Sonntag, 22. Januar 2012

Amuck! / Alla ricerca del piacere (Silvio Amadio, Italien 1972)


Die "explosion of sexual frenzy" beschränkt sich zwar auf einige wenige Szenen, doch die haben es durchaus in sich. Nicht dass man hier besonders viel an pornösen Delikatessen zu sehen bekäme, nein, es ist, etwa bei der ersten, bekanntesten Szene des Films, die durchaus außerweltlich delirante Kamera im Verbund mit einem Soundtrack der Siebziger, die hier in Zeitlupenästhetik zwei wunderschöne Frauen beim gegenseitigen Verlustieren abbildet. Schweifend in zärtlicher Nahaufnahme, beinah transzendent, das herabfallende Wasserglas, um dann wieder auf den Körper zu schneiden in Detail- und Großaufnahme, sodaß nur noch Haut zu sehen ist, Münder, und der Sex in traumartigem Rausch aufgelöst wird.

Es sind Barbara Bouchet und Rosalba Neri, die in diesem Film in einer venezianischen Villa auf die samtrote Couch geführt werden - und dies in einem Film, der mehr Softsex denn Giallo ist. Obwohl es um einen Mord geht: den Mord an Sally, der Sekretärin von Schriftsteller und Kunstsammler Richard Stuart (Farley Granger). Greta Franklin (Barbara Bouchet) reist also nach Venedig, um deren Platz einzunehemn. Was Richard nicht weiß: Sally war die ehemalige Geliebte Gretas, und diese ist nun gewillt, den mysteriösen Mordfall aufzuklären. Doch neben ihrer Tätigkeit als Sekretärin darf sie an obskuren Partys teilnehmen, auf denen sie mit Hilfe von Drogen gefügig gemacht wird. Denn in Italien, und das weiß eigentlich jedes Kind, wird hemmungslos der freien Liebe gefrönt. Wo ist Greta da nur hineingeraten!

AMUCK! ist, wie oben erwähnt, eher ein Sexploitationfilm, als stilvoller Giallo. Wunderbar auch die Szene, in der auf einer Sexparty ein Super 8-Film gezeigt wird von einem Rotkäppchen, das, alleine im Wald, von einem mental Zurückgebliebenen überfallen und vergewaltigt wird. Die Anwesenden finden die Szenen anscheinend so lustig ("This is cinema vérité!"), dass sie in ausufernd schallendes Gelächter ausbrechen - nur um dann darauf, entsprechend sexualisiert, selbst Hand anzulegen. Nun ja, es folgt noch eine feine Leichenentsorgungsszene, eine brisante Entenjagd in lebensbedrohlichem Sumpfgelände, und ganz am Ende endlich: etwas verspritztes Blut.

Gesehen habe ich den Film von einem völlig schrottigen VHS-Tape, das dringend ausgewechselt werden sollte. Das war zwar stilecht, aber gegen ein schärferes und ein wenig klareres Bild hätte ich nichts gehabt.