Freitag, 8. April 2011

Icarus (Dolph Lundgren, USA 2010)


Der ehemaliger KGB-Agent Icarus (Dolph Lundgren) nutzt den Zusammenbruch der Sowjetunion um unterzutauchen und in die USA zu emigrieren, wo er unter dem Namen Edward Genn ein neues Leben beginnt: Familie, Haus, Kind. Doch zwingen ihn alte Seilschaften dazu, als Undercover-Killer für die russische Mafia zu arbeiten, wodurch seine Ehe zerbricht. Bei einem der Aufträge gerät er jedoch erneut in den Radar des Geheimdienstes - und nun soll er selbst getötet werden.

In ICARUS schlüpft in eine gänzlich andere Rolle, als die er in COMMAND PERFORMANCE inne hatte. Nun im Anzug, distinguiert. Knallhart, tötet ohne zu zögern, doch mit Herz und Sehnsucht nach einer Familie. Lundgren, der um Souveränität kämpfende Mann. Der Actionheld begeht hier einen unmöglichen Spagat zwischen bürgerlichem Familienleben und seiner "Bestimmung", die prinzipiell asozial ist. Zugleich Familienvater und Killer zu sein ist ein unlösbarer Konflikt, das scheint nicht möglich, auch hier nicht. Die Folge zunächst: der Ruin seiner Ehe.

Der Film mäandert bisweilen etwas unstrukturiert wirkend und verschlungen durch seine eigentlich simple Handlung, die lediglich durch die Aufdeckung der in der Vergangenheit liegenden Ereignisse Zug bekommt. Und diese sind bedeutend für den Film: derjenige, den er damals gegen den Befehl des Vorgesetzten am Leben ließ, kommt nun zurück in sein Leben als der Feind. Schicksal und Bestimmung.

Der Film ist bisweilen wieder sehr hart geraten. Aber die Kämpfe sind nicht immer plausibel, da gibt es Ablaufprobleme und Bluffs mit dem Bildausschnitt. In diesem Film scheinen mir die ruhigen Momente der Selbstfindung, von denen es einige gibt, gelungener, als die Actionszenen. Die Tragödie des Killers ist die, dass er seiner Profession besser nachgehen kann, als den Ansprüchen zu genügen, die an ihn als Familienvater gestellt werden. Wenn zu dieser Prüfung, die den Mann zerreißen wird, auch noch die Vergangenheit zurückkommt, dann geht es um alles.