Samstag, 11. Dezember 2010

La mariée était en noir / Die Braut trug schwarz (Francois Truffaut, Frankreich/Italien 1968)


Nun heute noch ein Selbstjustizfilm, ein echter Klassiker des Genres. Manchem mag die Ausgangskonstellation von aktuelleren Filmen her bekannt vorkommen: Da gibt es eine verwitwete Braut und fünf Personen, die auf einer Todesliste stehen, die abgehakt werden muss. Es sind fünf Männer, die am Tod des Gatten, der am Tag der Hochzeit vor der Kirche erschossen wude, schuldig sind. Julie Kohler (Jeanne Moreau ganz groß), die Jägerin Diana, ist auf ihrem persönlichen Rachefeldzug. Die Assoziationen sind KILL BILL von Quentin Tarantino und und dessen Inspirationsquelle LADY SNOWBLOOD /SHURAYUKIHIME (mit Meiko Kaji in der Hauptrolle) von Toshiya Fujita.

Der Film ist klar gegliedert: Julie reist von Ort zu Ort, und tötet jeweils einen der Männer. Spannenderweise deckt Truffaut die Motivation für diese Tat erst nach und nach auf, sodaß der Zuschauer auch erst einmal in einem Informationsdefizit gehalten wird. Harte Schnitte, verkürzte Szenen und ein ständig wechselnder Score (Hitchcocks Bernard Herrmann) trägt zur Verstörung bei. Faszinierend der ständige Rollenwechsel Julies, die bei jedem individuell geplanten Mord in verschiedene, den Mörder verführende Rollen schlüpft. Wie nebenbei deckt Truffaut auch den Machismo und die misogynen Lebenseinstellungen dieser Herrenmenschen auf, welche zudem deutlich für ihre Zeit sprechen dürften. Sehr gelungen ist auch die Sympathieführung Truffauts, der nach nur kurzer Zeit die Figur Julies dem Zuschauer nahe bringen kann. Eigentlich ein Unding: man sympathisiert mit diesem unerbittlichen Racheengel. Ein wahrlich toller Film. Pflicht.