Donnerstag, 19. Mai 2011

Benny's Video (Michael Haneke, Österreich/Schweiz 1992)


Mit einem schier unerträglichen Beginn schockiert die Eröffnungsszene von BENNY'S VIDEO den Zuschauer: dass man hier sich bereits im Film eines Filmes befindet, ist aber diesmal klar markiert (anders als in CACHÉ (wohl wegen der mittlerweile besseren technischen Möglichkeiten)). Der unter seiner emotionskalten Erziehung leidende Benny vergnügt sich also mit seinem selbstgedrehten, immer wieder zurückgespulten und in Zeitlupe abgespielten Bolzenschußtötungsfilm eines Schweins auf dem großväterlichen Bauernhof. Haneke kann es natürlich nicht lassen und fügt also ordentlich Medienkritik bei, die aber seltsam unpräzis daherkommt: viel Videotheken-B-Movies, das Rauschen der Nachrichten mitsamt seiner Kriege und Katastrophen aus aller Welt, und natürlich: laut aufgedrehter Stromgitarrenmusik zu den Hausaufgaben. Das kann die Seele natürlich nur zerrütten, und alsbald wird eigentlich so aus Langeweile und mit viel Schulterzucken dann die Katastrophe heraufbeschworen.

Interessant am Film sind natürlich die Reaktionen der Eltern, wobei hier besonders die Darbietung von Ulrich Mühe hervorzuheben ist; Angela Winkler spielt wieder die stille und zerbrechliche Gattin. Der Film wird von Hanekes bekanntem ultrakalten, emotionslosen und funktionellen Regiestil dominiert. Mit statischen Einstellungen, gesucht unkünstlerischen Bildern und dezidiert extradiegetischer Musikvermeidung. Das alles nervt, auch wenn der Film seine Meriten haben mag. Ganz nett ist auch das Finale, in dem der ansonsten so distanzierte Benny "halt so" dann die ganze Sache der Vätergeneration vor die Füße kippt.