Mittwoch, 13. April 2011

René (Tobias Nölle, Schweiz 2007)

René ist ein einsamer Mensch, der in einem Hochhaus wohnt und die Existenz nur mit heruntergelassenen Rolläden erträgt. Zugleich sucht er Anschluss und menschlichen Kontakt, der ihm aber aufgrund seiner mittlerweile durchaus asozialen Aura verwehrt bleibt. Zum Beispiel nimmt er Tonbänder auf, die er dann an allen möglichen öffentlichen Orten platziert, damit sie gefunden werden - zum Beispiel auf öffentlichen Toiletten oder in fremden Briefkästen. Er spricht mittlerweile auch mit sich selbst, Sachen wie "Ich bin ein Schrei ohne Echo“. Dann mancht er sich auf die Suche nach dem weißen Land, das irgendwo im oder hinter dem Wald liegt. Der Film ist eine Reise Renés zu sich selbst.

RENÉ ist ein zweischneidiges Schwert. Durchaus schön photographiert mit stets ordentlich Nebel, nasser Wiese und Borke im Blick bildet er die emotionale Tristesse des Protagonisten im Filmbild ab. Leider hangelt sich der Film an allen möglichen Klischees entlang, die immer wieder allerdings durch durchaus originelle "schräge" Einfälle gebrochen werden. Das hält den Film zwar relativ spannend, provoziert aber auch ein Augenbrauenhochziehen und leichtes Stöhnen bei all denen, die genug haben von "schrägen Typen" im Kino (und die auch mittlerweile keine Lust mehr haben auf "schräges Kino aus Skandinavien" etwa). Nun hat man es hier mit einem Kurzfilm zu tun (29 min) und Nölle weiß seinen Film gut mit Plotpoints zu füllen - denn blasse Gefühligkeit kann man ihm sicher nicht vorwerfen. Macht der Mann mal einen Spielfilm, dann kann das sicher etwas werden - das sieht man. Die Gefahr allerdings dürfte diejenige sein, einen weiteren achso "schrägen", dabei liebenswerten Sonntagnachmittags-Keksknabberfilm zu sehen, der einem mit dicken Strümpfen und Fleecedecke bewaffnet, nicht anders als gefallen kann. Und allen anderen auch, die auf "schrägen" Arthouse stehen.

Der Film gewann auch Preise, nämlich: Gewinner des "Schweizer Wettbewerb" beim Filmfestival Locarno 2007 und Gewinner "Hauptpreis des Internationalen Wettbewerbs" bei den Kurzfilmtagen Winterthur 2007. Momentan kann man ihn online bei Mubi sehen, bei deren Kooperation mit dem LIBERTAS Film Festival in Dubrovnik.