Mittwoch, 3. November 2010

Schnappschüsse, Pt. 1

Da sich die gesehenen Filme anhäufen und mir momentan etwas die Zeit fehlt, richtige Einträge zu schreiben ("Schuld" daran ist das japanische Kino - ein längerer Text ist in der Mache, und außerdem findet ab heute der JAPANESE FILM BLOGATHON 2010 statt, an dem dem ich teilnehmen möchte), werde ich wie im Schneeland unter dieser Rubrik Kurzkommentare posten, manchmal auch launig, um das jüngst Gesehene kurz zu dokumentieren. Also:

COCKFIGHTER
(Monte Hellman) -- furioses kleines Meisterwerk nach einem Roman von Charles Willeford. Dreckige Bilder, zerrissene Leben, szenenhaftes, dyskontinuierliches Erzählen. Das Leben eines Drifters ohne Sonnenuntergang. Toll.

LOST AND DELIRIOUS (Léa Pool) -- hatte mir ihr MOMMY'S AT THE HAIRDRESSER'S letztes Jahr auf dem Verzaubert-Filmfestival noch sehr gut gefallen, so übel aufgestossen ist mir dieser frühere Film der Regisseurin. Völlig überstrapazierte Metaphern ruinieren eine Internats-/Coming-of-age-Tragödie, die das Potential zu einem viel besseren Film gehabt hätte. Ärgerlich.

ROTE SONNE (Rudolf Thome) -- für die einen dilettantisches Möchtegernkunstkino, für die anderen (wie mich) einer der Kickstarter für den modernen deutschen Film; geiles reduziertes Erzählen in den aufgelösten Strukturen einer Versuchsanordnung vor dem Hintergrund politischer Repressionen, von Krieg und dem revolutionären Befreiungsschlag aus diesen Zwängen (Kommune 1). Formal spannend vor dem Hintergrund der nouvelle vague, einhergehend mit einer inhaltlichen Befreiung des Films von einem zusammenhängenden (Zwangs-)Sinn. Tolles Ende.

JERICHOW (Christian Petzold) -- nüchterner Film ohne Sympathiefiguren in einem Deutschland, in dem die Beziehungen durch Abhängigkeiten geregelt werden. Strukturelles Motiv ist das Geld und die Absenz von "Liebe." Überzeugende Darsteller und teilweise offenes Ende. Guter Film.