Dienstag, 30. August 2011

Dreileben - Etwas Besseres als der Tod (Christian Petzold, Deutschland 2011)


Ein spannendes Experiment: drei der namhaftesten deutschen Regisseure in ein thüringisches Kaff zu schicken, und sie dort mit einer groben Themenvorgabe drei ganz individuelle Filme drehen zu lassen. Und es ist beinah ein Ereignis, wenn diese alle nacheinander zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden - nachdem Grafs IM ANGESICHT DES VERBRECHENS noch ins Spätprogramm abgedrängt worden war. Was ist denn hier plötzlich passiert? Das Ziel des Projekts ist offensichtlich: drei Filme, mit dem selben thematischen Kern, sollen korrespondieren, sich gegenseitig befruchten, ein Vexierspiel der Perspektiven abliefern, die auch durch das Setting und die unterschiedliche Handschrift der Regisseure in einen Dialog tritt. Hochhäusler nennt sie auch "Geschwisterfilme".

In Christian Petzolds Spielfilm ETWAS BESSERES ALS DER TOD dreht sich alles um eine Liebesgeschichte zwischen zwei sehr verschiedenen Menschen - einem deutschen Krankenpflegerpraktikanten und einer Bosnierin, die in einem Hotel als Zimmermädchen jobbt. Hinter dieser Haupthandlung spielt sich das Drama um einen entflohenen Sexualstraftäter und Mörder ab, der sich in den Wäldern um Dreileben (so der Ortsname) versteckt halten soll. Petzold liefert einen dezidiert auf Autorenkino getrimmten Film ab, der nach seinen politischen Filmen ähnlich wie in JERICHOW oder in YELLA besonders auch davon erzählt, wie Menschen nicht zueinanderfinden. Denn schon nach kurzer Zeit zeigt sich bereits, dass die beiden Protagonisten nicht recht zueinander passen - am offensichtlichsten durch ihre Herkunft geprägt, denn der Zivi Johannes ist eigentlich ein junger Mann aus sehr wohlhabendem Hause, der zudem ein Stipendium in Los Angeles in Aussicht hat. Anas Lebensnahziele sehen da als ehemaliger Kriegsflüchtling erstmal ganz anders aus. Und das, obwohl hier alles so sehnsuchtsvoll und zärtlich begann. Lange Einstellungen, Stille, ruhige Kamerafahrten und eine Montage, die sich Zeit lässt, bestimmen den Film. Da muten die Szenen mit dem Straftäter an, der dann Ana beginnt zu verfolgen, wie überfallartige, unwirkliche Psychologisierungen ihrer Ängste, den Geliebten zu verlieren. Die Gefahr lauert nicht nur jenseits des Bildrahmens - sondern vor allem in einem selbst.