Freitag, 23. September 2011

The Clay Pigeon (Richard Fleischer, USA 1949)


Als der ehemalige Kriegsgefangene Jim Fletcher (Bill Williams) in einem Marine-Krankenhaus aus dem Koma erwacht, wird er von einem erblindeten Soldaten gewürgt: er habe sie alle verraten und sei zudem ein Mörder. Jim ist sich jedoch keiner Schuld bewußt, kann sich aber auch an nichts erinnern. Heimlich schleicht er sich davon, um die Sache aufzuklären...

Nicht immer gerade plausibel ist der Plot dieses Films - so etwa hält es Jim für angebracht, zualler erst bei Martha (Barbara Hale), der Witwe des Ermordeten, der einer seiner besten Freunde war, vorbeizugehen. Diese denkt freilich, der Mörder stünde vor ihr. Doch Jims lauteres Wesen überzeugt sie recht schnell - da muss eine Verschwörung dahinterstecken. Und so kann sich alsbald in der fürsorglichen Frau, die für männliche Wesen vor allem gerne Schnittchen zubereitet, eine zarte Liebe entfalten. Eine Frage der Zeit ist es, bis die beiden ein Paar werden sollen. So machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Los Angeles, wo sie Hilfe von einem weiteren Kriegsveteranen erhoffen - ohne zu ahnen, dass sie sich nun direkt in die Höhle des Löwen begeben.

THE CLAY PIGEON ist ein niedrig budgetiertes und auf's Wesentliche reduziertes B-Movie mit Film Noir-Anleihen, der in seinen knappen 60 Minuten in gerader Linie auf seine Auflösung zuschreitet. Da überrascht es wenig, dass er wenig überrascht. Umso verwunderter ist zu konstatieren, wie elegant er sein Tempo zu halten vermag und den Zuschauer, trotz des offensichtlich primitiven Plots, trotz des nicht gerade sympathischen Heldens (Bill Williams ist ein ziemlich einfach gestrickter Mensch), bei der Stange hält. Dies liegt sicher nicht nur am mit Könnerschaft gestrickten Spannungsbogen und den Verfolgungsjagden, sondern der Film gewinnt seinen Reiz auch durch die ungekünstelte, "rauhe" Optik, die die Settings naturalistisch abbildet.

Richard Fleischers Filme sind mir wenig bekannt - und das, obwohl mir THE BOSTON STRANGLER (1968) mit Tony Curtis und Henry Fonda sehr gut gefallen hatte. Bis auf ein paar wenige größere Produktionen gibt es also in dem doch recht umfangreichen Oeuvre des sympathischen Regisseurs einiges nachzuholen. Und rein thematisch ist es eher das Frühwerk, seine low-budget-Produktionen, die mich ansprechen. Es bleibt noch Oliver zu danken, der in seinem wunderbaren Blog Remember it for later momentan Fleischers komplette Filmographie durchgeht und mit einer bewundernswerten Ausdauer davon berichtet. Als Einstieg möchte ich noch auf seinen Text zu Fleischers Biographie und Regieverständnis hinweisen, der einem den Einstieg erleichtert und wie mir eben einfach Lust macht, sich mit diesem Regisseur ein wenig mehr zu beschäftigen.