Donnerstag, 2. Dezember 2010

Twin Peaks: Fire walk with me (David Lynch, USA 1992)


Der Film ist das nachgeschobene Prequel zur bekannten TV-Serie TWIN PEAKS. In der ersten Hälfte ermittelt FBI-Agent Chet Desmond den Tod der Kellnerin Teresa Banks. Als dieser dem Mord einen entscheidenden Schritt näher kommt, verschwindet er plötzlich. Das ruft Special Agent Dale Cooper auf den Plan, der sich auf die Suche nach dem Vermissten macht. Zugleich erzählt der Film die letzten Wochen der Laura Palmer, deren brutale Ermordung die Ausgangskonstellation der Fernsehserie darstellt.

Ich mag diesen komischen, symbolüberladenen Film, der irgendwo zwischen Kunst und Kitsch, zwischen Sein und Schein, zwischen Verdorbenheit und Unschuld hin und her pendelt. Komisch deswegen, da er einserseits sehr lustig und bizarr ist, andererseits einer seltenen Form des surrealen Dilettantismus frönt. Nicht nur in der Schauspielerleistung, sondern auch bildästhetisch ist das teilweise unglaublich einfach, was man da zu sehen bekommt - und doch zugleich wieder -innerhalb des Spielfilmkontexts- wegen der Andersartigkeit sehr befremdlich.
Dann wieder schwimmt man regelrecht inmitten des Geflechts aus lynchesken Anspielungen und Referenzen ans eigene Werk, sodaß man ständig dazu genötigt wird, semantische Bezüge herzustellen. Bisweilen bleibt es einfach auch nur kryptisch. Spannenderweise schadet das aber dem Film nicht, ein Film, der hinter die bürgerliche Fassade der Bewohner des Städtchens Twin Peaks an der kanadischen Grenze schaut, und die dort lauernden Abgründe ausstellt.

Gegen Ende läuft der Film in die emotionale und psychische Apokalypse der Protagonistin hinein, wie man sie ansonsten selten zu sehen bekommt. Auch wenn sich die aus der Serie aufgegriffenen Motive etwas zu sehr ballen, allzuviele Handlungsstränge angeschnitten werden, und der Film in der zweite Hälfte überzuquellen droht, so gelingt es Lynch doch immer wieder ruhige Phasen zu setzen, die gegen Ende dunkler, mysteriöser, gewalttätiger und sexueller werden. Es läßt sich nur noch schwer zwischen den verschiedenen Wahrnehmungsebenen unterscheiden, was "objektive" Erzählung und subjektives Wahngebilde ist. Letztlich formuliert mir der Film zuviel aus, rundet sich in seiner Eruption der Gewalt zu sehr zu einer narrativ geschlossenen Geschichte (auch wenn sich das paradox anhören mag, steht diese doch in kaum einem Verhältnis zu den Ungeklärtheiten). Man sollte jedoch keinesfalls diesen Film, nur weil er ein Prequel ist, vor der eigentlichen Serie schauen. Er deckt dafür zuviel auf, wird einem mit der Fülle an Informationen das Erlebnis der Serie schmälern. Und die erste Staffel der Serie ist, daran konnte auch die heutige Sichtung nichts ändern, immer noch the real thing.