Freitag, 27. Juli 2012

Special Forces (Stéphane Rybojad, Frankreich 2011)


Die Journalistin Elsa (Diane Kruger) hält sich im Nahen Osten auf und ist einem brisanten Thema auf der Spur: dem Handel heiratsfähiger Mädchen unter der Knute der Taliban. Die hübsche Maina soll verkauft werden, sie entlarvt in einem geheimen Interview mit Elsa aber noch die Dunkelmänner - wohl wissend, dass sie das ihr Leben kosten könnte. Kurz darauf wird sie entführt, Elsa und ihr Begleiter ebenso. Sie geraten in die Hände eines Clanführers der Taliban, Ahmed Zaief, und dieser stellt der französischen Regierung ein Ultimatum. Da man sich aber aus der Region militärisch weitestgehend zurückgezogen hat, kann man nicht schnell genug reagieren. Einzig eine kleine Truppe Elitesoldaten ist einsatzbereit. In einem spektakulären Fallschirmsprung wird man über der Region abgesetzt, mit dem Ziel, Elsa unter allen Umständen zu befreien.

Konnte der souveräne und lustige FOUR LIONS noch mit einem gewaltigen Maß an Selbstironie und britischer Gesellschaftskritik überzeugen, so fällt dieser französische Film wieder in alte Söldner-/Militärfilmtraditionen zurück. Die markigen Mannsbilder sind allesamt jedoch recht sympathisch gehalten (die Figuren werden sogar mittels eines Grillfestes einigermaßen eingeführt) und anstatt frauenfeindlicher One-Liner findet sich hier eher fatalistisches Schulterzucken. "Es ist halt der Job, schaun wir mal, ob wir wieder lebend rauskommen." Nach also gut einer halben Stunde Auftakt geht dann die Action los, dafür aber so richtig. Häuserkampf, Befreiung Elsa. Die Regie zeigt in diesen Szenen auch, wozu sie fähig ist. Die Darstellung des Wechselspiels und die Kommunikation mit dem Sniper auf der Anhöhe, der den Einsatz unterstützt, ist absolut großartig in Szene gesetzt, die Spannung wird extrem hochgeschraubt. Die meiste Zeit befindet man sich in POV-Einstellungen der Franzosen, dennoch wird genau das richtige Maß an Unübersichtlichkeit und Zielgerichtetheit der Aktionen und Feuergefechte vermittelt.

Im weiteren entwickelt sich der Plot in Richtung Odyssee und Himmelfahrtskommando. An die Stelle, wo die Helden von den Hubschraubern aufgepickt werden sollen, gelangen sie nicht rechtzeitig. Dann wird der Kontakt schwierig und bricht ab. Mithilfe eines magischen GPS-Geräts, dessen Batterien mehrere Tage lang halten und unter großer Kälte noch funktionieren, führt sie der Anführer in Richtung Hindukusch. Die Berge scheinen der einzige Ausweg aus diesem Katz-und-Maus-Spiel. Jedoch hat man bereits einige Verluste zu vermelden, ist weder für die Höhe noch für die Temperaturen ausreichend ausgerüstet. Die Übermacht des Feindes ist aber riesig, es bleibt also kein anderer Weg. Hier findet der Film zu seinen wirklichen Höhepunkten: die Landschaftsphotographie ist atemberaubend. Wie man liest, in Tadschikistan gedreht, gibt es hier umwerfende Bilder von Tälern, kargen Hochebenen, und schließlich tiefverschneiten Gebirgszügen. Der Film gerät beinah zum Abenteuerfilm.

Dass man immer wieder Szenen des Heldentums durchzustehen hat, eine angedeutete Liebesgeschichte ertragen muss, von den Taliban nur das Schlimmste, den Dorfbewohnern nur das Beste dargestellt bekommt, muss man irgendwie hinnehmen, wie auch so manche Unwahrscheinlichkeit. Etwa wenn fünf Mann breitbeinig einer anstürmenden Horde von Feinden entgegensteht und aus der Hüfte die Gewehre rattern lässt. Hier wird der versucht realistisch gehaltene Film mythisch überhöht und genrespezifisch ausgeschlachtet, was auf einer Metaebene funktionieren würde, nicht aber bei diesem bierernst gehaltenen Film.

Ein recht spannender Film also ist SPECIAL FORCES, mit einigen enormen Schwächen und einer umwerfend zweckdienlichen Kameraarbeit, die zumeist der Überrumpelung des Betrachters dient. Das Erstaunen ist stets die erste Reaktion beim Zuschauer, ganz gleich bei welcher Szene. Das Bild der Blu-ray allerdings ist ein Traum, brilliant, Wahnsinn. Der Tonabmischung fehlt etwas der Bass, allerdings wird der Film dadurch nicht zu wummsig und erhält sich eine gewisse Leichtigkeit.