Dienstag, 1. November 2011

A Quiet Place to Kill aka Paranoia (Umberto Lenzi, Italien/Spanien/Frankreich 1970)

Die Rennfahrerin Helen (Carroll Baker) verliert die Kontrolle über ihren Wagen und kann gerade noch aus dem brennenden Wrack gerettet werden. Da sie nun nix als Schulden hat, kommt die Einladung ihres Ex-Mannes gerade recht, ihn doch mal in seiner Villa auf Mallorca zu besuchen. Maurice Sauvage (!) (Jean Sorel) ist ein Frauenvernichter wie er im Buche steht: Föhnwelle, Strahlegrinsen, Body. Doch eigentlich kam die Einladung von Maurices neuer Gattin Constance, die dank ihres dicken Portemonnaies auf die Mithilfe Helens hofft, den Lüstling ins Jenseits zu befördern. Doch im entscheidenden Moment zögert Helen, da sie immer noch Gefühle für den sonnengebräunten Beau hegt. Constance darf sich nun von ihrem Vermögen trennen und sich aus dem Leben verabschieden. Dummerweise taucht aber plötzlich deren Tochter auf, die an einen Unfall nicht glauben will.

Dieser Giallo Umberto Lenzis ist ein fulminanter Thriller, dem in den 90 Minuten niemals die Luft ausgeht. Hier gibt es einen hakenschlagenden Plot, rasante Verfolgungsjagden, Unmengen leichtbekleideter Frauen, Softpornoszenen, Duschszenen, Messerstechszenen, tolle Landschaften und einsame Buchten, Gigolos, Villen mit Pools, Drinks mit Eis, Mord und Totschlag. Freilich gibt es auch noch den überraschenden Mitschnitt der Mordtat eines Super 8-Filmers, der den Plan der Bösewichter kräftig ins Schwanken bringt. Ein befreiender Film, in dem alle Figuren klare Motivationen und jeder ein Ziel vor Augen hat - und der sehr deutlich zu machen versteht, dass ein jeder, der bedingungslos etwas erreichen möchte, jedes Mittel dazu einsetzt. Sollte man gar nicht denken in all der Mittelmeerprächtigkeit. Marina Coffa, die die resolute und zugleich betörende Tochter gibt, hat übrigens bedauernswerterweise nicht gerade in besonders vielen Filmen mitgespielt. Allerdings machte sie dann eine große Karriere als Darstellerin in Fotoromanen, den sogenannten "Fotoromanzi". Anfang des Jahres 2011 ist sie leider von uns gegangen. Amen.

Fazit: A QUIET PLACE TO KILL ist, das sei noch erwähnt, im Zusammenspiel mit einer hervorragenden Filmmusik von Piero Umiliani, ein berauschendes Filmerlebnis, das einem durchaus einige Superlative der Begeisterung zu entlocken vermag. Denn hier gibt es auch neongrüne Bademäntel, selbstverständlich. Klasse!

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