Mittwoch, 2. November 2011

Deep Red / Profondo Rosso / Rosso - Farbe des Todes (Dario Argento, Italien 1975)


Pianist Marcus Daly (David BLOW-UP Hemmings) nimmt es selbst in die Hand - die Polizei ist zu unfähig - den grausamen Mord an seiner Nachbarin Helga Ulmann (Macha Meril) aufzuklären. Ein Mann im schwarzen Regenmantel, mit Hut und schwarzen Handschuhen hat die Telepathin, die kurz zuvor auf einem "Übersinnlichen-Kongreß" in einer barocken Oper Roms als Medium fungierte, erstochen und mit dem Kopf durch die Fensterscheibe gestoßen. Der stets betrunkene Klavierspieler Carlo (Gabriele Lavia), der in einer Bar gegenüber (Edward Hopper, Nighthawks) für seinen Suff auf den Tasten herumklimpert ist zu betrunken, den Davonrennenden aufzuhalten. Mit Hilfe der Reporterin Gianna Brezzi (Daria Nicolodi) macht sich Daly also auf, die Identität des Killers zu lüften.

Dario Argentos nicht unumstrittener früher Giallo punktet mit seiner überzeugenden Farbdramaturgie, mit drastisch brutalen Gewaltdarstellungen und einer Atmosphäre der Verunsicherung, die sich aus einem permanent bedrohlichen Szenarium der körperlichen Bedrohung speist. Auch verschiedene dichotomische Aspekte wie Realität vs. Wahn und Übersinnliches, Kunst vs. Leben, Bild vs. Abbild usw. werden angeschnitten, wobei es dem Film gelingt, durch ständig gelegte Fährten (Leichen, Häuser, Kinderlieder,...) und Finten (geheime Zimmer, Gänge und Flure, Spiegel, Musik) den Zustand des Zuschauers vollständig zu zerrütten. Die artistische Photographie, die ungewöhnlichen Kamerawinkel, die Farbarrangements tragen hier nicht wenig bei. Dass der Plot mehrfach aus der Linie wandert, dass unfassbar humorvolle Szenen den Film bereichern, etwa in den Autoszenen, mag vielen ein Dorn im Auge sein. Allein, den Fans des Giallos dürfte das wenig stören, erfreut dieser sich doch an der künstlerischen Kreativität des Regisseurs, die hier exzessiv zum Ausdruck kommt, und die sich selbstbewußt ins Recht setzt Grenzen zu sprengen, über Konventionen (eben auch narrative) hinwegzugehen und sich vor allem auf der Bildebene so richtig auszutoben. Übersehen sollte man dabei aber die starken Frauenrollen nicht.

Wenn also das Lexikon des Internationalen Films zum Schluß kommt, die kreativen Aspekte könnten nicht die "substanzielle Inhaltslosigkeit des Films" überdecken, so ist dieses filmhochschulische Argument aus dem 19. Jahrhundert sicherlich bedenkenswert, für meinen Filmgenuß aber nicht weiter relevant. PROFONDO ROSSO hat sehr viel zu bieten - die Chance dies zu entdecken sollte man sich nicht nehmen lassen.