Sonntag, 20. November 2011

L'Orribile segreto del Dr. Hichcock / Raptus / The Terror of Dr. Hichcock (Riccardo Freda, Italien 1962)


Der erfolgreiche Londoner Arzt Dr. Bernard Hichcock (Robert Flemyng) hat ein verteufelt gutes Anästhetikum entwickelt, das eine rapide Verlangsamung des Herzschlags bewirkt. Bei chirurgischen Eingriffen kann er so noch erfolgreicher operieren. Als aber eines Nachts das Mittel zweckentfremdet beim Liebesspiel mit seiner Gattin deren Tod hervorruft, ist der Schock so groß - und das Risiko zu hoch - das Gebräu weiter zu verwenden. Er verlässt das Land und kehrt erst 12 Jahre später wieder zurück in die alte Klinik, auf sein Anwesen. Nun allerdings hat er die hübsche Italienerin Cynthia geehelicht (Barbara Steele), die von alldem nichts ahnt. Doch geisterhafte Erscheinungen und eine gruslige Haushälterin, sowie eine Geisteskranke, die irgendwo im Schloss untergebrachtg ist, rauben ihr den Schlaf...





Der Film Fredas atmet den barocken Gothic Horror zu jeder Sekunde. Doch wäre das schwer verkürzt: eigentlich wird hier alles zusammengematscht, was sich im cineastischen Giftschrank finden lässt: Viktorianismus, Hammer-Studio-Ästhetik, Mad Scientist, Jane Eyre, und vor allem das große Geheimnis, das den Film zum Opfer der Zensur machte: Nekrophilie. Denn freilich ist jenes ominöse Liebesspiel, das der Herr Doktor bevorzugt, eines mit Leichen - und das seine erste Frau Margareth mit großer Leidenschaft unterstützte. Entsprechend groß ist Bernards emotionales Dilemma. Und kein Wunder muss die arme Cynthia immer alleine schlafen in ihrem riesigen Bette (Mannomann!), während sich der Gatte im Kühlhaus vergnügt.




Eine ganze zeitlang bleibt natürlich offen, was auf dem Schloss eigentlich tatsächlich passiert. Und die Verunsicherung Cynthias wird nicht gerade dadurch weniger, dass ihr autoritäre Männer bevormundend eine angeknackste Psyche unterstellen. Freda verbeugt sich in diesem Meilenstein des italian gothic horror in vielen Zitaten und Anspielungen mehrfach vor dem Werk Alfred Hitchcocks, was die Namensgebung des Protagonisten bereits offensichtlich macht. Der Film ist ein atmosphärisches Bravourstück und ein Alptraum zugleich, er ist vorzüglich photographiert und entlässt den delirierenden Zuschauer bis zum Schluss nicht aus seinen Ungewissheiten. Auch weil nicht alle Handlungsfäden zuende erzählt werden und der Film einiges offen lässt, wirkt er lange nach. Ein hypnotisierendes Ereignis!