Mittwoch, 14. Dezember 2011

Jungfrau unter Kannibalen / Sexo Caníbal (Jess Franco, Spanien/D/Fr 1980)


Die Schauspielerin Laura Crawford (Ursula Buchfellner) wird das Opfer einer Entführung: ihre eigene Managerin ist nämlich die Urheberin, um vom Produzenten des Films, in dem die Crawford reüssieren soll, eine größere Geldsumme zu erpressen. Mit Hilfe einiger Ganoven (einer hat einen Schlapphut) wird die Blondine auf eine tropische Insel verfrachtet, nur um dann festzustellen, dass man sich ausgerechnet eine solche ausgesucht hat, auf der ein Eingeborenenstamm einem Kannibalengott gut aussehende Frauen opfert. Dieser erscheint immer wieder für kurze Momente am Dschungelhorizont, rollt mit seinen blutunterlaufenden Basedow-Augen und schwingt seinen mächtigen Penis, wenn wieder eine Dame an einen Baum gekettet wird. Zur Rettung Lauras allerdings kommen ein Hubschrauberpilot angeflogen, sowie eine Pornokante mit blondem Schäuzer (Vietnamveteran Peter Weston (Al Cliver)). Es gibt dann Action.


Ich hätte ja gerne einen erlesenen und außergewöhnlichen Filmgeschmack, aber hier muss ich mich dann doch der Masse beugen. SEXO CANIBAL gehört zum Schlechtesten, was ich bisher in meinem nicht mehr ganz jungen Leben sehen durfte. Obwohl der Plot alle Möglichkeiten für einen reisserischen Exploitation- und Abenteuerfilm böte, ist er so dermaßen uninspiriert heruntergekurbelt und vor allem: zusammenmontiert worden, dass man den Glauben verliert. Auch die schon hilflos zu nennende Kamerarbeit, die sich in ihrem Stumpfsinn vor allem in ihrem prinzipiell voyeuristischen Blick und bei den Sexszenen offenbart, ist der eigentliche Skandal. Jede Form der Bildgestaltung geht diesem Machwerk ab.

Besonders eindrucksvoll ist die Montage der parallelen Erzählstränge zu Beginn: hier wird einfach minutenlang zwischen Dschungel und Croisette hin und hergeschnitten, obwohl in beiden Sequenzen eigentlich überhaupt nichts passiert. So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen. Würde der Film seinen überschäumenden Plot in 60 Minuten zu bändigen wissen, wäre das alles vielleicht auch noch halbwegs zu verzeihen - bei einer Laufzeit von 100 min ist aber selbst der gutwilligste Gutfindenwoller an seine Grenzen geführt. Was ja durchaus auch eine gewisse Rekordleistung darstellt.