Freitag, 8. Juli 2011

Volker Bradke (Gerhard Richter, Deutschland 1966)


Das Prinzip der Unschärfe bestimmt - wie Richters ganzes Schaffen - auch seinen einzigen Film, der im Zusammenhang einer Ausstellung in Düsseldorf als Teil dieses Konzepts entstand. Portraitiert (und damit auf die Tradition der Portraitmalerei anspielend) wird ein Mensch namens Volker Bradke, eine Szenegestalt / (Kunst-)Figur, die durch die Ausstellung eine Heroisierung erfährt und ihren Status erhält, aufgeladen wird. Zugleich wird diese mediale Praxis gesellschaftskritisch hinterfragt, indem die Figur eben beinah die ganze Spielzeit über unscharf und verschwommen bleibt. Das Bild, das man von Bradke bekommt, ist also ein lediglich behauptetes, vorgegebenes. Richter stellt somit die Frage, ob das (Film-)Bild überhaupt etwas Inhaltliches abbildet, oder lediglich eine ästhetische Oberfläche ist. Und verweist so auf die Rezeption, die stets einen Sinnzusammenhang herzustellen sucht. Ein Mythos wird generiert, ein Held, ein Star wird von oben (aus dem Kunstetrieb mitsamt seiner Autorität) diktiert. Eine völlig unbekannte Person wird dank der medialen Macht zum Zentrum des Interesses erklärt (vor dem Museum die Flaggen mit den großen Buchstaben von Bradkes Namen darauf, etwa). Vergleiche zum heutigen Starsystem, sei es im Film oder im Superstar-TV dürfen gezogen werden. Richters Film, so kurz er ist, ist übrigens recht lustig. Abgesehen davon, dass man sich selbst dabei ertappt, immerzu herausfinden zu möchten, was man da sieht, und vor allem: wen, macht Spaß. Denn Bradke macht vor allem eines: Faxen.