Samstag, 5. November 2011

Lizard in a Woman's Skin / Una Lucertola con la Pelle di Donna (Lucio Fulci, Spanien/Italien/Frankreich 1971)


London, in den schwingenden Sechzigern: die gut situierte Carol Hammond (Florinda Bolkan) leidet unter erotischen Alpträumen, in denen vor allem ihre freizügig lebende Nachbarin Julia (Anita Strindberg) eine Hauptrolle spielt: Drogenkonsum, freie Liebe, laute Musik, lesbische Erfahrungen. Eines Nachts träumt sie von einem Mord an Julia, und schockierender Weise wird diese tatsächlich am nächsten Tag in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Auf dem Bett ein Schal von Carol! Von hier an verschmelzen Traum und Wahn, Alptraum und Realität, bis Carol selbst immer stärker ins Zentrum der polizeilichen Ermittlungen gerät.


Dieser frühe Giallo Fulcis zieht nur einen geringen Anteil seiner Spannung aus dem Murder/Mystery-Plot. Vielmehr sind es die permanent delirierenden Traumsequenzen, die durch ihre grandiose Bildgestaltung zu begeistern wissen. Denn wenn man genauer hinschaut, so ist der Plot nur ein Vehikel, um schöne Frauen verruchte Dinge tun zu lassen, und mit ein paar derben Schockmomenten aufzuwarten. Dies ist aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Zu einiger Berühmtheit hat es dabei die "Hundeszene" gebracht, in der Carol ein Labor betritt und dort mehrere auf der Bauchseite aufgeschnittene Hunde vorfindet, die in Apperaturen eingespannt sind. Das Herz und die Innereien liegen frei und pulsieren. Diese Szene wirkt auch heute noch, trotz besserer Abspieltechnik, enorm echt - schrottiges VHS kann ja auch mal dankenswerterweise über schlechte Effekte hinwegtäuschen. Hier sind diese Segnungen nicht vonnöten.

Meiner Empfindung nach bricht der Film in der zweiten Hälfte etwas ein, das Whodunit führt auf seinem Weg der Auflösung einige Schlenker mit sich, denen man nicht unbedingt bereitwillig folgt. Hervorzuheben ist aber sicherlich die Szene in der Kathedrale (das sieht fast schon aus wie bei Antonioni), wenn Carol vom Killer verfolgt, und auf dem Dach derselben eingeholt wird. Wunderbar kontrastiert ihr blutrot sich färbender Oberarm mit den graubraunen Erdfarben des Bauwerks, der von einer tiefen Messerwunde verletzt wurde. Ennio Morricones Score gibt dabei dem Film den richtigen Schwung: eine Filmmusik, die sich deutlich hörbar an der britischen Szenemusik orientiert. LIZARD IN A WOMAN'S SKIN ist, auch deutlich in der umständlich verlaberten Auflösung am Ende, kein Film für Handlungsfanatiker. Wer aber sich an surrealen Traumsequenzen und Pulp und Exploitation erfreuen kann, für den dürfte dieses Exponat zur vollsten cineastischen Befriedigung führen.