Sonntag, 22. Juli 2012

The Raid (Gareth Evans, Indonesien/USA 2011)


Es geschieht nicht alle Tage, dass ein solcher Genrefilm in deutschen Kinos läuft. Denn Genre ist dieser Action- / Kampfsportfilm durch und durch. Der walisische MERANTAU-Regisseur Evans knüpft mit einem neuen Kampfwunder, einer Handkantenmaschine sondersgleichen namens Iko Uwais an seine Vorläufer im Geiste an, als da wären der thailändische CHOCOLATE mit Yanin Vismistananda von Prachya Pinkaew oder die ONG-BAK Filme von ihm und Panna Rittikrai mit Tony Jaa in der Hauptrolle, der den Hype um den härtesten Kampfsportfilm im Muay Thai neu belebte. In THE RAID geht es allerdings deutlich militärischer und weniger esoterisch zu: eine Sondereinheit der Polizei stürmt einen riesigen Gebäudekomplex, teils Wohnhaus, teils Unterschlupf eines Supergangsters. Hier hat man es nun, anders als sonst gewohnt in asiatischen Martial-Arts-Filmen, nicht mit feinziseliert präsentierten Kampfkünsten vor touristisch erlesenen Hintergründen zu tun, sondern mit einem isolierten Gebäude zwischen Abrisshaus und Crackzuflucht, sowie Sozialbau anno Weltuntergang zu tun. Der Film ist also zunächst: so richtig häßlich. Die Mannschaft geht rein, kämpft sich Stock für Stock nach oben, wird dann aber schnell abgefangen, denn ihr schlägt rüdeste Gegenwehr entgegen. Dass hier etwas nicht stimmt, wird schnell klar, und man vermutet zurecht, dass dieser Einsatz nicht mit rechten Dingen zugeht.

Der auf der Plotebene sehr schlank gehaltene Film gewinnt seine Power vor allem aus den atemlosen Kämpfen, sei es mit Waffen oder im direkten Zweikampf - das ist schnell und beinhart, teilweise superexplizit brutal - in einem reduzierten Setting. Die Actionszenen in den Fluren, Wohnräumen und den Treppenhäusern sind kongenial umgesetzt, und erst gegen Ende setzen erste Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer durch sich ständig sukkzesiv aufaddierende Kampfszenen ein. Dass das zuwenig ist für einen ganzen Spielfilm, war wohl auch den Drehbuchschreibern klar, und so gerät ein Bruderzwist, der unglaubwürdig und künstlich bemüht in den Film hineingestopft wurde, im letzten Drittel zum Ärgernis. Dieser bläht den Film unnötig auf - und beschert dem Publikum, ob sich Iko Uwais darüber freut, ist sicher fraglich, einen interessanten Bösewicht, der mehr Charakter und Charisma besitzt, als der allzu glatte und gesichtslos agierende Protagonist. Dieser vermag seiner Figur kaum eine Tiefe zu geben. Aber auch Bösewicht Mad Dog (Yayan Ruhian), der Finalkampfgegner, ist ein Charakterkopf, der im Gedächtnis bleibt, und der eine einprägsamere Physiognomie aufweist als Uwais. Nun denn, THE RAID ist ein in kalten blau-grauen Tönen gehaltener, sehenswerter Martial-Arts-Film, den man sich im Kino nicht entgehen lassen sollte.

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