Montag, 13. April 2020

REVENGE (Coralie Fargeat, 2017)

 Knallig gefilmter Rape & Revenge-Genrefilm aus Frankreich, dem immer wieder eine feministische Ausrichtung nachgesagt wird, da einerseits hier eine Regisseurin am Werk ist, zum anderen die Perspektive im Laufe des Films sich sehr der Protagonistin annähert.

 Diese mausert sich vom Opfer zur Täterin, zu derjenigen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt - und sich an ihren Peinigern rächt. Was sicherlich richtig ist. Aber auch nicht völlig ungewöhnlich. Im japanischen Genrefilm gibt es eine ganze Reihe derlei Filme, in denen bisweilen sogar ikonenhafte Frauengestalten zu Heldinnen stilisiert werden - allen voran denke man an Meiko Kaji in der SASORI - Reihe.

 Meine Kritik an diesem Film ist eine andere. Denn der Blick der Kamera bleibt weiterhin ein männlicher. Die verwandelte Anti-Heldin Jen macht zwar alles so, wie man es sich von einer gepeinigten Rächerin wünscht, allerdings wird weiterhin ihr knackiger Arsch (den die Männer in der ersten Hälfte mehrfach loben) in Zeitlupe abgeschwenkt - nun halt mit Blut dran -, wird weiterhin ihr wuschliges Haar nach Art der Löwenmähne drapiert, läuft weiterhin die Blutsoße dekorativ übers Bustier usw usf. 

 Was der Film behauptet zu tun, nämlich "aus weiblich souveräner Perspektive" zu erzählen, ist Quatsch. Er ist und bleibt eine Wichsvorlage für den männlichen Blick, oder für jede(n), der/die gutaussehende Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs attraktiv findet. Nur wird dem Mann im Laufe des Films eben der Pimmel, und nicht nur der, abgeschossen. Der "Phönix Frau" ersteigt aus der Asche, die der Mann hinterlässt. Und das soll feministisch sein?

Michael Schleeh

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