Dienstag, 7. Dezember 2010

The Road (John Hillcoat, USA 2009)


Es ist wieder mal Post-Apokalypse: ein zerlumpter Mann wandert mit seinem noch sehr jungen Sohn durch eine zerstörte Landschaft. Alles ist verbrannt, graue Asche liegt dick wie Schnee über allem. Sie ziehen zur Küste, das Sehnsuchtsziel, um dort etwas zu finden, von dem sie nicht wissen, was es ist.

Die Hoffnung aufrecht zu halten – im Angesicht der totalen Zerstörung – darum geht es in diesem Film. Und warum und wozu das gut ist wird exemplarisch verhandelt zwischen dem Mann (Viggo Mortensen) und seiner Frau (Charlize Theron), die sich das Leben nehmen will. Denn alles sei sinnlos geworden. Auch die Existenz des Sohne stellt hier, für sie, keinen Sinn mehr dar. Mit Flashbacks in warmen Farben und der Streichermusik von Nick Cave werden diese Szenen der Erinnerung eingefügt, wenn der Mann völlig erschöpft in unruhigen Halbschlaf sinkt, ständig auf der Hut vor der Bedrohung. Denn der Mensch ist des Menschen Wolf geworden; marodierende Banden ziehen über das Land. Unaufmerksamkeit kann er sich nicht leisten.

Und wie im Buch werden auch die paar wenigen Szenen, in denen tatsächlich Aktion vorkommt, in all ihrer Brutalität vorgeführt. Andere, kleinere Details werden ausgelassen. Jedoch: Hillcoat bleibt sehr dicht an der literarischen Vorlage, dem großartigen Text Cormac MacCarthys. Es war eine gute Wahl, den Regisseur von THE PROPOSITION an diesen Film zu lassen. Und dennoch kommt er um einige Hollywoodisierungen nicht herum: die Erinnerungen an die Zeit mit der Frau sind etwas sehr ausgedehnt, die Musik manchmal etwas zu sanft, das Ende zu positiv (deutlich positiver als der Text – da nimmt er sich die größte Freiheit). Im Kosmos des Filmes macht dies dennoch Sinn. Das Buch kann man für einen Moment zuschlagen, wenn man es nicht mehr erträgt. Den Film nicht. Da sei das erlaubt.

Dass der Film dennoch irgendwie unantastbar bleibt, distanziert, weniger ergreift als möglich, als würde ein „Kern“ fehlen, liegt an der reduzierten Kunst Hillcoats. Sowie an Cormac MacCarthy. Was man an Mangel an Empathie aufbringt (abgesehen vom Ende) ist die conditio humana, die der Schriftsteller seinen Figuren zuschreibt. Denn auch im Text finden wir Figuren vor, die in der Distanz bleiben, emotional kaltgestellt, in einer Welt, die innerlich schon längst untergegangen ist. Die Menschheit, wie wir sie kennen, ist gestern.