Sonntag, 25. November 2012

Felicia / Les mille et une perversions de Felicia (Max Pécas, Frankreich 1975)


Während Paul und Gabrille ein angenehmes Leben nach Art der provinziellen Bohème im französischen Deauville führen (er ist Lehrer, sie eine Photographin kurz vor dem Durchbruch), wird ihr libertin gleichförmiges Leben durch die 15jährige Felicia erschüttert, die sie für drei Wochen bei sich aufnehmen, da deren Mutter in ein schweizer Sanatorium muss. Felicia ist ein aufgewecktes, dabei rotzfreches Gör, das gerade ihren Körper und die Erotik zu entdecken beginnt, und so ist nach anfänglichen Widerständen der Erwachsenen es bald üblich, draußen am Pool die Hüllen fallen zu lassen. Außerdem beginnt sie für Gaby Modell zu stehen, schwül-zarte Bilder einer jugendlichen Sexualität entstehen, die vor allem bei den männlichen Kunstexperten der Region gut ankommen. Felicia becirct Gabrielle zunehmend, und Gaby legt bald alle Hemmungen ab, verknallt sich sogar in das Mädchen. Diesem reicht die eine Eroberung freilich nicht, und so ist auch Paul bald seinen Frieden los. Zumal er sowieso schlecht darauf zu sprechen ist, dass sich seine Frau emotional von ihm entfernt hat.

Paul und Gabrielle erwarten Felicia am Flughafen ...

Paul vermutet richtig ...

FELICIA ist schwüler Euro-Softporn deluxe. Weichzeichner, Rosenbeete, Frauenhüften im Kerzenlicht, verruchte Mädchen in halboffenen Bademänteln, Grenzgänge allenthalben. Die Protagonisten bewegen sich auf einem emotionalen Minenfeld, denn die ach so offene Beziehung des sexuell enorm aktiven Ehepaares wird in Frage gestellt. Der Plot besteht mit einer doch ziemlich unterhaltsamen und glaubhaften Handlung. Es ist keinesfalls so, dass man entnervt vorspulen wollte, auch wenn hier natürlich überhaupt nichts Neues erfunden wird. Gleichwohl wird das alles recht ansprechend dargeboten. Und Pauls Verärgerung über Felicia fügt eine überraschende Reibungsfläche hinzu, sein Umkippen wird sehr lange hinausgezögert. Natürlich auch, um den lesbischen Neigungen Raum zu geben, aber dennoch...

Nächtliche Badefreuden.

Der Film wandelt mehrfach hart an der Grenze zum Hardcore, überschreitet diese jedoch nie. Er ist suggestiv, erotisch, schwül, lüstern, verklemmt, müde und exzessiv. Er ist pures Kopfkino. Mir ist das ja ehrlich gesagt bedeutend lieber, als das Abbilden stumpfer, mechanischer Offensichtlichkeiten. Und wenn das alles mit einer solch liebenswürdigen Schlüpfrigkeit und Unverfrorenheit präsentiert wird, dann kann man diesen Film eigentlich nur empfehlen.

Diese Rosen!

Felicia als Modell.

Gabrielle, abends vor dem Schminkspiegel.

Gabrielle geht gleich zu Bett.