelenlandschaften, die im Kontrast zur australischen Naturschönheit stehen; sowie einer Lust an der ungezügelten Kostümierung, die in ihren karnevalesken Szenen an die Transgressionen eines frühen Rob Zombie erinnern. Garniert mit dem einen oder anderen Lackstiefel und angefetzten Büstenhalter: die verschwitzte Tanktop-Frau – zum baldigen Verzehr durch männliche Antihelden – exploitativ am Dachgebälk aufgehangen, lässt dann auch etwas Feuer in den Lenden der männlichen Zielgruppe aufflackern.

Filme aus Australien haben beim Genrepublikum eine merkwürdige, prinzipielle Grundcredibilitiy. Ältere Semester denken sofort an Mad Max (der hier mehrfach zitiert wird) oder an den schönen Campingfilm Lost Weekend, jüngere Generationen häufig an Wolf Creek und Konsorten. Ein Grund könnte sein: Viele davon tragen eine gewisse exotische Kompromisslosigkeit im Herzen, die sie sympathisch macht. Allzuviele Zombiefilme sieht man nun sowieso nicht gerade aus diesem Land, man erinnere sich etwa an Undead von den Spierig Brothers; der Film ist aber auch schon wieder von 2003."


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Montag, 3. August 2015

Mission: Impossible - Rogue Nation (Christopher McQuarrie, 2015)

Während der Trend bei den letzten James Bond-Filmen wieder deutlich Richtung Ernsthaftigkeit ging, erfreulicherweise, geht er hier Richtung Augenzwinkern. Und mit so einem Mann in der Spezialeinheit wie Simon Pegg, der den trockenen englischen Humor mit etwas Hysterie ins Spiel bringt, macht das auch richtig Spaß. Aber auch  mit Tom Cruise, der in Würde zu alten scheint, der mit Stil eben dieses Augenzwinkern versteht, kann man sich wunderbar solidarisieren. Trockener Humor ganz ohne markige Oneliner sind sein Markenzeichen, und ein sympathisches, nonchalantes Achselzucken gegenüber den Limitierungen des Alters.

Klar, die Blondine ist immer noch der love interest, der Sniper ist ein kantiger Typ Marke Dolph Lundgren anno 1985 und der Bösewicht ein fieser Typ wie ein gefährlicher Zahnarzt mit Mundgeruch. Opfer: immer hohe Politiker und die Welt kurz vor dem Untergehen. Ist aber auch nicht so wichtig, dieses Immergleiche - in den Strudeln des Genrefilms, eigentlich ist er ja nichts anderes, nur eben mit sehr viel Geld gedreht, sind die Koordinaten im Vorhinein bekannt. Man rennt also durch die beachtlichen Setpieces, wird weggeblasen von der ziemlich bodenständig und glaubhaften Kinetik der Aktionsszenen und verfolgt den Plot nur noch mit einem Aug' & Ohr. Das muss genügen, so hat man sich darauf geeinigt. Es funktioniert alles bestens, wenn man sich auf die Macht der Bilder einigt.

Wunderbar gleich der Anfang des Films in seiner grotesken Schönheit, Panik, Hysterie. Und Albernheit. Ja, soviel Zeit muss sein. Albern zu sein. Auch wenn man interkontinental Dringendes zu erledigen hat.

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