Freitag, 11. November 2011

Love Life - Liebe trifft Leben (Reinout Oerlemans, Niederlande 2009)


Ein Paar findet sich, heiratet, baut ein Haus, bekommt Kinder. So weit, so gewöhnlich. Doch Stijn, aus dessen Perspektive der Film erzählt wird, geht manisch fremd. Irgendwann akzeptiert Carmen (Carice van Houten) das: "Manche bohren in der Nase, manche gehen eben fremd!" - so der Off-Kommentar. So weit, so dämlich. Nun aber kommt das eigentliche Drama in den Film: Carmen erhält eine Brustkrebsdiagnose. Arztbesuche, Chemotherapie, Amputation. Der Krebs ist weit fortgeschritten, Carmen gibt sich kämpferisch stark, Stijn vögelt sich die Welt schön. Er kann nicht mehr anders, es ist seine Betäubung ("Bei Rose bekam ich genau das, was ich jetzt brauchte - sie wurde zu meiner Ersatzkönigin!" - mit markigen Worten gesprochen). Der Film leistet sich dann Gegenschnitte aus der Bestrahlungsröhre in die Edeldisco, wo Stijn einer Blondine an den Popo fasst. Und so weiter und immer schrecklicher. Oder von der amputierten Brust auf die der Blondine, die Stijn gerade exstatisch knetet. Oder vom Catwalk in der Disco auf den Flur in der Klinik. Und tatsächlich ist dieser Hochglanz-Möchtegern-Blockbuster ein schrecklicher Film - aber nicht wegen des Themas, sondern weil er ganz unerträglich inszeniert ist. Er entblödet sich zum Beispiel auch nicht, ein harmonisches Stelldichein in einem Kornfeld zu inszenieren, wo am Firmament die Sonne untergeht. Oder dem Helden, der übrigens völlig unsympathisch ist, eine Fliegerbrille mit Goldrand aufzusetzen, unter der hervor er wie Boris Becker in unseren schlimmsten Alpträumen lacht. Schade, dass dieser Film, der gegen Ende immer hemmungsloser sein Herz-Schmerz-Potential ausnutzt, mit diesem Thema so fahrlässig umgeht. Und das ist vermutlich der eigentliche Skandal an LOVE LIFE: wie hemmungslos der Film sein Sujet auszuschlachten bereit ist. Da kann leider auch die respektable schauspielerische Leistung von Carice van Houten nichts mehr retten. Ärgerlich.