Donnerstag, 10. November 2011

La Polizia chiede aiuto / Der Tod trägt schwarzes Leder (Massimo Dallamano, Italien 1974)


Als ein 15jähriges Mädchen auf einem Dachboden mit einer Schlinge um den Hals nackt vom Balken baumelt, da ruft das die Kommissare Valentini (Mario Adorf) und seinen Kollegen Silvestri (Claudio Cassinelli) von der Mordkommission auf den Plan. Skandalöserweise stellt sich sogar heraus, dass das Mädchen nicht nur exzessiven Geschlechtsverkehr hatte, sondern bereits seit zwei Monaten schwanger war. Dies führt die Kommissare auf die Spur eines Teenagerprostituiertenrings, den sie mit Hilfe der engagierten Staatsanwältin Vittoria Stori (Giovanna Ralli) hochzunehmen hoffen. Doch bald schon bekommen sie es mit einem in Leder gekleideten Killer zu tun, der mit einem ordentlichen Metzgermesser die Leute abschlachtet. Und eines abends lauert er der Staatsanwältin in der Tiefgarage auf...

Das hört sich zunächst nach einer äußerst launigen Mixtur aus Giallo, Thriller, Polizeifilm und vor allem: sleaziger Exploitation an, doch Dallamano macht stilistisch von Anfang an klar, worum es ihm geht: an einem sich an "Tatsachen" orientierenden, realistischen Spielfilmthriller. Dazu nutzt er eine Einführung durch eine Voice-Over-Stimme, die auf die "schreckichen Ereignisse", welche der Film darstellen wird, verweist:

 "Tagtäglich ereignen sich überall schreckliche Dinge, für die es anscheinend keine Erklärung gibt. Geht man ihnen allerdings gewissenhaft auf den Grund, so kommen oft Ursachen ans Licht und Zusammenhänge, die jedermann Anlass zu größter Sorge geben müssen."

 So verwundert es auch nicht, dass der Film durchweg einen sehr ernsten Ton anschlägt, seine Bilder des blutigen Gemetzels etwa tatsächlich auf den Magen schlagen. Und die Szene, in der Valntini erfährt, dass auch seine Tochter in die Sache verwickelt ist, ist ein wilder Aufschrei der Verzweiflung, in der Adorf alle Register seines Könnens zieht und tatsächlich zusammenzubrechen scheint.


Gleichwohl finden sich einige Kleinigkeiten, über die sich schmunzeln lassen: etwa das stets gut sichtbar hochgehaltene Metzgerbeil des Killers, oder die Kofferraumszene, in der Silvestri die nächste Leiche entdeckt. Doch dies sind kurze Momente, eingefärbt auch durch die Jahrzehnte vergangener Filmgeschichte. Man hat es hier mit einem ernsten Film zu tun, rasanten Verfolgungsjagden und blutigen Bildern. Auch die öfters angedeutete Annäherung zwischen Silvestri und Stori findet keine Erfüllung - in diesem Film ist für einen Liebes-Subplot kein Platz.

Mit DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER ist Massimo Dallamano ein ultraspannender Polizei-Thriller gelungen, der dem Filmfan - auch Dank der mitreissenden Musik Stelvio Ciprianis - unvergesslich bleiben wird. Hier kann man sich La polizia sta a guardare anhören.

Michael Schleeh

***