Mittwoch, 18. Januar 2012

Quarantine 2: Terminal (John Pogue, USA 2011)


Mit dem Satellitenbild des Bordcomputers ist der Moment erreicht, an dem in diesem Film das Chaos so richtig beginnt: Die Maschine rast auf heftige Turbulenzen zu, die Piloten schnallen sich an, der übergewichtige Fluggast Ralph hat sich gerade über die Flughostess, die eine Schönheitskönigin von Wisconsin sein könnte, erbrochen. Gleich wird die Tollwut an Bord ausbrechen, es wird erste Opfer geben. Nach der Notlandung im dann abgeriegelten Flughafenterminal beginnt dann das Ringen ums Verstehen. Später: die Hatz durch Flure, dunkle Gänge entlang, durch Verladehallen und darauf die Konflikte mit der Sondereinsatztruppe, die auf die Überlebenden schießt.

Also alles so weit so bekannt, im Zombie- Rage-Virus-Universum. REC, das deutliche Vorbild wieder, außerdem noch so Sachen wie RIGHT AT YOUR DOOR, oder Belagerungsfilme, oder THE MIST, statt des Kaufhauses bei Romero nun der Flughafen als Mahnmal des Transits einer post- und hypermodernen, heimatlosen, interkontinentalen und mobilen Gesellschaft. Die Koordinaten sind allzu bekannt, und viel Neues wird hier nicht geboten. Eigentlich traurigerweise überhaupt nichts. Und obwohl sich der Film erfreulicherweise zunächst um eine differenzierte Figureneinführung bemüht, sind es schlussendlich nur wieder Typen, die er beschreibt. Ein Täuschungsmanöver. Sympathisch wird einem da keiner, es bleiben Schablonen.

Die Spannungsregie bleibt in ihren zur Routine gewordenen Standards stecken; Verfolgungsjagden, machen wir uns nichts vor, sind per se ein probates Mittel, um billigen Thrill zu generieren. Jedoch werden in QUARANTINE im Vergleich zum Original (REC) die beengten Verhältnisse eines Mietshauses, die dazu prädestiniert waren, eine klaustrophobische Bedrängung auszulösen, gegen eine beliebige Architektur der Unübersichtlichkeit ausgetauscht, der eben gerade jene Atmosphäre und "wahre" Beklemmung vollkommen abgeht. Nervende Überraschungseffekte gibt es außerdem von wie aus dem Nichts auftauchenden Ungeheuern, die dann fratzenhaft ohrenbetäubend in die Kamera schreien.

Dass das Übel letztlich vom größenwahnsinnigen Chemiker aus den eigenen Reihen kommt, der mit seinen Weltuntergangsphantasien ernst macht, ist dabei nur noch ein phlegmatisch hinzunehmender Plotpoint, über den sich seit 1965 keiner mehr groß wundert. QUARANTINE 2: TERMINAL ist die wieder aufgegossene Kopie einer Kopie, die letztlich sehr viel über Marktmechanismen und Rezeptionsgewohnheiten aussagt. Mehr jedenfalls als über... tja,... die Zukunft des Horrorfilms.