Mittwoch, 10. August 2011

Blue Valentine (Derek Cianfrance, USA 2010)


Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams) haben sich irgendwie auseinandergelebt. Das kleine Glück hat es für sie, so scheint's, nicht gegeben: das Haus ist eine Bruchbude, die Tochter wird langsam älter, das Auto ist eine Klapperkiste. Cindy arbeitet und unterhält die Familie, Dean, der sich immer irgendwie über Wasser hielt, jobbt gelegentlich als Anstreicher. Er hat trashige Tattoos und mag seine Schwiegereltern nicht. Dabei hatte alles so toll und romatisch angefangen, das erste Kennenlernen, das Verlieben, die Euphorie. Davon ist 5 Jahre später nichts mehr übrig.

Cianfrance wechselt die Erzählebenen, schneidet von heute auf damals, kontrastiert stark. Dazu atmosphärischer Gitarren-Noise-Pop und Nahaufnahmen mit der Handkamera bis zum Exzess. So weit, so Independent. Schade nur, dass hier sonst nichts mehr passiert, dass eigentlich gar nichts erklärt wird. Obwohl die beiden Darsteller großartig sind, überträgt sich doch kaum Emotionales auf den Zuschauer - auch wenn man aus eigener Erfahrung versteht, was da geschieht. Den Horror kennt (eine Erklärung für das "warum" bleibt der Film schuldig). Dieser kulminiert hier in der schrecklichen Szene im Science-Fiction-Zimmer des Themen-Hotels, in dem Dean nochmal einen neuen Anfang mit seiner Frau sucht. Dass er dabei permanent übergriffig ist, bemerkt er nicht einmal, wohl nicht einmal in der bösen Sex-Szene. Ein wunderbarer Abspann schließt dann ein Drama, das zwar irgendwie Independent-Film ist, in dem aber keine Auflehnung gleichwelcher Art stattfindet, und das formal schon gar nichts Neues zu bieten hat.