Samstag, 28. Januar 2012

Kommissar Süden und der Luftgitarrist (Dominik Graf, D 2008)


Auch wenn man öfters lesen kann, im LUFTGITARRIST gäbe es keine einheitliche Handlung und Schauplatz sei eher ein melancholisches München, dann ist das sicher in der Tendenz richtig, als Zuspitzung, dennoch gibt es freilich einen Plot, der zu einem logischen Ende geführt wird. Und der Film wird, man ahnt es gegen Ende, wenn immer noch mal eine Wallung zur Klärung der Verhältnisse angestrengt werden muss, sogar mit einem klassischen Rahmen geschlossen: die erste Szene des Films ist auch seine letzte.


Die melancholische Großstadt ist allerdings tatsächlich ein atmosphärischer Faktor in diesem an abstrusen Locations nicht armen Film: öde Parks, Stadtautobahnen, Gelsenkirchener Barock, stotternde Figuren im Zwielicht, Dialektsprecher unter den Funzeln lokaler Hänger-Gastronomie. Dazu eine herausfordernde, bisweilen sleazige Kamera tut das ihrige. Anderswo schrieb ich:

"Knaller. Dreckige Bilder (nah dran bis zum Delirium), Zeitlupen, Ellipsen, Dialekt bis zum Anschlag, Handkamera, Lichtspielereien, Absturz-Kneipen vom underbelly of Munich. Und dazu noch ein guter, querschießender Plot und völlig überzeugende Darsteller."


Der Film ist zweifelsfrei ein Polizeifilm, ein Film des Genres (und auch ein TV-Film, einer seines Formats). In seinem Genre etabliert er sich zunächst, jedoch nur um seine Grenzen zu sprengen und dessen Gesetze zu übertreten. Die ulkigen, hässlichen Mützen der Ermittler sind dafür ein unübersehbares, selbstironisches Indiz. Dass der Film mit seinem Nebeneinander zweier Handlungsstränge zunächst verwirrt, passt zu seinem Konzept. Doch in seinem Brennpunkt, in dem die beiden Plots kollidieren, da entstehen die schönsten Funken für diesen Traum eines Films.