Freitag, 26. August 2011

Red State (Kevin Smith, USA 2011)


Drei Teenager wollen endlich mal ordentlich poppen, und einer ist so schlau, es mit einem online-Dating-Service auszuprobieren. Da man am Arsch der Welt wohnt, reduziert sich die Auswahl auf genau eine Anzeige - aber egal, das reicht ja auch. Als man schließlich nach einer Irrfahrt am Trailer der Dame anlangt, ist die Enttäuschung zunächst groß. Keineswegs werden sie von einer blonden Bumsnudel erwartet, sondern von einer reifen Frau, die offenkundig keinen Bock auf ihren Job hat, und alles recht nüchtern angeht. Als sie nach einem Bier gefesselt und geknebelt in einem Käfig im Keller einer Kirche voller Bibelfundamentalisten erwachen, ist verständlicherweise die Panik groß.

RED STATE ist ein Independent-Terror-Film des CLERKS-Regisseur, der mit recht großem Cast punkten kann: Michael Parks, John Goodman, Melissa Leo. Sonst allerdings mit ziemlich wenig: denn der Plot ist infantil einfach, eine beinah pubertäre Phantasie möchte man sagen. Wirklich ärgerlich ist aber der ungehobelte Zynismus, den der Film mit breiter Brust ausstellt. Man nehme ein heikles, gerne auch: gesellschaftskritisches Thema, drehe ordentlich an der Satire/Zynismus-Schraube, und heraus kommt ein Film, der sich unter seinem behaupteten formalen Trick anscheinend alles erlauben kann. Vorf allem bedeutet dies: die ungehemmte Ausstellung krasser Gewalt. Dass im Film keine Liebe steckt, sieht man schon daran, mit welcher Rücksichtslosigkeit er seine Figuren opfert. Insbesondere das Ausreisserrpärchen wird kurzerhand exekutiert - aber auch hier kann der Chefinterpret klug daheranalysieren: so ist das in diesem korrupten System, seht her, welch Schweine die Autoritäten!

Die USA wird in RED STATE als ein Land jenseits der Zivilgesellschaft gezeigt, und für eineinhalb Stunden darf sich jeder Kinogänger nicht nur gut unterhalten, sondern moralisch sehr im Recht fühlen. Aus der Erhabenheit heraus lässt sich gut lachen! - nun darf auf den Kommentar gewartet werden, der da sagt: ach komm, der Film will doch nur unterhalten...