Mittwoch, 21. März 2012

Barbara (Christian Petzold, Deutschland 2012)


Da sie einen Ausreiseantrag gestellt hatte, wird die Ärztin Barbara aus der Berliner Charité in ein Provinzkrankenhaus versetzt. Dort wird sie freilich missgünstig beäugt - von Kollegen, Nachbarn, der Dorfgemeinschaft, den Stasileuten. In einem Waldstück oder einem Interhotel trifft sie sich für kurze Momente der Zweisamkeit mit ihrem Freund, einem Wessi und Geschäftsmann, der sie in den Westen holen möchte. Doch wird Barbara zusehends empfänglicher für die Avancen des sympathischen, bodenständigen Chefarztes (Ronald Zehrfeld), sowie verfestigt sich ihre emotionale Bindung ans Krankenhaus mit seinen individuellen Krankengeschichten. Als ihr Lover ihr offenbart, sie bräuchte im Westen auch nicht mehr zu arbeiten (er verdiene mehr als genug), schreckt sie jedoch zurück. Die Beziehung auf Augenhöhe mit ihrer neuen Liebelei erscheint plötzlich als lebbare Option.

Petzolds Film ist in der DDR der Achtzigerjahre angesiedelt, und so findet notwendigerweise eine gehörige Portion deutsche Geschichte Eingang in den Film. Diese fungiert als historischer Background in einem Liebesdrama, das vollständig von Nina Hoss dominiert wird. Sie ist beinah in jedem Filmbild zu finden, nicht selten in Groß- oder Nahaufnahme, auf dem Fahrrad, spazierend, rauchend, stets ernst, manchmal schon verhärmt dreinblickend. Sie ist eine unnahbare Frau, verschlossen und eine strenge Schönheit, sehr abgemagert mittlerweile. Wenn die Hoss dann nach einer Stunde Spielzeit zum ersten Mal ansatzweise lächelt, ist das fast eine Erlösung. Der Plot der begehrenswerten Schönen zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern, die freilich hier zugleich zwei politische Systeme repräsentieren, ist durchweg spannend inszeniert und vor allem: meisterlich photographiert. Die Kameraarbeit ist unaufdringlich elegant und flüssig, nie manieriert oder kitschig. Es finden sich einige wirklich tolle Montagen, die bei einer Zweitsichtung sicherlich noch deutlicher erkennbar werden. Zugleich wünscht man sich aber, bei aller Perfektion, von Christian Petzold wieder einmal überrascht zu werden. Und nicht den dritten Nina Hoss-Film in Folge (nach YELLA und JERICHOW) präsentiert zu bekommen. Und zwar genau in der Art, wie man einen Hoss/Petzold-Film erwartet. Aber genau so ist es nun gekommen. Zu einer meisterlichen Stagnation.