Sonntag, 30. Januar 2011

Black Swan (Darren Aronofsky, USA 2010)


Es gibt nun bereits mehr als genug Texte zu diesem Film in Presse und Netz, als dass man noch einen weiteren hinzufügen müsste. Ein paar Kleinigkeiten hätte ich aber dennoch anzumerken, schon um das nicht zu vergessen, als kleines Erinnerungsnotat und Steinchen im Schuh (jenseits einer Abwatschung Natalie Portmans, ob man sie nun gut findet oder nicht). Drei Dinge in der Hauptsache möchte ich anführen bei einem Film, der mir von der Bildgestaltung und der sich intensivierenden Spannung her recht gut gefallen hat. Da wären:

1. Aronofsky läßt unglaubwürdigerweise Cassel seiner Truppe den Inhalt des Schwanensee erklären. Welcher Balletttänzer aber kennte diesen nicht?! Eigentlich also erklärt er dem doofen Publikum, worum es da geht.

2. Die Dialoge sind allesamt schwach. Zudem: die "künstlerischen" Regieanweisungen Cassels sind sogar von einer verblüffend naiven Primitivität. So spricht kein Künstler auf der ganzen Welt über sein Sujet. Außer vielleicht beim Volkshochschul-Einführungskurs. Auch hier wird vermutlich zu sehr ans Publikum gedacht. Bildwelten also: originell, Sprachwelten dagegen: Phrasen, platte Dialoge, Allerwelt.

3. Aronofsky arbeitet recht viel mit billigen rummsdada-Schocks. Das hatte er bislang noch nie nötig gehabt. Eine Arbeitstechnik, die bei mir mitlerweile so großen Verdruß hervorruft, dass bei mir direkt der Nervpegel recht weit ausschlägt.

Eines der schönsten Argumente für die gelungene Bildgestaltung war in der Kritik von Georg Seeßlen in der Zeit zu lesen, dass nämlich selbst das eingesetzte Licht wie Wände wirken würde. In der Tat, wer den Film noch nicht gesehen hat, achte auf den Anfang.
Extrem bedrückend neben den ganzen Katakombenbildern und dem beinah völlig fehlenden Tageslicht ist die Wohnung der Protagonistin, ein viktorianisch verwinkeltes Schloß der erdrückenden Reizüberflutung. Diese Wohnung versinnbildlicht den mentalen status quo der Protagonistin, nämlich das des eingesperrten Individuums in Leistung und Anspruch, das des totalen Seelenknasts.