Freitag, 7. Januar 2011

The Good North (Jonathan Entwistle, UK 2010)

Als in einer ländlichen Stadt im Norden Englands ein Engländer pakistanischer Herkunft zusammengeschlagen wird, stehen vor allem diejenigen Ortsansässigen unter Druck, die diese Tat nicht gutheißen wollen.
In vier Kapiteln erzählt dieser Kurzfilm (Budget: 240 Pfund) ausschnitthaft von der vergifteten Atmosphäre, die die National Front in dieser Kleinstadt etablieren konnte (die aber natürlich als Stellvertreter für viele andere steht). Ausschnitthaft deshalb, da die Szenen nur angerissen werden, in denen antifaschistisch oder liberal eingestellte Bürger an die Wand gedrängt werden. Das Klima der Aggression macht sie mundtot, sie fürchten sich zu wehren oder sich einzusetzen. Das alles wird völlig ohne moralische Keule oder Betroffenheitspathos vermittelt, sondern mit einer Direktheit und Unmittelbarkeit erzählt, die dem Zuschauer die Entschlüsselung der Szenen zumeist selbst überläßt. Denn es wird keine Einführung gegeben und auch keine Übersicht gewährt, keine der Figuren eingeführt. Jedes Segment formuliert seine Story "aus sich selbst heraus". Dass am Ende noch eine kleine, entlarvende Pointe kommt, war zu erwarten. Sie setzt dem Film das Sahnehäubchen auf, einem Film, der gut gespielt ist und sehr ordentlich ins Bild gesetzt wurde. THE GOOD NORTH erzählt eine der "kleinen" Geschichten des Alltags - die dafür um so schrecklicher ist. Dafür braucht Entwistle nur gute 7 Minuten. Im Oktober 2010 wurde er zum 54. Londoner Filmfestival des British Film Institute eingeladen. Ziemlich klasse.