Dienstag, 4. Januar 2011

The 40 year-old virgin / Jungfrau (40), männlich, sucht... (Judd Apatow, USA 2005)


"Ich stand seinerzeit die 40-jährige Jungfrau ganz durch (buy it, watch it!)"
Whoknows' Best im Dezember 2010


Eigentlich sucht er ja gar nichts. Andy Stitzer (Steve Carell) hat sich eingerichtet in seinem kleinen Häuschen, das aus lauter Reminiszenzen an seine Jugend besteht: Pappkameraden aus Filmen, teuren Actionspielfiguren, die noch in Kartons verpackt sind, Videokonsole und seine daily routines. Doch seine Arbeitskollegen im Elektronikmarkt sehen das anders: die Jungfrau Andy soll endlich mal zum Schuß kommen, vielleicht auch nur, weil man ihn ein bißchen damit quälen kann...

Judd Apatow macht das sehr geschickt: seine wohl vornehmlich ans männliche Publikum gerichtete Komödie macht sich die bunte Welt der Medien und Popkultur-Nerds zunutze, die sich vor einem "Erwachsenwerden" sträuben und sich hervorragend in ihrer Berufsjugendlichkeit eingerichtet haben. Hier geht es immer nur um Mädels, Computerspiele, den nächsten Joint, die Sause am Wochenende. Und so kann man durchaus auch 40 Jahre alt werden und mehr oder weniger glücklich sein - und sind wir nicht alle selbst auch so noch ein bißchen? Ein Blog zu pflegen anstatt an die Rente zu denken?! Genau.

Apatow läßt sich, wie von funkhundd angesprochen, viel Zeit mit den Figuren. Das ist gut. Und er macht das nicht mit selbstquälerischen, grüblerischen Momenten und Flashbacks in die Vergangenheit, sondern -dem Film angemessen- durch o.g. fetischierte Objekte. Da wissen alle ähnlich gelagerten Nerds sofort: klar, kenn ich. Oder man kennt einen, der genauso ist; also: klar. Da braucht es auch keine großen Diskussionen (man ist ja in einer Teenie-Komödie für Erwachsene), da reichen der Prolltalk in der Disco und ein Grinsen im Marihuanarausch, um Dinge anzureißen, die man dann sofort versteht. Es wird also charakterisiert ohne zu charakterisieren. Durch Drücken der richtigen Knöpfchen.

Dass das System dieser nur quasihaften Vereinzelung und behaupteten Einsamkeit Andys dann durch eine Frau aufgebrochen wird, ist keine Überraschung. Und dass das, was auf ihn zukommt, nicht nur das Erste Mal ist, der Sex, um den es hier im Land der Pimmelwitze eigentlich geht, ebenso. Nein, es steht die Verantwortung eines erwachsenen Lebens vor der Tür, leibhaftig geworden durch Trish (Katherine Keener), denn diese Frau ist eine reife Frau, die bereits Kinder hat. Und da Andy eigentlich auch erwachsen ist, paßt das ja alles.

Let the sunshine in your heart, ist ja alles nicht so schlimm, auch der Film nicht: ist ja nur ein Märchen. Oder sowas. Ein wirklich netter, kuckbarer, aber auch sehr konsevativer Film, wie ich finde, der es allerdings schafft, ein gewisses anarchisches Befreiungspotential mitzuliefern. Etwa wenn Seth Rogen seine Wampe durchs Bild tanzen läßt. Hach!

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