Freitag, 21. Januar 2011

You will meet a tall dark Stranger / Ich sehe den Mann deiner Träume (Woody Allen, USA 2010)


...orakelt es aus einer der Figuren heraus, aus einem "Medium", die für viel Geld verzweifelten Ehefrauen etwas vorschwindelt. Vor allem klappt das so gut, da sie mit einer Masseuse gut befreundet ist, bei der sich die Kundschaft sowieso die innersten Geheimnisse von der Seele redet. Doch um diese Frau geht es gar nicht in der Hauptsache, es ist nur das Motto, das sich gleichsam orakelnd durch den ganzen Film zieht und auf alle Figuren in ihm zutrifft. Zumindest wünschen sich dies die meisten...: ein neuer Mensch soll in mein langweiliges Leben treten!

Und wie es bei einem allenschen bildungsbürgerlichen Liebesreigen so ist, werden auch bald die Beziehungskrisen so gravierend, dass das Karussell sich zu drehen beginnt. Am schönsten kommt das zur Darstellung in der Beziehung von Galleristin Naomi Watts und dem erfolglosem Schriftsteller Josh Brolin, die unter permanenter Geldnot leiden und sich so nicht nur in Liebesdingen wie in einem Käfig fühlen. Der Schriftsteller also schaut viel aus dem Fenster, und als im Appartment gegenüber eine schöne junge Frau in rotem Gewand einzieht (welches sie dann auch bald auszieht), da ist es um ihn geschehen.

Viel später im Film hat er dann bekommen was er wollte, zieht gegenüber ein und Allen spiegelt die o.g. Fensterszene in ganz fantastischer Weise, dass tatsächlich so etwas wie eine kleine, altbekannte aber melancholische Weisheit sich ausdrückt. Ganz toll gemacht, hier.

Und dies ist nur, stark verkürzt, eine der Geschichten des Films, die in ihrer Vielzahl und Verknüpfungen beinah den Geist der Filme Robert Altmans atmen. Nur nicht so hysterisch, bei Allen bleibt alles gesittet. ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME ist aber auf das allensche Gesamtwerk bezogen ein eher kleiner Film, möchte ich vermuten, die große Durchschlagskraft fehlt ihm, die Sensation ebenso. Wie sich Anthony Hopkins hier zum Horst macht, ist zwar wunderbar, aber auch wunderbar durchschnittlich.

Den Film kann man sich definitv ansehen, man findet Unterhaltung auf hohem Niveau, alles natürlich äußerst routiniert, und so etwas wie gutes Handwerk von einem großen Filmemacher. Wer wie Allen ein Leben lang Filme gemacht hat, so scheint es, kann gar keinen schlechten machen - selbst die kleine Produktion glückt zur vollsten Zufriedenheit. Ein Meisterwerk jüngerer Zeit wie SCOOP, der im Schatten vom reißerischen MATCH POINT etwas untergegangen ist, ist dieser Film aber nicht.