Samstag, 4. Dezember 2010

Zazie dans le Métro (Louis Malle, Frankreich 1960)


Das zehnjährige freche Mädchen Zazie ist mit ihrer Mutter aus der Provinz nach Paris gekommen, damit diese ein Wochenende mit ihrem Liebhaber verbringen kann. Zazie wird beim Onkel abgegeben, dem mit der vorwitzigen Göre zwei Tage Chaos total ins Haus stehen. Ihr größter Wunsch ist es, einmal mit der Métro zu fahren - doch diese wird bestreikt. Also wird die Stadt auseinandergenommenn.

1959 erschien die Vorlage zum Film, der gleichnamige Roman von Raymond Queneau. Wie im Roman mit Wörtern gespielt wird, so wird im Film mit visuellen Einfällen gespielt. Das wird oft enorm slapstickartig, schäumt über von kreativen Ideen, Bild- / Ton-Scheren, Zeitlupe und Zeitraffer, sprechenden Papageien und stlisierten Szenen, in denen die Naturgesetze aufgehoben werden, in denen aus allen Bereichen der Kunst zitiert, veralbert und herumgespaßt wird. Der Film entwickelt ein beinahe anarchisches Befreiungspotential, war wegen seiner anstößigen Dialoge in Deutschland sogar zensiert, und kulminiert am Ende bei der Aufführung des Varietés in den totalen visuellen und akustischen Terror.

Ein Film, den sich auch Freunde der Amélie Poulain anschauen können, wenn sie mal sehen wollen, wie diese Kreativität noch eine Stufe weiter ins Extrem getrieben wird. Zazie ist Metakino und bleibt nicht beim Fabulieren stehen. Kein Wunder also, machen sich die Figuren in einer Szene über die nouvelle vague lustig. Zu der der Film selbst natürlich dazugehört. Und am Ende fährt man mit dem Zug wieder aus der Stadt hinaus...